Große Konferenz am Heilbronner Bildungscampus: Ein Tag für die Bildung der Zukunft
Mehr als 1000 Teilnehmer kommen zur Bildungskonferenz der Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM) nach Heilbronn auf den Bildungscampus. Im Zentrum steht dabei eine Frage.
Mit Spielen die Bildungsgerechtigkeit fördern, einen gelungenen Übergang von Kita in die Grundschule schaffen, der Umgang mit sozialen Medien, Fördermöglichkeiten für Lesen, schreiben, rechnen: Mehr als 60 Angebote hat die Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM) zur zweiten Bildungskonferenz auf die Beine gestellt. „Mehr geht nicht“, sagt Dr. Anna Weiland, verantwortlich für den Bereich Kommunikation bei der AIM, über das aus ihrer Sicht „großartige Line-up“.
Renommierte Bildungswissenschaftler, Referenten aus Schulen und Kitas, Experten und Akteure bieten einen ganzen Tag lang Workshops, Impulsvorträge und Gesprächsrunden an. Marco Haaf, Geschäftsführer der AIM, nennt sie und die mehr als 1000 Konferenzteilnehmer Bildungsaktivisten, „die zusammenkommen, um Bildung voranzubringen“. Aus ganz Deutschland kommen die Gäste, um über am Kind orientierte Bildung zu diskutieren. „Die Menschen machen die Biko besonders“, sagt Haaf. Jeder geht am Abend nicht nur mit vielen Eindrücken, sondern auch mit einem Sonderdruck nach Hause. Gemeinsam mit der Heilbronner Stimme hat die AIM tagesaktuell eine achtseitige Sonderbeilage produziert und zum Abschluss der Konferenz verteilt.
Bildungskonferenz in Heilbronn: Impulse für Schule der Zukunft
„Die Biko zeigt, wie Schule der Zukunft sein kann und jetzt schon sein sollte“, sagt Melanie Haußmann, geschäftsführende Schulleiterin in Heilbronn. Der Austausch mit so vielen bildungsinteressierten Akteuren gebe allen die Möglichkeit, weiterzudenken. „Das ist großartig“, sagt die Rektorin der Heinrich-von-Kleist-Realschule. Ähnlich begeistert äußert sich Viviane Kalisch, Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der Stadt. „Es ist inspirierend und motivierend.“
Austausch, Netzwerken und die Bildung der Zukunft, darum geht es am Samstag auf dem Bildungscampus in Heilbronn. Die Resonanz ist groß: Die Teilnehmerzahl hat sich im Vergleich zur Premiere 2023 mehr als verdoppelt. „Die Biko verbindet auf ideale Weise Bildung und Forschung“, sagt Professor Bärbel Renner, Geschäftsführerin der Dieter-Schwarz-Stiftung. Es sei der Stiftung ein Anliegen, „Möglichkeitsräume“ zu schaffen.

Was brauchen Schüler? Das sind die Themen der Bildungskonferenz in Heilbronn
Einer, der sich damit auskennt, ist Ralph Caspers. Der Fernsehmoderator erklärt großen und kleinen Zuschauern bei der „Sendung mit der Maus“ die Welt und ihre Zusammenhänge. „Wir sind beliebter als Schule“, sagt er zur Begrüßung in Heilbronn selbstbewusst und weiß zugleich: „Wir haben alle eine Aufgabe in der Bildung.“

