Was die Stadt Heilbronn zur Debatte um die Umbenennung der Anne-Frank-Kita sagt
Eine Kita in Sachsen-Anhalt will ihren Namen ändern und löst damit nicht nur vor dem Hintergrund des Gaza-Krieges heftige Kritik aus. Auch in Heilbronn gibt es eine Anne-Frank-Kindertagesstätte.

Pläne für eine Namensänderung der Kita „Anne Frank“ in Tangerhütte in Sachsen-Anhalt sorgen derzeit für kontroverse Kritik. Auch wenn diese schon länger gehegt werden und der Bürgermeister der Stadt, Andreas Brohm (parteilos), betont, dass noch nichts entschieden sei, schlagen die Pläne vor dem Hintergrund des Gaza-Krieges hohe Wellen.
Die „Magdeburger Volksstimme“ hatte am Wochenende darüber berichtet. „In Zeiten des Krieges in Nahost und massivem Antisemitismus auch in Deutschland, soll die Kindertagesstätte einen neuen Namen bekommen, heißt es in dem Bericht unter anderem. Dafür habe sich das Kuratorium der städtischen Einrichtung ausgesprochen.
Debatte um die Umbenennung der Anne-Frank-Kita: Wunsch von Eltern und Angestellten
Eltern und Angestellte hätten sich einen Namen gewünscht, der kindgerechter sei und besser zum Konzept passen würde. Ihre Bedürfnisse hätten mehr Gewicht als die weltpolitische Lage. Und: Eltern mit Migrationshintergrund könnten oft nichts mit dem Namen „Anne Frank“ anfangen. Auch von einem „Erneuerungsprozess“ ist die Rede.
Etliche Medien haben inzwischen die Diskussion aufgegriffen. Die Kita umzubenennen, wäre ein „Hochverrat an der Menschlichkeit“, ist unter anderem zu lesen.
"Wenn der Name Anne Frank einem nichts sagt, kann man das ändern"
Kritik übt auch Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Für die geplante Namensänderung „fehlt mir jegliches Verständnis“, sagt er. Wenn der Name Anne Frank einem nichts sage, könne man das ändern. „Es gibt Bildungsmaterial für alle Altersklassen.“
Bei dem Namen gehe es primär darum, die Geschichte Anne Franks zu erzählen beziehungsweise an sie zu erinnern, so Volker Beck. Auch unabhängig des Gaza-Krieges seien die lang gehegten Pläne zur Namensänderung daher nicht angemessen.
In Heilbronn ist die Anne Frank Kindertagesstätte ein Zeichen für Toleranz
In Heilbronn gibt es ebenfalls eine Kita, die den Namen Anne Frank trägt. „Mit dem Namen sollte ein Zeichen für Respekt und Toleranz in der Gesellschaft gesetzt werden“, bezieht Rathaus-Sprecherin Claudia Küpper klar Stellung.
„Zudem sollte mit dem Namen dem Zusammenleben von Menschen mit verschiedenen Kulturen, Religionen und ethnischen Hintergründen, das sich auch in unseren Kindertagestätten widerspiegelt, ein hoher Wert eingeräumt und Diskriminierung entgegengewirkt werden.“ Weiter war die Namensgebung „als Zeichen der Erinnerung an das vielfältige jüdische Leben in der Stadt gedacht“.
So können sich Kinder und Eltern informieren
Claudia Küpper erklärt, dass sich Kinder und Eltern in der Kita in der Robert-Bosch-Straße in Sontheim mit Anne Frank auseinandersetzen können. „Ihr Buch und ein Bild von ihr bieten dazu die Möglichkeit. Zudem ist im Konzept der Einrichtung die Auseinandersetzung mit kultureller Vielfalt verankert.“
Ihren Zusatznamen Anne-Frank-Kindertagesstätte habe die städtische Kita fast seit ihrem Bestehen. „Im Rahmen der Einweihungsfeierlichkeiten im Januar 2019 hatte Oberbürgermeister Harry Mergel den Namen vorgeschlagen. Der Gemeinderat hat diesem Vorschlag im November desselben Jahres zugestimmt.“
Ein Tagebuch, das zu einem historischen Dokument der Weltgeschichte wurde
Anne Frank war eine deutsche Jüdin, die mit ihrer Familie in die Niederlande auswanderte, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Über ihre Erlebnisse schrieb sie in einem Tagebuch, das zu einem historischen Dokument der Weltgeschichte wurde. Kurz vor Kriegsende fiel Anne Frank mit 16 Jahren dem Holocaust zum Opfer.
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