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Vorwürfe gegen Fahrschule
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Betrug bei Führerscheinprüfungen in Heilbronn? „Das ist eine Riesenschweinerei“

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Bei bundesweiten Razzien wegen möglichen Betrugs bei theoretischen Führerscheinprüfungen steht eine Fahrschule in Heilbronn im Fokus. Ein Kollege reagiert erbost ob der kriminellen Machenschaften. 


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Ermittlern des Bereichs Organisierte Kriminalität des Polizeipräsidiums Heilbronn ist es gelungen, eine internationale Bandenstruktur zu ermitteln. Am Mittwochmorgen fanden Razzien in ganz Deutschland statt – darunter auch in Heilbronn, im Landkreis Heilbronn und in Sinsheim. Es geht um sogenannten Stellvertretungsprüfungen, also möglichen Betrug bei theoretischen Fahrprüfungen. 

Polizisten durchsuchen Heilbronner Fahrschule – Betrug bei Führerscheinprüfungen?

Auch bei einer Fahrschule in der Heilbronner Innenstadt fand eine Razzia statt. Die Masche funktioniert so: Betrüger, die einem Führerscheinanwärter ähnlich sehen, erscheinen in dessen Namen zur theoretischen Prüfung und lösen für ihn die Fragen. Sogenannte Stellvertretungsprüfungen beschäftigen Gerichte in ganz Deutschland. Die Stellvertreter lassen sich ihr Tun teuer bezahlen. Die Polizei geht von bis zu 5000 Euro pro Test aus.

Wegen möglichen Betrugs bei Führerscheinprüfungen fanden Durchsuchungen in Heilbronn statt – in einer Wohnung und in einer Fahrschule.
Wegen möglichen Betrugs bei Führerscheinprüfungen fanden Durchsuchungen in Heilbronn statt – in einer Wohnung und in einer Fahrschule.  Foto: Jürgen Kümmerle (links) / privat

Bei den Durchsuchungen am Mittwoch waren alleine in Baden-Württemberg mehr als 130 Polizeibeamte im Einsatz – darunter auch das Spezialeinsatzkommando (SEK). Alle Beschuldigten wurden einem Haftrichter vorgeführt, die Haftbefehle aufrechterhalten, in Vollzug gesetzt und die Beschuldigten in verschiedene Justizvollzugsanstalten eingeliefert. Ein Beschuldigter wurde nicht angetroffen, teilt die Polizei weiter mit.

Betrug bei Führerscheinprüfungen: Fahrlehrer spricht von „Riesenschweinerei“

Über solche kriminellen Machenschaften ist Fahrlehrer Jochen Romig erbost. Der 57-Jährige betreibt mehrere Fahrschulen im Kraichgau und in Schwaigern. „Das ist eine Riesenschweinerei.“ Ein lernschwacher Fahrschüler aus der Region bekomme möglicherweise nie einen Führerschein, weil er die Theorieprüfung nicht bestehe. „Und Kriminelle legen stattdessen ordentlich Kohle auf den Tisch und haben die Theorieprüfung.“

„Die erfolgreiche Arbeit meiner Kolleginnen und Kollegen bei der Kriminalpolizei Heilbronn zeigt mir deutlich, dass unsere oftmals langwierigen Strukturermittlungen gegen die Banden- und organisierte Kriminalität jedweder Art richtig und nachhaltig sind“, betont Polizeipräsident Frank Spitzmüller (52) in der Pressemitteilung. „Es kostet personelle und vor allem auch finanzielle Ressourcen, wenn wir das so machen und nicht einfach klein beigeben.“

Das Ziel der Polizei sei es, solche Kriminelle dingfest zu machen und vor das Strafgericht zu bringen. „Die weiteren Schritte liegen nun auch bei den jeweiligen Fahrerlaubnisbehörden. Jede so erworbene Fahrerlaubnis muss zwingend geprüft und wieder entzogen werden. Das gebietet die Sicherheit im Straßenverkehr.“

Razzien wegen Betrugs bei Führerscheinprüfungen: Oberstaatsanwalt lobt Ermittler-Arbeit

Auch der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Heilbronn, Dr. Frank Schwörer, lobt die umfangreiche und akribische Ermittlungsarbeit aller Beteiligten: „Solche Strukturen sind nur zu erhellen, wenn man sich nicht nur auf das Naheliegende konzentriert, sondern in größeren Zusammenhängen denkt und diese konsequent nachverfolgt.“

Es liege auf der Hand, dass solche Geschäftsmodelle weder ein Einzelfall noch ein allein hiesiges Phänomen seien. „Aber man muss sie eben mit viel Engagement aufdecken.“




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