Nach Heilbronn kommen weniger Flüchtlinge – weitere Unterkünfte geplant
2025 kamen in Heilbronn bisher nur 43 neue Asylbewerber an. Die Flüchtlinge leben entweder in 90 Wohnungen oder in zwölf Großunterkünften. Drei davon kamen 2025 neu hinzu, drei weitere sollen folgen.
Nach Jahren der Zunahme ist die Zahl der Asyl-Erstanträge 2024 bundesweit um 100.000 auf 229.751 gesunken. Der Trend setzte sich 2025 fort. So wurden in den ersten drei Monaten 2025 in Baden-Württemberg noch 3606 (2024: 4890) registriert. Nach Heilbronn kamen in diesem Zeitraum 33 Flüchtlinge, im April nur zwei, im Mai bisher acht.
Wie viele Flüchtlinge in Heilbronn leben – und in welchen Unterkünften
Insgesamt leben in der 130.000-Einwohner-Stadt derzeit aber nach wie vor doppelt so viele Asylbewerber wie 2020, nämlich rund 1600. Ein Drittel floh vor dem Ukrainekrieg (wobei zudem viele privat unterkommen), ein Viertel kommt aus Syrien, 17 Prozent aus der Türkei, sieben Prozent aus dem Irak, fünf Prozent aus Afghanistan. Insgesamt sind 30 Länder vertreten. Diese Zahlen kamen jetzt im städtischen Verwaltungsausschuss auf den Tisch.
Die Flüchtlinge leben entweder in 90 Wohnungen oder in zwölf Großunterkünften, von denen drei 2025 dazukamen, drei weitere sollen bald folgen, auch wenn durch Maßnahmen der neuen Bundesregierung der Zustrom weiter gebremst werde, so Bürgermeisterin Agnes Christner.
Auf Nachhaken von Alfred Dagenbach (Pro), der vor „Überkapazitäten“ warnte, betonte sie, die Aufstockung sei notwendig, weil Heilbronn ein Minus an Aufnahmen aufholen müsse, weil die Flächenvorgabe pro Person wieder von 4,5 auf sieben Quadratmeter steige, aber auch als Puffer bei Sanierungen oder Notfällen.
Flüchtlingen in Heilbronn „gutes Ankommen ermöglichen und Perspektiven eröffnen“
Insgesamt, so Achim Bocher als Chef des Amtes für Familie, Jugend und Senioren, sei es in Heilbronn gelungen, Flüchtlingen „ein gutes Ankommen zu ermöglichen und auch Perspektiven zu eröffnen“: mit dem dezentralen Unterbringungskonzept, der Einbindung der ehrenamtlichen Arbeitsgemeinschaft Arge und der engen Kooperation aller mit der Thematik betroffenen Bereiche, also Wohlfahrtspflege, Kirchen, Ehrenamtliche, Tageseinrichtungen, Schulen, Polizei, Arbeitsagentur, Jobcenter und vielen weiteren Partnern innerhalb und außerhalb der Stadtverwaltung.

Die Bereitstellung von Wohnraum, die Unterstützung bei der Erlernung der Sprache und der Zugang zu Bildungsangeboten sowie die Vermittlung in den Arbeitsmarkt – immerhin die Hälfte gehe einer Arbeit nach – seien weiterhin wichtige Ziele und Bestandteile der Integration, betonte Amtsleiter Achim Bocher. Pro Jahr setze die Stadt rund neun Millionen Euro für die Flüchtlingsarbeit, wobei so gut wie alles von Bund und Land erstattet werde.
Konflikte in Asylunterkünften unter Flüchtlingen, auch wegen traumatischer Erlebnisse
Freilich: Die Arbeit mit den Geflüchteten sei für die Mitarbeitenden „nach wie vor kräftezehrend“. Die beengten Unterbringungssituationen, zeitweise auch in Notunterkünften, lösten eine Vielzahl an Konflikten unter den Bewohnern aus. Die Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse und die psychischen Auswirkungen der Flucht- und Kriegserfahrungen und des Krieges führten teilweise zu Unruhe und Problemen im Zusammenleben mit anderen Bewohnern.
Stadträte fast aller Parteien lobten die städtische Flüchtlingsarbeit ausdrücklich, zeigten sich aber auch erleichtert über die Gesamtsituation. „Wir können aufatmen, das ist auch wichtig für den sozialen Frieden in der Stadt“, sagte Verena Schmidt (CDU). „Vor der Haustür“ habe sich die Lage entspannt, so Rainer Hinderer (SPD), in den Heimatländern der Asylanten freilich nicht. „Wie sich das auf Dauer entwickelt ist ungewiss“, gab Herbert Burkhardt (FWV) zu verstehen.
„Aufatmen“ könne man auch als Demokrat, meinte Christoph Troßbach (CDU), weil von der Flüchtlingsproblematik „der rechte Rand profitiert“ habe. Auch die Bezahlkarte wurde angetippt. Auf Nachfrage von Troßbach, Raphael Benner (AfD) und Malte Höch (UfHN) sagte Bocher, die Stadt habe bisher nur 65 verteilt, 150 sollen zeitnah folgen. „Nun müssen wir erstmal Erfahrungen sammeln.“ Missbrauch sei bei jedem System möglich, Gegensteuern nur überregional sinnvoll. Es gibt einen Trick, wie Unterstützer das Bezahlkarten-System umgehen. Gottfried Friz (FDP) stellte klar: „Bei allen Zahlen und Problemen dürfen wir nie vergessen: Es geht hier um Menschen.“
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