Stimme+
Amtsgericht Heilbronn

Junge Richterin berichtet vom Joballtag: "Es war der Sprung ins berühmte kalte Wasser"

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Seit rund zwei Monaten ist Paula Lötzbeyer Richterin beim Amtsgericht Heilbronn. Die 28 Jahre alte Juristin erzählt von ihren ersten Erfahrungen in ihrem Traumjob, und was ihr am Zivilrecht besonders gefällt.


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Bis November ist der Kalender von Paula Lötzbeyer bereits gefüllt. 180 Fälle liegen derzeit auf dem Schreibtisch der 28 Jahre alten Richterin im Zivilgericht. Jede Woche kommen acht bis zehn neue Klagen dazu. So viele muss die Heilbronnerin wöchentlich auch abarbeiten. Damit der elektronische Aktenberg nicht noch größer wird.

Wie sie ihren Job organisiert, bleibt der jungen Richterin selbst überlassen. Ihre Verhandlungstage hat sie sich auf Montag und Mittwoch gelegt. Das bedeutet bis zu fünf Prozesse am Tag. "Das ist schon sportlich", sagt Paula Lötzbeyer. Die anderen drei Arbeitstage in der Woche arbeitet sie am Schreibtisch und bereitet unter anderem nächste Verhandlungen vor oder schreibt Urteile.

Richterin am Amtsgericht Heilbronn: "Verantwortlich, dass der Laden läuft"

Irgendwie habe sie sich das schon so vorgestellt. "Aber man kämpft mit anderen Problemen als im Studium", sagt die Volljuristin. Die Arbeitsbelastung sei wesentlich höher als sie gedacht habe. Im Gegensatz zum Referendariat ist sie als Richterin "verantwortlich, dass der Laden läuft". Und während bei den vielen Klausuren und Prüfungen im Jurastudium der fiktive Sachverhalt immer klar gewesen sei, müsse sie als Richterin den Sachverhalt erst einmal ermitteln.

"Es war der Sprung ins berühmte kalte Wasser", sagt Paula Lötzbeyer. Gut angekommen sei sie im Heilbronner Amtsgericht trotzdem. "Die Kollegen sind supernett und hilfsbereit." Erste Urteile hat sie auch schon gesprochen. Bei ihrem ersten Richterspruch ging es um eine Werklohnpfändung bei einer Autowerkstatt.

Jungrichterin Paula Lötzbeyer arbeitet seit rund zwei Monaten im Heilbronner Amtsgericht. Erste Urteile hat sie bereits gesprochen.
Jungrichterin Paula Lötzbeyer arbeitet seit rund zwei Monaten im Heilbronner Amtsgericht. Erste Urteile hat sie bereits gesprochen.  Foto: Berger, Mario

Richterin erzählt: Diese Stärken sind am im Zivilrecht wichtig

"Beruhigen, besänftigen und dann eine Entscheidung treffen." Was gerade im Zivilrecht notwendig sei, zählt Paula Lötzbeyer zu ihren Stärken. "Ich gleiche gerne aus. Und ich mag es, in einer Sache immer beide Seiten zu hören." Meist hätten die Prozessgegner zwei unterschiedliche Varianten des Geschehens auf Lager. Und mitunter würden die Parteien auch mal laut. "Am Ende muss ich dann aber von meiner Variante überzeugt sein", sagt die Jungrichterin. Sympathien spielten nie eine Rolle. Nur Beweise zählten. Die Beweislast liegt beim Kläger. Kann er seine Forderung nicht faktisch begründen, verliert er den Prozess. "Ich war ja nicht dabei", sagt die Richterin.

Im Moment kann sich Paula Lötzbeyer vorstellen, "dass ich lange Zivilrecht mache". Hier prozessiere nicht der Staat gegen eine Angeklagten. Vielmehr stritten zwei Bürger auf Augenhöhe miteinander. Dabei gehe es unter anderem um Kauf- oder Mietverträge, Schadensersatzklagen, Mietschulden und Räumungsklagen, Gewährleistungs- und Reparatursachen. Auch Parallelprozesse von Strafverfahren werden im Zivilgericht verhandelt. Etwa wenn es um die Frage nach Schmerzensgeld gehe. Das sei alles sehr spannend. Gespannt ist sie aber auch auf die Zeit, die sie bei der Heilbronner Staatsanwaltschaft im Strafrecht arbeiten wird.

Stationen beim Amtsgericht und der Staatsanwaltschaft

Vier Jahre lang ist die 28-Jährige Richterin auf Probe. In dieser Zeit arbeitet sie zwei Jahre lang beim Amtsgericht und zwei Jahre lang bei der Staatsanwaltschaft. Danach kann sie verbeamtete Richterin auf Lebenszeit werden. Wo sie dann arbeiten wird, weiß sie aber noch nicht. Nur, dass sie wohl kaum in den Anwaltsberuf wechseln wird. "Das kann ich mir nicht vorstellen."

Sehr gut vorstellen kann sich die gebürtige Nürtingerin allerdings, langfristig in Heilbronn zu bleiben. Heilbronn sei keine kleine Stadt, aber auch kein riesige Großstadt. "Hier kann ich alles gut mit dem Fahrrad erreichen." Auch im Heilbronner Umfeld fühle sie sich sehr wohl. "Die Weinberge und die Weinfeste", nennt Paula Lötzbeyer als Beispiele. Und ihre Familie in Nürtingen könne sie auch innerhalb einer Stunde erreichen.

Paula Lötzbeyer ist in Nürtingen aufgewachsen. Nach ihrem Abitur hat sie 2014 das Jurastudium in Mannheim aufgenommen. Zunächst auf Bachelor of laws für die Bereiche BWL, VWL und Jura. Diesen Studiengang integrierte die heute 28 Jahre alte Richterin in das klassische Jurastudium mit erstem und zweitem Staatsexamen. Dazu gehörte auch ein zweijährige Referendariat. Als Ausgleich zu ihrem Beruf fährt Paula Lötzbeyer viel mit dem Fahrrad. Sie läuft außerdem einmal im Jahr einen Halbmarathon und plant wieder mit dem Handballsport anzufangen.




Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben