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Forderungen an Schulsystem

Bessere Sprachförderung: Reaktionen aus Heilbronn auf Vorschläge von Experten

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Wie können neu zugewanderte Kinder besser Deutsch lernen? Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz legt dazu drei Vorschläge vor. So kommen diese bei Verantwortlichen in der Region an.

ILLUSTRATION - Eine Schülerin der sechsten Klasse schreibt am 25.10.2016 in einem Klassenzimmer an einem Gymnasium in Straubing (Bayern) an einer Tafel das Wort "Deutsch". Foto: Armin Weigel/dpa (zu dpa "«Bildungstrend» und PISA - die deutsche Schulpolitik im Test-Stress" vom 27.10.2016) ++ +++ dpa-Bildfunk +++
ILLUSTRATION - Eine Schülerin der sechsten Klasse schreibt am 25.10.2016 in einem Klassenzimmer an einem Gymnasium in Straubing (Bayern) an einer Tafel das Wort "Deutsch". Foto: Armin Weigel/dpa (zu dpa "«Bildungstrend» und PISA - die deutsche Schulpolitik im Test-Stress" vom 27.10.2016) ++ +++ dpa-Bildfunk +++  Foto: Armin Weigel

Kinder, die neu nach Deutschland zuwandern, sollen besser in Deutsch gefördert werden. Wie kann das gelingen? Das Thema beschäftigt viele Verantwortlichen in den Schulen. Nun hat die Ständige Wissenschaftliche Kommission  (SWK) der Kultusministerkonferenz dazu Empfehlungen erarbeitet.

„Der Fokus der Stellungnahme liegt auf der Förderung deutschsprachiger Kompetenzen, die für die Bildungsintegration in Deutschland, für Erfolg auf dem Arbeitsmarkt und für gesellschaftliche Teilhabe eine Schlüsselrolle spielen“, heißt es darin. Die Experten betonen zugleich: „Gleichzeitig sollte ein wertschätzender Umgang mit Mehrsprachigkeit selbstverständlich sein und auch die Förderung herkunftssprachlicher Kompetenzen im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten unterstützt werden.“ Heilbronner Schulen berücksichtigen diesen Aspekt und setzen auf sprachsensiblen Unterricht

Bessere Sprachförderung: Das sind die Vorschläge der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz

Die Kommission schlägt drei Punkte vor.

  • Erstens: Es sollen Verfahren der Diagnostik etabliert werden, die für Entscheidungen über Maßnahmen der sprachlichen Bildung von Kindern und Jugendlichen grundlegend sind.
  • Zweitens: Es soll ein Maßnahmepaket zur sprachlichen Bildung zentral entwickelt werden, das von den Schulen adaptiert und umgesetzt wird.
  • Drittens: Es sollen evidenzbasierte Angebote geschaffen werden, um Lehrer für sprachliche Bildung zu qualifizieren. 

So reagieren Verantwortliche aus der Region Heilbronn auf diese Vorschläge

Harald Schröder von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt die Stellungnahme der SWK. Wichtig ist für den GEW-Sprecher im Kreis Heilbronn, dass die Wissenschaftler auf Maßnahmen setzen, die zentral entwickelt werden. Das sei gerade in der Sprachförderung gut.

Für interessant hält es Harald Schröder, dass die SWK zudem auf „hochprofessionelles Personal“ setzt. Gerade daran fehle es. Hinzu kommt seiner Einschätzung nach: Oft werden neu zugewanderte Kinder in sogenannten Vorbereitungsklassen (VKL) unterrichtet, dort lernen sie auch Deutsch. Wenn dann an einer Schule aber Lehrer fehlten, würden oft als erstes die Pädagogen von den VKL abgezogen und die Kinder in den normalen Klassen unterrichtet. Die SWK betont laut Harald Schröder aber etwas anderes: „Die klare Ansage ist: Sprachförderung ist immens wichtig.“ Zudem setzt die SKW darauf, die Sprachförderung auch in der Berufsausbildung weiterzuführen.

Ob die SWK-Empfehlungen am Ende tatsächlich umgesetzt werden? „Ich hoffe schon“, sagt GEW-Sprecher Schröder. Er hält die derzeitige Sprachförderung für zufriedenstellend. „Die Schulen haben eigene Konzepte entwickelt.“

Sprachförderung in kleinen Gruppen: Darauf setzt bereits die Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM)

Die Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM) in Heilbronn bietet seit 2006 Sprachförderung an, aktuell überwiegend in Grundschulen. „Wir sehen uns durch die Stellungnahme bestätigt“, sagt Torsten Bol, der als Referent im Bereich der AIM-Förderprogramme tätig ist. So würde beispielsweise stets geschaut, was die Mädchen und Jungen schon können. „Das einzelne Kind steht bei uns im Mittelpunkt.“

Die AIM sieht ihre Angebote als zusätzliche Maßnahme an. Auf „additive Förderung“ setzt auch die SWK. Kinder, die an den AIM-Programmen teilnähmen, würden zwei bis vier Deutsch-Stunden zusätzlich bekommen – in kleinen Gruppen, sagt Torsten Bol. Grund dafür: „Wir wollen Sprachanlässe schaffen.“

Die Heilbronner Einrichtung setzt nicht nur auf Förderung in einer Schulart. Neu ist ein Programm, das in der Kita ansetzt und in der Grundschule weitergeht. „Die Förderung im Übergang ist wichtig“, sagt Torsten Bol. Diese Maßnahme werde wissenschaftlich begleitet. Die ersten Rückmeldungen dazu seien positiv. Je früher die Förderung beginnt, desto größer sind die Chancen für die Kinder, sagt er.

Förderung

Schulen, die am Sprachangebot der Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM) teilnehmen wollen, erhalten Informationen im Netz: Förderprogramme an Grund- und weiterführenden Schulen - aim-akademie




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