Deutlich mehr Unfälle mit E-Scootern – auch im Raum Heilbronn?
In Baden-Württemberg ist die Zahl der Unfälle mit E-Scootern 2025 um 35 Prozent gestiegen. Fast 2000 Mal hat es landesweit gekracht. Auch die Heilbronner Polizei steht vor Herausforderungen.
In Baden-Württemberg sind immer mehr Menschen auf E-Scootern unterwegs. Und auch die Unfälle haben sich im vergangenen Jahr deutlich gehäuft – auf Rekordzahlen bei den erfassten Fällen, bei den Verletzten und bei den Unfalltoten: Wie das Innenministerium nun bekanntgab, kam es landesweit zu deutlich mehr Unfällen mit E-Scootern.
Mehr E-Scooter-Unfälle in Baden-Württemberg: Zehn Tote im Jahr 2025
Die Anzahl stieg um 35 Prozent auf 1978 Fälle an. Dabei sind 1500 Menschen verunglückt – ein ähnlicher Anstieg um 34 Prozent. 152 Personen erlitten dabei schwere Verletzungen, zehn Menschen starben. Im Vorjahr, 2024, verloren sieben E-Scooter- oder Segway-Fahrer in Baden-Württemberg bei Unfällen ihre Leben.
Nach Angaben der Polizei sind die E-Scooter-Fahrer für rund 70 Prozent der Unfälle verantwortlich, an denen sie selbst beteiligt sind. Die Hauptgründe sind dabei Einflüsse von Alkohol und Drogen oder Ablenkung. Bei fast jedem siebten Unfall in Baden-Württemberg war der E-Scooter-Nutzer sogar nicht mehr fahrtüchtig. Besonders häufig waren junge Menschen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren an den erfassten Unfällen beteiligt.
2025: Ein Toter nach E-Scooter-Unfall im Gebiet der Polizei Heilbronn
Und wie sieht es in der Region Heilbronn-Franken aus? Genaue Zahlen gibt das Team des Polizeipräsidiums Heilbronn erst Ende Februar, im Rahmen der Veröffentlichung der Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2025, bekannt. Frank Belz, Sprecher der Polizei Heilbronn, kann vorab jedoch schon einige Tendenzen nennen:
„Wir liegen unter der Zahl von 35 Prozent bei den gestiegenen Fällen, jedoch bleibt der Umgang mit E-Scootern eine besondere Herausforderung für unser Präsidium“, erklärt Belz. Neben dem Stadt- und Landkreis Heilbronn gehören auch der Main-Tauber-Kreis, der Neckar-Odenwald-Kreis sowie der Hohenlohekreis zum Zuständigkeitsbereich des Heilbronner Polizeipräsidiums.
Bei E-Scooter-Unfällen sei es im vergangenen Jahr im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Heilbronn zu einer niedrigen zweistelligen Zahl an Schwerverletzten, einer niedrigen dreistelligen Anzahl an Leichtverletzten sowie einem Todesfall gekommen. Frank Belz: „Eine Steigerung der Unfallzahlen in den vergangenen Jahren ist erkennbar.“
Immer mehr E-Scooter-Unfälle: Fahrer sind kaum geschützt
Rückblick: Laut dem Verkehrsbericht des Polizeipräsidiums Heilbronn für das Jahr 2024 stieg die Zahl der E-Scooter-Unfälle im Vergleich zu 2023 deutlich um knapp 67 Prozent auf 130 an. Auch 2024 ist eine Person bei einem E-Scooter-Unfall ums Leben gekommen. Es kam zu 95 Leicht- und neun Schwerverletzten. Das ist ein Anstieg von 90 Prozent im Vergleich zum Jahr 2023.
Zu den Gründen für die Unfälle heißt es im damaligen Bericht: „Es herrscht noch immer zu wenig Bewusstsein für die Gefahren von E-Scootern. Die Kraftfahrzeuge werden unbedacht genutzt, das sieht man alleine daran, dass sie oftmals mit mehr als der zulässigen Personenanzahl besetzt werden.“ Vergleichsweise häufig unterschätzen E-Scooter-Nutzer das Tempo ihrer Fahrzeuge und schenken Verkehrsregeln wenig Beachtung. Zudem verzichten sie oft auf das Tragen von Schutzkleidung.
Blinker und Führerschein-Pflicht bei E-Scootern in Baden-Württemberg?
Diese Aspekte seien laut Frank Belz auch im vergangenen Jahr vermehrt die Ursache für die Unfälle gewesen. „Drogen, Alkohol und Ablenkung spielen bei den Gründen für die Unfälle ebenso eine Rolle“, erklärt der Polizeisprecher. Die Altersgruppen der Unfallgeschädigten dürften auch im Zuständigkeitsgebiet des Polizeipräsidiums Heilbronn etwa dem Landestrend entsprechen, erläutert Belz.
Um die Unfallzahlen rund um E-Scooter zu senken, möchte die Landespolitik nun offenbar nachsteuern und neue Regeln veranlassen. Ab 2027 sollen neue Modelle beispielsweise mit Blinkern ausgerüstet werden. Außerdem sollen Kommunen mehr Spielräume für das Abstellen von E-Scootern bekommen. Unfallforscher sprechen auch von der Einführung einer Führerschein-Pflicht sowie einem Mindestalter von 15 Jahren für das Unterwegssein mit dem zweirädrigen Fahrzeug.
Bisher ist das E-Scooter-Fahren ab 14 Jahren erlaubt – ohne Nachweis von Kenntnissen der Straßenverkehrsordnung. Zuletzt hatten Fachleute auch eine schärfere Promille-Grenze für Radfahrer gefordert. Und bereits in diesem Jahr hat sich ein Jugendlicher in Heilbronn-Neckargartach beim Fahren mit einem E-Scooter schwer verletzt. In Heilbronn und Neckarsulm bietet die Vermieterfirma Dott rund 1000 E-Scooter und E-Bikes an.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare