Rentner aus Böckingen will Fahrsicherheit prüfen lassen – und stößt auf Hürden
Ist es noch vertretbar, Auto zu fahren? Das fragt sich Senior Fred Seyfarth aus Heilbronn-Böckingen. Doch einen Fahrlehrer für einen Sicherheits-Check zu finden, ist für ihn gar nicht so einfach.
Die Kinder und Enkelkinder von Fred Seyfarth aus Heilbronn-Böckingen haben zuletzt gedrängt. Er solle mal nachschauen lassen, ob das Autofahren noch so gut wäre in seinem Alter. Seyfarth ist 78. Er sagt, er fühle sich fit – und fragte bei Fahrschulen nach, was sie ihm anbieten können. Da sei er aber abgewiesen worden. „Das kann doch nicht sein“, bemängelt er.
Fahrlehrer Achim Michelfelder aus Neuenstein hält es zwar für möglich, dass im Einzelfall eine Fahrschule nicht auf einen solchen Wunsch eingeht. In der Regel seien dafür aber viele Fahrschulen in der Region Heilbronn und Hohenlohe offen. Auch Städte und Gemeinden unterstützen seiner Erfahrung nach ältere Menschen bei dem Wunsch, ihre Fahreignung überprüfen zu lassen. „Das gibt es schon öfter, dass Senioren bei mir anfragen“, sagt Michelfelder. Vom Ablauf her sei das wie eine Fahrstunde, aber am Ende steht keine Prüfung. „Das ist alles ganz unverbindlich“.
Fred Seyfarth: Verzicht aufs Fahren „wäre große Einschränkung für mich“
Seyfarth geht inzwischen am Rollator. Für das gelegentliche Autofahren sei das aber kein Problem, sagt der Bäckermeister im Ruhestand. Insgesamt habe er das Fahren reduziert, seine Frau Ursula (73) übernehme viele Fahrten. Aber ans Steuer will er eben selbst auch noch ab und zu. Auf das Fahren zu verzichten, „wäre schon eine große Einschränkung für mich“, gibt er zu. Das sei auch Kopfsache.

Julian Häußler vom ADAC Baden-Württemberg kennt das. Das Thema sei sensibel. Hilfreich könne es sein, auch mit dem Hausarzt darüber zu sprechen, ob man in ein Alter gekommen ist, in dem man besser auf das Autofahren verzichtet. Seyfarth hat das noch nicht gemacht. „Ich fühle mich fit“, sagt er.
Wenn die nicht zwei Unfälle aus den vergangenen Jahren gewesen wären. Einmal ist er in Frankreich am Steuer ohnmächtig geworden und mit dem Auto in eine Hecke gefahren. Ein anderes Mal krachte es beim Auffahren auf die Autobahn. Er sei von einem Lkw gerammt worden. Bloß: „Ich bin mir keiner Schuld bewusst“, so Seyfarth. Ehefrau Ursula sagt: „Die Enkelkinder meinen, ihr Großvater spielt Russisch Roulette.“
Fahrsicherheit von Senioren: Das sagen die Statistiken
Fred Seyfarth schildert, selbst beim ADAC habe man ihm die Auskunft gegeben, ein Fahrtauglichkeitsüberprüfung sei in Heilbronn so nicht möglich, nur in Stuttgart. Häußler vom ADAC schließt nicht aus, dass Seyfarth eine falsche Info erhalten haben könnte. Er möchte ihm nun aber direkt eine Fahrschule aus Heilbronn vermitteln. Seyfarth sagt: „Vielleicht habe ich bisher einfach Pech gehabt bei der Auskunft.“
Statistiken zeigen, dass Senioren eben nicht überdurchschnittlich viele Verkehrsunfälle verursachen im Vergleich zu anderen Altersgruppen. Dennoch kommen altersbedingte Unfälle vor. Besonderes Aufsehen erregen Unfälle, die aufgrund der Verwechslung von Gaspedal und Bremse entstehen – wie im August in Offenau, als ein Radfahrer schwerste Verletzungen erlitt, als ihn ein 91-Jähriger mit seinem Auto erfasste.
Immer mehr Senioren in Heilbronn lassen Fahrsicherheit prüfen
Polizeisprecher Frank Belz berichtet, dass sowohl in Stadt- und Landkreis Heilbronn als auch in Hohenlohe eine durchgehende Steigerung festzustellen sei, was die Zahl von Senioren anbelangt, die ihre Fahrsicherheit überprüfen lassen. Eine Steigerung lässt sich allerdings auch den Zahlen ablesen, die Unfallverursacher betrifft, die älter als 70 Jahre sind.
In den vergangen fünf Jahren haben diese Zahlen in allen Kreisen zugenommen. 2021 wurden für den Hohenlohekreis 69 Unfallverursacher über 70 erfasst. Die vorläufige Zahl für 2025 liegt bei 129. Ähnlich proportional stellt es sich in Stadt- und Landkreis Heilbronn dar. Die Hauptunfallursachen bei den Senioren sind: Vorfahrtsmissachtungen, Fehler beim Wenden oder Rückwärtsfahren sowie die Missachtung des Rechtsfahrgebots.
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