Digitale Gewalt im Raum Heilbronn allgegenwärtig – „Frauen sind hochtraumatisiert“
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Auch im Raum Heilbronn sind Frauen von ungewollt verbreiteten Nacktfotos, Deepfake-Videos oder Cyberstalking betroffen. Der Weiße Ring kennt Fälle von digitaler Gewalt seit Jahren und gibt Einblicke.
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Deutschland diskutiert seit Tagen über digitale Gewalt gegen Frauen – ausgelöst durch Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen. Schon vor Jahren thematisierte die Schauspielerin öffentlich, dass sexualisierte KI-Videos, sogenannte Deepfakes, von ihr im Internet kursierten, die Menschen verbreitet hätten.
Dass das Thema nun in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, begrüßt Dieter Ackermann. Der Leiter der Außenstelle des Weißen Rings in Heilbronn sagt aber auch: „Ich finde es bedauerlich, dass es dafür erst prominente Gesichter braucht.“ Digitale Gewalt gegen Frauen sei in der Region allgegenwärtig. „Und das seit Jahren“, betont er.
Weißer Ring über digitale Gewalt gegen Frauen: „Täter sind meist Ex-Partner“
Bereits seit Jahresbeginn bearbeite der Weiße Ring 85 Stalkingfälle. Bei einer Vielzahl davon sei digitale Gewalt im Spiel. Für die Betroffenen sind die Folgen dramatisch, sagt Ackermann. „Die Frauen sind hochtraumatisiert und verängstigt, gepaart mit Hilflosigkeit und Scham.“
Tausende Menschen demonstrierten kürzlich gegen sexualisierte digitale Gewalt in Berlin. Auch im Raum Heilbronn sind derartige Fälle allgegenwärtig.
Foto: Carsten Koall/dpa
Die Frauen berichten von entwürdigenden Deepfakes und Nacktfotos, die von ihnen im Netz verbreitet werden sowie von massivem Cyberstalking. Betroffen seien Jugendliche bis hin zu Frauen im mittleren Alter. „Die Täter sind meist die Ex-Partner.“ Oft stecke Erpressung dahinter, wenn die Beziehung endete.
Digitale Gewalt gegen Frauen in Heilbronn: Einige gehen aus Scham nicht zur Polizei
Genaue Zahlen, wie viele Frauen konkret von Formen digitaler Gewalt im Raum Heilbronn und im Hohenlohekreis betroffen sind, lassen sich schwer abbilden. „In der polizeilichen Kriminalstatistik werden Grundtatbestände wie Beleidigung, Stalking oder Verleumdung erfasst“, sagt Ackermann. Ob es sich dabei um digitale Gewalt handelt, lasse sich schwer differenzieren.
Das bestätigt Frank Belz, Sprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn. Bislang sei der Heilbronner Polizei ein Fall von Fake-KI-Bildern bekannt geworden. Die ungewollte Verbreitung sexueller Inhalte komme häufiger vor.
Hilfe für Betroffene
Der Weiße Ring bietet Betroffenen Unterstützung, etwa durch Gespräche, die Vermittlung an spezialisierte Anwälte und eine Aufklärung über Schutzmöglichkeiten. „Es gibt Gegenmaßnahmen, die man ergreifen kann, wenn man digital belästigt wird“, macht Leiter Dieter Ackermann klar.
Die Heilbronner Polizei rät dazu, sensibel mit Fotos im Internet umzugehen. „Grundsätzlich ist empfehlenswert, keine Bilder oder Videos zu veröffentlichen“, sagt Sprecher Frank Belz. Opfer von digitaler Gewalt sollten Beweise sichern und Chatverläufe nicht löschen. Diese sollten der Polizei zur Verfügung gestellt werden.
Belz und Ackermann gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. „Es gibt unglaublich viele Fälle von digitaler Gewalt, bei denen Frauen nicht zur Polizei gehen“, sagt der Leiter des Weißen Rings. Einige würden den Aufwand scheuen oder sich schlichtweg schämen. Manche fürchten, dass der Täter nicht ermittelt werden könne.
Die Sorge scheint nicht völlig unberechtigt zu sein. Viele Täter würden ihre Identität im Internet verschleiern, sagt Ackermann. „Die Polizei ermittelt im Rahmen ihrer Möglichkeiten.“ Hilfreich wäre aus seiner Sicht eine Vorratsdatenspeicherung, damit Täter besser überführt werden können. Opfern rät er zu einer Anzeige.
Weißer Ring Heilbronn begrüßt geplante Gesetzesänderung zum Schutz vor digitaler Gewalt
Die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen Christian Ulmen haben bundesweit für Aufsehen gesorgt. Der „Spiegel“ hatte zuerst darüber berichtet. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung, sein Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, es handele sich „in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung“. Zudem würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“.
Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einem Gesetzentwurf zum besseren Schutz vor digitaler Gewalt. Eine Klarnamenpflicht im Netz soll damit nicht einhergehen, wie Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) kürzlich sagte. Diese hält auch Ackermann nicht für zielführend – weil sie Nachteile für Frauen haben könnte. Er macht im Hinblick auf die Täter eines klar: „Wichtig ist, dass sie aufhören.“
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