Jahrelanger Kampf gegen A6-Lärm: Kommt nun Entlastung für Heilbronn-Biberach?
Der A6-Lärm belastet Heilbronn-Biberach seit Jahren. Jetzt gibt es neue Hoffnung: Photovoltaik-Lärmschutzwände könnten Abhilfe schaffen. Ein Brief an das Ministerium soll Bewegung in die festgefahrene Debatte bringen.
Seit Jahren kämpfen Anwohner in Biberach gegen den Verkehrslärm der A6. Doch statt Entlastung hat sich die Situation nach dem Ausbau der Autobahn für viele verschärft.
Die Bürgerinitiative gegen Autobahnlärm Biberach (IgAB), die rund acht aktive Mitglieder zählt, spricht von einer „deutlichen Verschlechterung“ und sieht erstmals seit langem einen neuen Hoffnungsschimmer.
„Lärm macht krank“: So lange geht der Kampf gegen den A6-Lärm in Biberach schon
„Lärm macht krank, macht etwas mit Menschen“, sagt Ralf Bahnemann, einer der Sprecher der Initiative. Er wohnt seit über 30 Jahren am Hang mit Blick auf die Autobahn. Früher habe es ein Grundrauschen gegeben, aber inzwischen sei es „katastrophal“ und „sehr oft sehr laut“. Schlaflose Nächte, vor allem bei geöffnetem Fenster, gehörten für viele im Ort zum Alltag.

Klagen und Beschwerden gebe es zahlreiche – „es ist kein Klientelproblem“, betont er. Auch Stadträtin Marion Rathgeber-Roth (Unabhängige für Heilbronn), ebenfalls Sprecherin der Initiative und von Anfang an dabei, bestätigt: „Wir geben den Kampf gegen das Versäumnis aus der Vergangenheit nicht auf.“
Autobahn-Lärm in Biberach: Schallschutzwand an der A6 ist zu kurz geraten
Seit 2020 versucht die Initiative, Gehör zu finden. Doch die Zuständigkeiten zwischen Regierungspräsidium, der früheren Via6West und heute der Autobahn GmbH seien jahrelang hin- und hergeschoben worden. „Jeder zeigt zwar Verständnis, aber man kommt nicht weiter“, fasst Marion Rathgeber-Roth die frustrierende Ausgangslage zusammen.
Es wurde zwar eine Schallschutzwand entlang der Autobahn errichtet, die sei aber 300 Meter zu kurz geraten. Schon im ursprünglichen Planfeststellungsverfahren hatte die Stadt eine Verlängerung Richtung Osten gefordert, erinnert Marion Rathgeber-Roth. Umgesetzt wurde sie jedoch nicht. Das Regierungspräsidium hatte die Verlängerung damals als nicht wirtschaftlich bewertet und stattdessen offenporigen Asphalt auf einer 300 Meter langen Strecke als verhältnismäßige Lösung eingestuft.
Auch die Rodungen hätten die Lage verschärft: Natürliche Barrieren wie Bäume und Gebüsche seien weggefallen, und der Lärm werde seitdem schallverstärkend in den Stadtteil getragen. Die Zahlen aus den frühen Planfeststellungsjahren seien dafür keine Grundlage mehr, so die Initiative.
Lärmschutz mit Photovoltaik: Neuer Hoffnungsschimmer in Heilbronn-Biberach?
Zum ersten Mal seit langem keimt jetzt jedoch Hoffnung auf. Der Grund ist ein neuer Ansatz: Lärmschutzwände mit Photovoltaikanlagen, also ein Ansatz, der gleichzeitig Strom erzeugt.
Die Initiative hat deshalb einen umfassenden Brief an das zuständige Ministerium geschickt. Er liegt der Redaktion vor. Darin heißt es unter anderem: „Insbesondere bieten Photovoltaikanlagen auf Lärmschutzwänden heute einen entscheidenden Vorteil: Sie ermöglichen es, dringend notwendigen aktiven Lärmschutz mit klimafreundlicher Stromerzeugung zu verbinden — bei erheblicher Verbesserung der Wirtschaftlichkeit.“
„Wir könnten eine Initialzündung für Baden-Württemberg sein“
Die Bürgerinitiative fordert deshalb eine Neubewertung der Lärmschutzsituation, eine Prüfung der Verlängerung der Lärmschutzwand Richtung Osten sowie die Bewertung, ob neue Lärmschutzwände direkt mit Photovoltaik kombiniert werden können.
Eine solche Lösung ist aus Sicht der Initiative nachhaltig, wirtschaftlich und könnte möglicherweise sogar gefördert werden. Sie verweist darauf, dass entsprechende Anlagen in Bayern – etwa in Bayerisch-Hafenburg – bereits seit 2019 realisiert seien.
Rathgeber-Roth und Bahnemann hoffen, dass sich die Kosten durch die PV-Nutzung „monetarisieren lassen“ und: „Wir könnten eine Initialzündung für Baden-Württemberg sein.“
Tempolimit auf der Autobahn 6 bei Heilbronn-Biberach?
Was den Mitgliedern besonders wichtig ist: endlich einen festen Ansprechpartner zu haben. Jahrelang seien Zuständigkeiten gewechselt worden. Parallel dazu schlägt die Initiative weitere, kurzfristige Maßnahmen vor – darunter ein temporäres Tempolimit auf der A6 im Abschnitt Biberach, zunächst für drei Monate. „Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, endlich einmal aktiv zu werden“, sagen sie.
Mehr als 500 Unterschriften aus dem Ort belegten bereits vor Jahren, wie groß der Leidensdruck ist. Anwohner berichteten in früheren Gesprächen mit der Heilbronner Stimme, dass Gespräche im Garten kaum möglich seien und es zu nächtlichen Grenzwertüberschreitungen komme.
Marion Rathgeber-Roth und Ralf Bahnemann geben sich hoffnungsvoll und nach wie vor entschlossen: „Wir geben den Kampf nicht auf.“ Nun blickt die Bürgerinitiative gespannt auf die Antwort des Ministeriums – und hofft, dass zum ersten Mal seit Jahren Bewegung in die festgefahrene Lärmschutzdebatte kommt.
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