Engpässe bei Personal und Räumen belasten manche Heilbronner Bürgerämter
Ein Bericht der Stadt zeigt: Die Bürgerämter in Heilbronn stehen teilweise unter Druck. Engpässe bei Personal und Räumen treffen vor allem Sontheim und Böckingen.
Die Heilbronner Bürgerämter stoßen personell und teilweise räumlich an ihre Grenzen. Das zeigt ein Bericht der Stadtverwaltung, der jüngst im Verwaltungsausschuss behandelt wurde. Er geht auf einen gemeinsamen Antrag von CDU, SPD, Grünen, FWGH und FDP zurück, die Zahlen zu Personal, Wartezeiten und Ausstattung eingefordert hatten.
Bearbeitungszeiten in Heilbronner Bürgerämtern steigen wegen Zuwanderung und zusätzlicher Aufgaben
Aktuell sind die Bürgerämter mit 44 Beschäftigten sogar leicht überbesetzt, heißt es in dem Bericht. Dennoch sei die Arbeitssituation angespannt. „Von den Mitarbeiterinnen des Bürgeramts Böckingen liegt eine Überlastungsanzeige vor.“
Unter anderem wegen saisonal steigender Anfragen sowie komplexerer Aufgaben durch Sprachbarrieren. Aber auch die steigenden Einwohnerzahlen mit hohem Anteil an Menschen mit Migrationsgeschichte. „Aktuell haben 59 Prozent der Heilbronner Einwohner eine Zuwanderungsgeschichte.“ Die Bearbeitungszeiten seien demnach deutlich gestiegen. „Die durchschnittlichen Bearbeitungszeiten liegen – abhängig von der Art und Anzahl der Dienstleistung – zwischen fünf und 30 Minuten“, schreibt die Verwaltung.

Bürgeramt in Heilbronn-Sontheim: Platzmangel und zu kleiner Wartebereich
Während das Platzangebot in den Bürgerämtern – auch in Heilbronn und Böckingen – noch als zufriedenstellend bezeichnet werden könne, sei es in Sontheim kritisch, heißt es in dem Bericht. Das Bürgeramt dort sei ursprünglich für drei Arbeitsplätze konzipiert, inzwischen arbeiten dort laut Bericht vier Personen in einem kleinen Büro. „Auch der Wartebereich ist zu klein.“
Ein Umzug in die Alte Staufenbergschule oder ein Anbau sei mehrfach geprüft, aber jeweils verworfen worden. Durch die Einführung digitaler Lichtbilder und den Einbau einer Fotostation habe sich „die Wartesituation insbesondere in Sontheim noch verschlechtert“. In Neckargartach habe die Stadt dagegen jüngst zusätzliche Räume gewinnen können, weil das Ortskartell einen Raum abgab.
Wartezeiten in Böckingen im Rahmen, aber Probleme an langen Tagen
Die Verwaltung betont, die durchschnittliche Wartezeit liege „stets unter 30 Minuten“. Im Zentralen Bürgeramt können Termine meist innerhalb von zwei Tagen gebucht werden.
In Böckingen betrug die durchschnittliche Wartezeit von Januar bis Juli 13,5 Minuten – allerdings komme es „insbesondere an den langen Tagen auch dazu, dass Wartemarken vor 18 Uhr gesperrt werden müssen, beziehungsweise nicht mehr alle Kunden bedient werden können“. Dort werde inzwischen an langen Nachmittagen und Brückentagen sogar Security eingesetzt.
Stadt Heilbronn verspricht Verbesserungen: Mehr Personal und Digitalisierung
Die Verwaltung zieht selbst ein klares Resümee „Die Bürgerämter bieten einen gut erreichbaren und persönlichen Bürgerservice auf einem sehr guten Niveau.“ Sie seien zentral und überwiegend in früheren Rathäusern untergebracht. Mit Ausnahme von Horkheim seien alle Bürgerämter barrierefrei erreichbar.
Dennoch sei die Situation bei den Bürgerämtern aktuell besonders in Böckingen und Sontheim verbesserungsbedürftig. Um die Lage zu entschärfen, sollen zwei zusätzliche Stellen beantragt und die Digitalisierung weiter vorangetrieben werden.
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Stimme.de
Kommentare
am 17.09.2025 08:26 Uhr
Meine Wahrnehmung als Bürger über die Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit des Bürgeramtes deckt sich nicht mit der Aussage der Verwaltung. Noch mehr Stellen zu schaffen halte ich für falsch. Es gibt bei 2000 Mitarbeitern innerhalb der Verwaltung genug Potential für eine Umschichtung. Man muss nur wollen. Der öffentliche Dienst gehört ins Amt und nicht ins Homeoffice und als Bürger fordere ich geregelte Arbeitszeiten und keine weitere Flexibilisierung für Dienstbeginn und Dienstende. Ein weiteres Problem sind die hohen Fehltage im Vergleich zur Privat Wirtschaft. Der öffentliche Dienst wird seit Jahrzehnten digitalisiert und man arbeitet immer noch mit Formularen. Alleine SAP und externe Berater und IT ler reiben sich die Hände bei Aufträgen durch die öffentliche Hand.
So wie die deutsche Industrie und Wirtschaft zur Zeit im Sinkflug ist drohen immense Steuerausfälle. Darauf nun mit einem Stellenaufbau zu reagieren ist Haushaltspolitischer Selbstmord auf Raten.Wir brauchen eine Verwaltungsreform bei allen öffentlichen Institutionen und sozialen Versicherungsträgern die diesen Namen auch wirklich verdient. Tut sich was? Nein, noch nicht schlimm genug……
Jürgen Mosthaf