E-Scooter in Heilbronn: Das plant die Stadt bei Regeln und Flottengröße
E-Scooter stehen wegen steigender Unfallzahlen in der Kritik. Viele schätzen die Roller aber für kurze Wege. Die Stadt Heilbronn kann sich vorstellen, dass Anbietermonopol beim Verleih aufzubrechen und feilt am zuletzt immer strengeren Regelwerk.
Die Goldgräberstimmung ist lange vorbei, der Markt konsolidiert sich: Anfangs gab es in Heilbronn mit Bird, Lime, Zeus und Tier vier Unternehmen, die Leih-Elektroroller im Stadtgebiet anboten. Übrig geblieben ist einer, die Firma Dott, die Tier übernommen hat, ist Monopolist in der Stadt und schickt in Heilbronn sowie in Neckarsulm eine Flotte von annähernd 1000 Rollern und E-Bikes ins Rennen.
Geht es nach der Stadt Heilbronn, muss es beim Dott-Solo nicht bleiben. „Die Sondernutzung war ursprünglich für bis zu zwei Unternehmen vorgesehen“, teilt das Rathaus auf Nachfrage mit. Diese Sondernutzung ist eine Vereinbarung mit Scooter-Verleihern, die Grundlage der Zusammenarbeit zwischen Kommune und Anbietern ist. Bei der letzten Vergabe hatte sich jedoch ausschließlich Dott mit einem aus Sicht der Stadt geeigneten Konzept beworben und den Zuschlag erhalten. „Aktuell ist geplant, die Sondernutzung erneut für bis zu zwei Anbieter zu öffnen.“
E-Scooter in Heilbronn: Stadt kann sich auch zwei Anbieter vorstellen
Ob es dann zu einer Konkurrenzsituation kommt, steht auf einem anderen Blatt. Branchengröße Lime hatte sich aus Heilbronn zurückgezogen und das auch mit den immer strenger werdenden Auflagen begründet. Die Stadt hatte auf Beschwerden wegen wild abgestellter Scooter reagiert und Sperrzonen sowie Parkflächen ausgewiesen.
Das sogenannte Free-Floating-Prinzip wird damit eingeschränkt. Eigentlich werden die Roller per App freigeschaltet, innerhalb des Geschäftsgebietes gefahren und dann an anderer Stelle abgestellt, wo sie für den nächsten Nutzer parat stehen – aber eben nur innerhalb der Grenzen, die das Rathaus setzt und fortlaufend anpasst.

Scooter-Anbieter Dott zufrieden mit Geschäft in Heilbronn
Man bewerte die derzeitigen Regeln als hilfreich, sagt eine Rathaus-Sprecherin: „Verbesserungen sind sichtbar, dennoch besteht weiterhin Optimierungsbedarf.“ Manche Bereiche seien zu stark reguliert, andere noch unzureichend. Die Stadt reagiert auf wiederholte Beschwerden und Parkverstöße, die Verbotszonen werden entsprechend angepasst.
Dott zeigt sich „sehr zufrieden“ mit dem Geschäft in Heilbronn und Neckarsulm. „Im Jahr 2025 konnten wir pro Monat zwischen 25.000 und 45.000 Fahrten verzeichnen“, berichtet das Unternehmen mit Sitz in Berlin. „Das bestätigt den steigenden Bedarf vor Ort.“
E-Scooter in Heilbronn teurer als anderswo – Dott rechtfertigt höhere Preise
Mit Regulierung hat der Anbieter nach eigener Aussage kein Problem: „Grundsätzlich sind Park- und Verbotszonen sinnvoll, um das Angebot möglichst konfliktfrei anzubieten und die öffentliche Akzeptanz weiter zu erhöhen.“ Trotzdem brauche es ausreichend Parkplätze, für Dott heißt das: nicht mehr als 150 Meter voneinander entfernt.
Das Monopolisten-Dasein von Dott in Heilbronn hat seinen Preis – für die Verbraucher. Als Solo-Anbieter ruft das Unternehmen hier höhere Mieten auf als in anderen Städten. In Heilbronn etwa werden für die Minute stolze 38 Cent fällig. Dafür ist auf dem hart umkämpften Stuttgarter Markt ein Auto zu haben. In Heidelberg kosten die Dott-Scooter derzeit 29 Cent pro Minute.
E-Scooter-Pro-Pass von Dott: In Heilbronn nicht buchbar – mit Trick trotzdem nutzbar
Der Anbieter vertreibt zudem zur Kundenbindung Pakete wie den Pro-Pass, der für wenige Euro einen ganzen Monat Sonderkonditionen ermöglicht. Passinhaber zahlen nur einen Euro pro Fahrt für bis zu 30 Minuten. Die Freischaltung, die sonst extra kostet, ist schon mit drin. In Heilbronn ist der Pass allerdings nicht zu buchen. Trick: Wer sich außerhalb von Heilbronn aufhält, bekommt den Pass sehr wohl aufs Handy und kann ihn dann überall nutzen.
Dass für Heilbronn besondere, eher kostspielige Regeln gelten, stellt Dott nicht in Abrede: „Da es sich hier um ein eigenwirtschaftliches, nicht öffentlich gefördertes Angebot handelt, müssen kommerzielle Pakete und Preise regelmäßig geprüft und gegebenenfalls angepasst werden“, schreibt das Unternehmen, „in Abhängigkeit von beispielsweise lokalen Partnerschaften, lokalen Kosten sowie Nachfrage und Wettbewerb vor Ort.“
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare
Günther Knapp am 22.01.2026 11:47 Uhr
Es mag an meinem Alter liegen, jedoch war und bin ich schon immer kein Anhänger dieser E-Scooter. Wer auf Gehwegen und in Fußgängerzonen als Fußgänger in der Stadt unterwegs ist, bemerkt sehr oft wie wenig sich Scooter-Fahrer an Verhersregeln halten und auch sich mit nicht angepasster Geschwindigkeit durch den Fußgängerverkehr schlängeln.
Der auch von Medien geförderte Hype E-Scooter führte bis heute auch zu Unfällen mit und durch die gedankenlosen Führer dieser Fahrzeuge.
Da ich selbst mehrer Enkel habe, ist mir bewusst wie gerne diese solche Roller ohne körperliche Kraftanstrengung benutzen, einzelne jedoch altershalber noch nicht benutzen dürfen.
Verkehrsregeln sind nur zweitrangig!
Für mich persönlich wäre es kein Verlust, wenn E-Scooter aus dem Stadtgebiet verschwinden würden!