Neue Todes-Droge: Ist Cychlorphin auch in Heilbronn im Umlauf?
Der synthetische Stoff wirkt bis zu 200 Mal stärker als Heroin. Cychlorphin im Mikrogramm-Bereich kann tödlich sein. Andernorts ist die Droge bereits aufgefallen. Und in Heilbronn?
Die Mengen sind winzig. Schon im Mikrogramm-Bereich können die Folgen enorm sein: Ärzte und Sucht-Experten warnen vor der neuen Designer-Droge Cychlorphin. Diese soll in ihrer Wirkung bis zu 200 Mal stärker sein als dieselbe Menge Heroin. Beim Konsum kann daher rasch eine Überdosis zum Tod führen.
Eine Überdosis geht zunächst mit verlangsamter oder aussetzender Atmung, Bewusstlosigkeit und Atemstillstand einher. In England hat das Opioid zu mehreren Todesfällen geführt. Cychlorphin zählt zu den sogenannten neuen psychoaktiven Stoffen (NPS).
Cychlorphin als neue Designer-Droge im Umlauf – auch in Heilbronn?
Cychlorphin ist auch in Baden-Württemberg im Umlauf – vor allem in Form von gelben Tabletten. Suchthilfe-Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Karlsruhe hatten die synthetische Droge im Urin eines Patienten nachgewiesen. Bereits im Frühherbst 2025 hatte das Universitätsklinikum Freiburg über einen schweren Vergiftungsfall berichtet, bei dem die Einnahme einer Cychlorphin-Tablette fast tödlich geendet sei.

Die Vergiftung durch die Droge ist nicht nur oral, sondern auch inhalativ und intravenös möglich. Nach dem Konsum sorge die Designer-Droge laut Konsumenten für ein „warmes und euphorisches Gefühl“. Ist Cychlorphin auch im Raum Heilbronn-Franken ein Thema?
Polizei Heilbronn: Noch keine Cychlorphin-Fälle in der Region bekannt
Frank Belz, Sprecher der Polizei Heilbronn, erklärt: „Vorkommnisse mit dem Stoff Cychlorphin sind hier nicht bekannt.“ Die Polizei Heilbronn ist neben dem Stadt- und Landkreis Heilbronn auch für den Hohenlohekreis, den Main-Tauber-Kreis sowie den Neckar-Odenwald-Kreis zuständig. „Dennoch spielen Delikte mit synthetischen Drogen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Heilbronn eine Rolle“, erläutert Belz weiter.
Im Jahr 2024 seien in der Region 289 Fälle von allgemeinen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz mit synthetischem Amphetamin sowie 17 Vorkommnisse mit Methamphetamin – oftmals XTC – bekannt geworden. Das seien laut Belz mehr Fälle als im Jahr 2022 mit 213 Erfassungen, jedoch weniger als 2020 mit 364 Feststellungen im Zuständigkeitsbereich gewesen. Für das vergangene Jahr 2025 spricht Belz von rückläufigen Fallzahlen.
Gefahr synthetischer Drogen liegt laut Polizei in der künstlichen Herstellung
Der Polizeisprecher erläutert: „Synthetische Drogen sind auch in unserem Präsidiumsbereich im Umlauf. Die Gefahr bei synthetischen Drogen liegt in der Herstellung. Es handelt sich um künstlich hergestellte psychoaktive Substanzen, die in Laboren produziert werden und keine natürlichen Ausgangsstoffe benötigen.“ Die Nebenwirkungen seien unkalkulierbar.
Eine Entwarnung vor dem offenbar hochgiftigen Stoff möchte Frank Belz trotz bisher nicht bekannter Fälle in der Region nicht aussprechen: „Im Bereich der synthetischen Drogen ist der Konsument nie davor gefeit, mit neuen Stoffen in Berührung zu kommen. Das macht den Konsum extrem gefährlich.“
Diskussion um sogenanntes „Drug Checking“ in Heilbronn
Im Zuge des Cychlorphin-Aufkommens in Baden-Württemberg hat die Diskussion um das sogenannte „Drug Checking“ Fahrt aufgenommen. In anderen Bundesländern können Drogenkonsumenten Substanzen legal auf ihre tatsächlichen Inhaltsstoffe hin überprüfen lassen. Dies kann lebensrettend sein. In Baden-Württemberg ist das noch nicht erlaubt. Das Sozialministerium hat bereits einen Entwurf für eine Rechtsverordnung vorgelegt.
Was den hiesigen Drogenmarkt angeht, ist in den vergangenen Jahren die Zahl der Kokain-Delikte im Raum Heilbronn stark angestiegen. Wegen des Handels mit Amphetamin hat das Landgericht Heilbronn eine 44-Jährige Anfang Februar zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt.
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