Feuerwehr Heilbronn: Vor-Ort-Termin zeigt Mängel an der Wache in der Beethovenstraße
Zu wenig Stellplätze für Einsatzfahrzeuge, improvisierte Umkleiden für Frauen. Warum die Heilbronner Hauptfeuerwache nicht mehr zeitgemäß ist.
Vieles hatten die Erbauer der Feuerwache in der Beethovenstraße Ende der 50er Jahre im Blick. Immerhin besteht dort gut 60 Jahre später immer noch das Zentrum der Heilbronner Feuerwehr. Eines jedoch schien damals undenkbar: Dass eines Tages auch Frauen im Dienst sein könnten. Die Geschlechtertrennung ist allerdings nur eines der vielen Probleme, mit denen sich Kommandant Fabian Müller täglich auseinandersetzen muss. „Wir befinden uns in einer Umbruchphase“, sagt der 43-Jährige. Eine neue Hauptfeuerwache muss her. Das ist politischer Konsens. Noch in diesem Jahr will der Gemeinderat im Rahmen einer Klausurtagung über den künftigen Standort entscheiden.
Feuerwache in Heilbronn: Container wurden bereits nach Klingenberg ausgelagert
Die zwingende Notwendigkeit eines Neubaus stellte Müller am Mittwoch (8. April) beim Vor-Ort-Termin dar. Ein Problem fällt schon beim Betreten des Geländes auf. Einige Einsatzfahrzeuge stehen auf dem Hof, es fehlt an Stellplätzen in den Hallen. „Dadurch altern die Fahrzeuge schneller, gerade im Winter geht das eigentlich überhaupt nicht“, sagt Müller. Einige Container mit Material sind inzwischen nach Klingenberg ausgelagert worden, um Platz zu schaffen. Dort soll eine Leichtbauhalle errichtet werden, um sie vor der Witterung zu schützen.

Improvisation ist aber auf weit mehr Gebieten gefragt. Beispielsweise bei der Schwarz-Weiß-Trennung. Damit ist gemeint, dass die verschmutzte Einsatzkleidung nicht in die Umkleide- und Sanitärräume gelangen sollte. Um das zu gewährleisten, bräuchte es einen Quarantänebereich. „Es geht bei uns ja oft nicht um verdreckte Kleidung, sondern um Kontaminationen mit gefährlichen Stoffen, die dann mit der Privatkleidung bis nach Hause mitgenommen werden“, erklärt Müller.
Feuerwache Heilbronn: Kernsanierung im laufenden Betrieb ist nahezu unmöglich
Die Umkleiden platzen aber bereits jetzt aus allen Nähten. Nur durch einen Vorhang getrennt wurde ein provisorischer Frauenbereich eingerichtet, die Jugendfeuerwehr wurde auch noch mit in die Umkleide der Freiwilligen Feuerwehr gequetscht, deren Mitglieder künftig zu Hause duschen müssen.
Es fehlt an Büros, das Dach ist undicht, die Heizung bereitet immer wieder Probleme. Die Technik der Leitstelle musste in die Fahrzeughalle ausgelagert werden. Aus Brandschutzgründen eigentlich ein Unding - und das bei der Feuerwehr selbst. „Es geht hier nicht um ein paar bauliche Mängel, sondern um eine Kernsanierung, die angesichts eines 24-Stunden-Betriebs aber nicht möglich ist und auch das Platzproblem nicht lösen würde“, stellt Müller klar.
Zu weite Einsatzwege von der Heilbronner Feuerwache ins nördliche Stadtgebiet
Zudem sorgt die Lage mitten in einem Wohngebiet immer wieder zu Beschwerden der Nachbarn. Mitglieder müssen bei Einsätzen aus Platzgründen teilweise außerhalb der Wache parken. Zwangsläufig entsteht Lärm. „Dabei fahren wir nachts ohne Martinshorn vom Gelände, und die Hoflautsprecher sind ausgeschaltet“, erklärt Müller. Ärger gibt es trotzdem immer wieder.

Der Standort Beethovenstraße besitzt allerdings noch einen weiteren signifikanten und problematischen Nachteil. „Einsatzstellen im nördlichen Stadtgebiet erreichen wir nicht in den vorgegebenen Zeiten“, erklärt Müller. Das ist dem Bevölkerungswachstum und der Ausdehnung Heilbronns geschuldet und kann nur durch die Standorte der Freiwilligen Feuerwehr in den nördlichen Stadtteilen kompensiert werden.
Gerade für die ehrenamtlichen Kräfte gelte es, weiterhin eine „zeitgemäße und attraktive“ Wache zu bieten, erklärt Müller. Das Interesse ist groß, teilweise musste in den Jugendfeuerwehren aus Kapazitätsgründen ein Aufnahmestopp verhängt werden.
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