Auf die Spur der Bande ist die Heilbronner Kriminalpolizei gekommen, nachdem der französische Geheimdienst Dateien sogenannter Encro-Chats an das Landeskriminalamt übermittelte, so der leitende Kriminalhauptkommissar vor dem Heilbronner Landgericht. Dabei handelte es sich um Chats auf sogenannten Kryptohandys. Diese Handys sind verschlüsselt und damit abhörsicher. Über die Auswertung unter anderem von Bildern in den Chats und Geodaten konnten die Beamten die verwendeten Codenamen realen Personen zuordnen und ein Scheinkonto feststellen. Entscheidend für den Zugriff waren aber die Fahrzeuge, die von der Bande für den Schmuggel genutzt worden sein sollen. Dort fanden die Beamten neben Drogen auch professionell eingearbeitete Drogenverstecke, die nur schwer zu öffnen gewesen sein sollen.
Drogengeschäfte in großem Stil: Heilbronner soll über eine Million Euro erlöst haben
Rund eine Vierteltonne Marihuana und rund zwölf Kilogramm Kokain soll ein 34 Jahre alter Heilbronner zwischen 2020 und 2021 als Kopf einer Bande umgesetzt haben. Seit Dienstag muss sich der Angeklagte vor dem Landgericht verantworten.
Rund viereinhalb Jahre war er auf der Flucht. „Jetzt bin ich froh, dass es vorbei ist“, so der 34 Jahre alte Angeklagte am Dienstag beim Prozessauftakt vor der 13. Großen Strafkammer des Heilbronner Landgerichts. Die Staatsanwältin wirft ihm vor, seit März 2020 rund ein Jahr lang als Führungsmitglied einer mehrköpfigen Bande in elf Fällen Handel mit Marihuana und Kokain im großen Stil betrieben zu haben.
Heilbronner soll Drogenhandel organisiert haben – Absatz bis Stuttgart und Ingolstadt
Als Führungsfigur der Bande soll der Heilbronner unter anderem für Finanzen und Logistik verantwortlich gewesen sein. Auch er selbst habe Drogen an seine Stammkundschaft verkauft. Als Absatzgebiet nennt die Staatsanwältin Heilbronn und Umgebung sowie den Raum Stuttgart und Ingolstadt.
Umschlagplätze seien unter anderem immer wieder Tankstellen und Parkplätze von Discountern gewesen. Insgesamt soll die Bande Drogen für rund 1,4 Millionen Euro umgesetzt haben.

Drogenprozess in Heilbronn: Autos wurden für das Verstecken von Drogen präpariert
Die Rauschmittel beschaffte sich die arbeitsteilige Bande offenbar vor allem aus den Niederlanden und Spanien. In eigens mit Drogenverstecken präparieren Fahrzeugen. Häufig verpackt in Waschmittelkartons. Einmal mutmaßlich sogar per Postsendung.
Vier der Bandenmitglieder sowie eine Reihe von Abnehmern wurden bereits verhaftet und verurteilt. Der zweite Kopf der Bande befindet sich offenbar noch auf der Flucht.
Auf der Flucht vor der deutschen Polizei ist der Angeklagte offenbar in die Türkei eingereist. Dafür verwendete er zunächst seinen deutschen Pass. Weil ihm das mit der Zeit zu gefährlich erschien, verlängerte er sein Touristenvisum dort immer wieder mit seinem iranischen Pass, so der 34-Jährige. Für zwei Monate sei er 2023 wiederum mit seinem deutschen Pass in den Iran eingereist. „Ich habe aber gesehen, ich komme da nicht klar“, sagte der Angeklagte.
Prozess in Heilbronn: Beteiligte loteten Strafrahmen bei Geständnis aus
Zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft will sich der Deutsch-Iraner am Montag, 19. Januar, äußern. Vorausgegangen war ein sogenanntes Erörterungsgespräch zwischen der Kammer, der Anklagevertreterin und der Verteidigerin Sophie Bechdolf-Reif. Darin loteten die Prozessbeteiligten zum Prozessauftakt aus, wie sich ein Geständnis im Sinne der Anklage auf die Strafe auswirken könne.
Laut dem Vorsitzenden Richter Lutz Hils könne sich die Kammer eine Haftstrafe von acht bis neun Jahren vorstellen. Die Staatsanwältin hatte sich für neun Jahre ausgesprochen. Für den Fall, dass der Angeklagte nicht gestehe, stellte Hils einen Strafrahmen von bis zu zwölf Jahren in Aussicht. Dabei werde dem Angeklagten ein Mindesterlös von rund einer Million Euro zugeschrieben.
Der Angeklagte ist in Mosbach geboren. Als er ein Jahr alt war, sei die Familie nach Heilbronn gezogen. Seine Eltern beschrieb der Angeklagte als locker. Auch wenn Schläge offenbar an der Tagesordnung waren. Die Grundschule habe er mit einer Gymnasialempfehlung beendet. Seine Eltern hätten ihn dennoch auf eine Realschule geschickt. Von dort sei er allerdings wegen Verhaltensauffälligkeiten verwiesen worden. Am Ende machte er einen Werkrealschulabschluss. Eine Berufsausbildung habe er nicht. Er habe danach auch lediglich vorübergehend in einer Bar gearbeitet.
Angeklagter in Heilbronn: Flucht war die schlimmste Zeit meines Lebens
Im Februar 2021 ergriff der Angeklagte schließlich auf der Flucht. Damals wurde seine Wohnung auf richterliche Anordnung durchsucht. „Das war die schlimmste Zeit meines Lebens“, sagte der Angeklagte. Schließlich wurde der von Interpol gesuchte Heilbronner in der Türkei verhaftet und am 5. Juni 2025 nach Deutschland ausgeliefert. Seitdem sitzt er in der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall in Untersuchungshaft.
Der Angeklagte hat offenbar auch Drogen genommen. Laut Lutz Hils komme eventuell auch nach der Verbüßung einer mehrjährigen Haft auch die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Betracht. Der Angeklagte sagte, er wolle nach seiner Strafe sein Leben ändern, ohne Drogen leben und eine Familie gründen. „Ich will aus all dem raus.“
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