Verein Jüdisches Leben Kraichgau klagt Öffentlichkeit wegen Schweigens gegenüber Hamas-Terror an
Mit einer Resolution setzt der Verein Jüdisches Leben Kraichgau (JLK) ein Zeichen der Solidarität mit den Opfern des Hamas-Terrors in Israel. Der Verein fordert mehr Engagement bei Demos gegen antisemitische Tendenzen. Wie der JLK weltweit Kontakte pflegt.

"Wo Antisemitismus herrscht, ist unsere Demokratie in Gefahr! Doch wo bleibt der öffentliche Aufschrei, das beherzte Einschreiten, unser unumstößliches Bekenntnis zum Nie wieder?" Mit einer über E-Mails weltweit verbreitetem Resolution setzt der Verein "Jüdisches Leben Kraichgau" (JLK) ein Zeichen der Solidarität mit den Opfern des Hamas-Terrors in Israel.
In dem Text wird "das dröhnende Schweigen der Mehrheitsgesellschaft, der Politik und vieler Gedenkstätten, Bildungseinrichtungen und Kirchen" kritisiert. "Wo sind all die Lichterketten, Zeichen setzenden Statements, Petitionen, Hashtags, und Je suis Israël-Manifestationen?", fragen die Verfasser.
Verein Jüdisches Leben Kraichgau klagt Öffentlichkeit wegen Schweigens gegenüber Hamas-Terror an
Der Verein Jüdisches Leben Kraichgau sendet Botschaft der Solidarität in die ganze Welt. Adressaten sind nicht nur Juden.
Vier Wochen nach den Attentaten auf vorwiegend jüdische Bürger in Israel ringt der JLK um Antworten. Im Rahmen ihres ersten monatlichen Stammtischs nach dem brutalen Überfall durch Hamas-Terroristen tauschen die Mitglieder noch immer Nachrichten aus Israel aus. Zunehmend analysiert der JLK aber auch die Demos und Gegendemos in Deutschland. Dabei greifen die Vereinsmitglieder auf öffentlich verfügbare Quellen zurück.
Der JLK nutzt dabei auch die Kontakte, die der Verein seit dessen Gründung im Jahr 2008 mit Partnern im In- und Ausland geknüpft hat. "Wir haben viele jüdische und nicht-jüdische Freunde in Israel, den USA, in Deutschland und ganz Europa, mit denen wir im engen Austausch stehen", berichtet die Vereinsvorsitzende Elisabeth Hilbert aus Eppingen. Der Verein entsendet auch Delegationsmitglieder, um Kundgebungen zwischen Rhein und Neckar zu besuchen. So berichtete der Massenbachhausener Jürgen Schadt den Gästen des JLK-Stammtischs von der Heilbronner Kundgebung am Freitagabend.
Fehlende Empathie, mehr Solidarität: So reagieren Vereinsmitglieder
Wie nah der Konflikt tatsächlich ist, das verdeutlicht der JLK am Beispiel des Schüleraustausches des Eppinger Hartmanni-Gymnasiums mit der Zichron-Yaakow-Highschool in Israel. 13 Schüler waren am 5. Oktober, also zwei Tage vor dem Attentat, in Eppingen angekommen. Die Gruppe musste nach den Anschlägen Eppingen vorzeitig verlassen, um wieder sicher in ihre Heimat zurückzukehren.
Die Vereinsmitglieder zeigen sich fassungslos angesichts der öffentlichen Reaktionen nach dem mörderischen Überfall der Hamas auf wehrlose Zivilisten. "Mir fehlt die Empathie in der Bevölkerung", meint Manfred Krüger aus Leimen, Er hat sich mit einem Dossier von Presseberichten auf das Treffen in Eppingen vorbereitet. "Jetzt gilt es volle Solidarität zu zeigen", fordert Angelika Messmer aus Bad Schönborn, die zweite Vereinsvorsitzende.
Reise nach Israel: Noch hat niemand die Tickets storniert
Lange vor dem folgenschweren Attentat am 7. Oktober hatten etwa 20 Vereinsmitglieder eine Studienreise nach Israel geplant und bereits die Tickets gebucht. Trotz der aktuellen Lage wollen sie diese Reise im Januar antreten. Noch habe niemand storniert.
Zur Gedenkfeier "85 Jahre Reichspogromnacht" lädt die Stadt Eppingen am 9. November ab 17 Uhr zur Gedenkfeier ein. Erstmals wird diese an drei Orten stattfinden. Neben dem Verein "Jüdisches Leben Kraichgau" werden auch Schülergruppen der weiterführenden Schulen am Programm mitwirken.
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