Bildungsgerechtigkeit durch Sprachsensibilität: Ein einzigartiges Schulprojekt in Heilbronn
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Heilbronner Schulen setzen auf sprachsensiblen Unterricht, um alle Kinder optimal zu fördern. Dazu kann auch Mehrsprachigkeit gehören. Sie ist ein Gewinn.
Weitere Schulen in Heilbronn erhalten das Siegel Sprachsensible Schule: Bei einer kleinen Feier auf dem Bildungscampus werden die Plaketten verliehen.
Foto: Gajer, Simon
"Heilbronn will allen Kindern dieselben Bildungschancen geben." Das sagt Karin Schüttler, die im Heilbronner Rathaus das Schul-, Kultur- und Sportamt leitet. Zu Bildungsgerechtigkeit gehört auch die Sprache, und da beschreitet Heilbronn als Großstadt vermutlich einen ganz besonderen Weg. Schulen machen sich auf den Weg, um das Siegel als "Sprachsensible Schule" zu erhalten. Die Plakette sei ein Zeichen für "gelebte Praxis", so Karin Schüttler. "Der Unterricht wird so gestaltet, dass er für alle gewinnbringend ist."
Sprachsensibel heißt nicht, dass nur Deutsch im Vordergrund steht. Das macht Christoph Gantefort von der Mercator-Stiftung aus Köln in seinem Vortrag auf dem Bildungscampus deutlich. Bei der Feierstunde erhalten neue Schulen das Siegel. Natürlich brauche es Deutsch als Standardsprache, sagt Christoph Gantefort, um gesellschaftlich teilhaben zu können. Zugleich macht er aber Mut, Mehrsprachigkeit an Schulen und je nach Situation sogar im Unterricht zuzulassen und einzusetzen. Es sei einerseits ein Zeichen von Wertschätzung, wenn man Kinder ermutige, die Sprache der Eltern zu nutzen. Sie profitierten aber auch schulisch davon: Er verweist auf eine Untersuchung, bei der Jugendliche, die zwischen Sprachen wechseln, den größten Lernzuwachs erlebt hätten.
Sprachsensible Schule: Es geht Lehrern um Bildungsgerechtigkeit
Die Luise-Bronner-Realschule will das Siegel im kommenden Jahr erhalten, eine entsprechende Absichtserklärung hat sie unterschrieben. Sprachsensibler Unterricht, sagt Lehrerin Monika Pogodda-Cosic, sei notwendig, um Bildungsgerechtigkeit zu erreichen. Um im Unterricht mitzukommen, brauchen Kinder nicht nur Deutsch aus dem Alltag, wichtig sind die sogenannte Bildungs- und Fachsprache. Auch das rückt in sprachsensiblen Schulen in den Fokus: Mit Kleinigkeiten helfe beispielsweise die Realschule den Kindern, sagt Monika Pogodda-Cosic. Geplant sei ein Mathewörterbuch, um darin Wörter wie Multiplikation zu erklären. Auch die Wände sollen genutzt werden, sagt sie.
"Wir müssen als Lehrer Hilfestellungen geben", sagt Bernhard Ehlert vom Justinus-Kerner-Gymnasium in Heilbronn, die das Siegel erhalten hat. Beispielsweise bräuchten Kinder ein Vokabular, um etwas zu beschreiben. Sprachsensibler Unterricht ist fächerübergreifend. Und: "Die Wiederholung macht es aus", weiß Heidrun Günther-Weißbeck vom Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium. Formulierungen wie "Ich bin der Meinung, dass" ließen sich nicht nur in Deutsch einsetzen, sondern auch in anderen Fächern. "Wir müssen die Kinder da abholen, wo sie sind." Zugleich ist Daniela Moser von der Heinrich-von-Kleist-Realschule, die im Unterricht den Kindern die Aufgaben in verschiedenen Niveaus anbietet, wichtig: "Wir müssen aufpassen, das Niveau nicht zu senken."
Auch am Friedrich-von-Alberti-Gymnasium ist sprachsensibler Unterricht ein großes Thema
Sprachsensibler Unterricht ist in Heilbronn ein großes Thema, doch auch Schulen im Landkreis ist dies ein Anliegen. Bildungssprache sei notwendig, um als mündiger Bürger an der Demokratie zu partizipieren, sagt Edeltraud Smolka, die das Friedrich-von-Alberti-Gymnasium in Bad Friedrichshall leitet. Zahlreiche Kollegen nehmen deshalb an einer Fortbildung zu sprachsensiblem Unterricht am Ausbildungsseminar für Lehrer in Heilbronn teil. Das Kollegium überlegt sich zudem, wie man schulweit mit neuen Wörtern umgeht. Vieles läuft schon, auch das wird vom Kollegium zusammengetragen. Eine Lehrerin habe ein Wörterkiste, um dann mit den Kindern mal cool oder geil durch famos zu ersetzen. Wie wirke das?, so Edeltraud Smolka. Darüber kommt die Lehrerin dann ins Gespräch. Auch auf Leseförderung setzt das Gymnasium, so Lehrerin Katy Stephan. "Gute Bildungssprache ist der Zugang zu Wissen." Notwendig sei sie auch, um seine Meinung vertreten zu können.
Sprache lebt von kleinen Feinheiten, das verdeutlicht Edeltraud Smolka. Wie steht es um die Gefühle? Kindern fehlten oft die Adjektive, um das Empfinden zu beschreiben. Katy Stephan sieht das genauso. "Sprachsensibilität geht über den Unterricht hinaus."
Ihre Meinung ist gefragt: Mitdiskutieren zu Sprache auf dem Schulhof
Muttersprache fördern, Deutsch verbessern: Bei der Veranstaltung "Bildung auf den Punkt" geht es um die Rolle der Sprachen in Schulen und Kitas. Ihre Meinung ist gefragt, eine Anmeldung zur kostenlosen Veranstaltung auf dem Bildungscampus ist bereits möglich. Hinter "Bildung auf den Punkt" stehen die Heilbronner Stimme und die Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM).
Deutschpflicht auf dem Schulhof: Das ist das Thema am Donnerstag, 24. Oktober, ab 17 Uhr im Veranstaltungsforum auf dem Bildungscampus. Das Veranstaltungsformat lebt auch vom Mitdiskutieren, die Meinung von Schülern, Eltern und Lehrern ist gefragt. Auf dem Podium sitzen Melanie Haußmann, die als Geschäftsführende Schulleiterin unter anderem die Grundschulen in der Stadt Heilbronn vertritt. Was die Stadt Heilbronn bei der Sprachförderung tut, darauf wird Karin Schüttler eingehen. Sie leitet im Rathaus das Schul-, Kultur- und Sportamt. Rosemarie Tracy ist Professorin an der Universität Mannheim. Neben Publikationen zu ihren Forschungsthemen hat sie das Buch „Wie Kinder Sprachen lernen“ geschrieben, einen Ratgeber für mehrsprachige Eltern, für Fachkräfte in frühkindlichen Bildungsbereichen und für Lehrer. Von der Universität Duisburg-Essen kommt Judith Purkarthofer. Ihr Schwerpunkt ist sprachliche Integration.
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