Welche das ist, ist die zentrale Frage für jeden der Teilnehmer der Biko. Was brauchen Schüler? Wie gelingt Führung? Wie schaffen wir Lebensraum und Beziehungsebenen? Diese und andere Frage werden immer wieder diskutiert, in Seminar- und Konferenzräumen, aber auch beim Mittagessen in der Mensa und bei der Kaffeepause.
Forderung auf Konferenz am Heilbronner Bildungscampus: Kinderrechte ins Grundgesetz aufnehmen
Den Anfang macht Professor Sebastian Kurtenbach, der unter anderem zusammen mit Aladin El-Mafaalani das viel beachtete Buch „Kinder: Minderheit ohne Schutz“ geschrieben hat. Er legte den Finger in die Wunde. „In einer alternden Gesellschaft sind die Kinder aus dem Fokus geraten“, sagte er. El-Mafaalani, der ursprünglich den Eröffnungsvortrag halten sollte, musste krankheitsbedingt absagen, versprach aber, seinen besuch bei der AIM nachzuholen. Schließlich ist das Thema Bildung und Bildungsgerechtigkeit keine Eintagsfliege, sondern eine Aufgabe für die Zukunft. Das zeigen auch Workshops zu Medienbildung in der Grundschule und vielen anderen Themen.
Kurtenbach erinnerte an die heute 18-Jährigen. In der Grundschule erlebten sie die erste Flüchtlingskrise, im Alter von 13 Jahren kam die Corona-Pandemie, gefolgt vom Einmarsch Russlands in die Ukraine. Dabei hätten die Jugendlichen eine Schule erlebt, die immer überfordert gewesen sei. Und jetzt werde über Wehrpflicht geredet, ohne die Jugendlichen zu fragen. „Ein funktionierendes und verlässliches Land“ mit einer positiven Zukunftsperspektive hätten sie nie erlebt, sagte der Wissenschaftler.

Der Forscher sprach zudem über Schieflagen in der Gesellschaft, die sich auf Kinder auswirkten. Eltern von Kindern und Jugendlichen bildeten bei den Wahlberechtigten eine Minderheit. Dass seit dem ersten Pisa-Schock vor über zwei Jahrzehnten nichts geschehen sei, hat für ihn einen Grund: Bildungsprobleme würden wie Minderheitenprobleme behandelt, so Sebastian Kurtenbach, der fordert: „Wir brauchen Kinderrechte im Grundgesetz“.
Schulen sollen gesellschaftlicher Mittelpunkt werden
Er sprach sich dafür aus, die Situation aus Sicht der Kinder zu denken. Kindheit sei „superdivers“, es gebe viele Sprachen und Religionen in den Schulen. Das sei für Kinder die Normalität – und nicht die homogene Normalität der Lehrer. Außerdem verbrächten Jungen und Mädchen viel mehr Zeit in Schulen als noch vor einigen Jahren. Entscheidend für ihr Wohlbefinden sei, dass es dort mindestens einen Erwachsenen gebe, der dem Kind das Gefühl vermittelt: „Ich interessiere mich für dich.“
Kurtenbach schlägt vor, dass die Boomer-Generation eingebunden wird und Schulen aus der Nachbarschaft Unterstützung bekommen. Sie sollten zum „gesellschaftlichen Mittelpunktsort“ werden für Vereine oder Institutionen. Das stärke auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt, ist er überzeugt.

Rassismus in der Schule wird bei Bildungskonferenz in Heilbronn zum Thema
„Wer Schule versteht, versteht Gesellschaft“, ist Ali Dönmez überzeugt. Der Logopäde aus Österreich ist einer der Referenten der Biko. Er thematisiert Mehrsprachigkeit aus einer rassismuskritischen Perspektive und setzt sich in seinem Vortrag mit Sprachverboten und Sprachgeboten auseinander. Er berichtet von Rassismuserfahrungen von Schülern und zeigt, das Intention und Wirkung nicht dasselbe sind. „Narrative sind mächtig“, sagt Dönmez. Wer Mehrsprachigkeit an Schulen verbietet, und sei es aus bester Absicht, grenze Schüler aus, die sich in einer anderen „als von der Dominanzgesellschaft legitimierten“ Sprache verständigen.
Mit seiner Klarheit will er „Dinge ins Rollen bringen“ und sorgt für buchstäbliche Aha-Erlebnisse bei seinen Zuhörern. Dönmez ist überzeugt, dass viele der Erkenntnisse erst verarbeitet werden müssen. „Das meiste wird nicht jetzt passieren, sondern später“, sagt er. Und das gilt sicher für die ganze Biko, die neue Perspektive eröffnet und bei vielen Besuchern nachwirkt.
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