„Aktivitäten anbieten, die Spaß machen“: Hospizgruppe der Malteser Heilbronn gibt Jugendlichen Leichtigkeit zurück
Die Malteser in Heilbronn bieten seit 2023 eine Hospizgruppe für Jugendliche an, in deren Familien jemand schwer erkrankt oder gestorben ist. Der Ansatz: ins Tun kommen.

Im Stuhlkreis sitzen und über seine Sorgen reden: So stellen sich wohl die meisten eine klassische Trauer- oder Hospizgruppe vor. Bei der Jugendgruppe des Malteser Hospizdienstes in Heilbronn ist das nicht der Fall. Hier stehen Ausflüge auf dem Programm – ins Schwimmbad, in den Klettergarten, in die Trampolin-Halle, zum Lasertag oder in den Europa-Park. An vier bis fünf Terminen im Jahr bricht die Gruppe der 13-18-Jährigen mit den Trauerbegleitern Alexander Meic, Kim Hesse und Sönke Jäger zu gemeinsamen Aktivitäten auf.
Der Ansatz laut Alexander Meic: „Ins Tun kommen und Leichtigkeit in die Thematik bringen – Aktivitäten anbieten, die Spaß machen.“ Oft sei der Alltag der Jugendlichen Zuhause davon geprägt, funktionieren zu müssen. Mal durch eine schwere Erkrankung, mal durch den Tod eines Familienangehörigen. In der Gruppe erleben sie Freiraum und treffen andere Jugendliche, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
Hospizgruppe seit 2023 auf inzwischen 15 Jugendliche gewachsen
Seit ihrer Gründung Ende 2023 ist die Gruppe stetig gewachsen und besteht heute aus etwa 15 Jugendlichen. Alle von ihnen kommen aus dem Landkreis Heilbronn. Zu den drei Ehrenamtlichen haben viele von ihnen inzwischen viel Vertrauen aufgebaut. „Manche von ihnen besuchen wir ohnehin regelmäßig über die Trauerbegleitung der Malteser in der Familie und kennen sie gut“, sagt Kim Hesse.
Auch Kochabende oder ein Wochenend-Ausflug in den Schwarzwald wurden beispielsweise schon unternommen. Das Ziel der Gruppe sei nicht, aktiv auf die Jugendlichen zuzugehen und sie nach ihrer Trauer zu fragen. Das Darüber-Sprechen passiere ganz nebenbei. Sönke Jäger erinnert sich: „Bei einem unserer Ausflüge im Schwarzwald, als wir spazieren waren, hat ein Mädchen das andere gefragt: Wie war das, als deine Mama gestorben ist? Und dann haben sie einfach angefangen, zu reden.“
Über Probleme zu sprechen, fällt vielen Jugendlichen schwer – körperliche Bewegung als Ventil
Besonders die männlichen Jugendlichen täten sich oft schwer, über ihre Gefühlswelt zu sprechen, wie Alexander Meic beobachtet. „Viele verdrängen den Schmerz, da kommt die Trauer manchmal ganz punktuell hoch.“ Da sich bei der Trauer auch viel über Wut und Aggression zeige, sei körperliche Bewegung zum Abbau enorm hilfreich. „Gerade den Jungs tut es oft richtig gut, im Schwimmbad zusammen zu toben oder sich in der Sprungarena zu verausgaben.“
Durch Krankheit oder Tod in der Familie erleben viele Jugendliche laut Meic eine Begrenzung ihrer Freiräume. „Manche Familien sind finanziell am Limit, können keinen richtigen Urlaub mehr machen.“ Meic beschreibt es so: „Im Alltag vieler der Jugendlichen ist es so, als wäre eine Handbremse angezogen.“ Bei den Ausflügen in der Gruppe spüre man deutlich, dass die Handbremse gelöst sei. „Wer uns beobachtet, würde wahrscheinlich nicht auf die Idee kommen, dass wir eine Hospizgruppe sind“, sagt Meic. Oft entständen hier auch enge Freundschaften.
Ausflüge finanzieren sich ausschließlich über Spenden
Das Budget, das den Maltesern jährlich für die Jugendhospizgruppe zur Verfügung steht, setzt sich ausschließlich aus Spenden zusammen. Davon hänge dann auch ab, wie teuer die Aktivitäten sein dürfen. „Den Ausflug in den Europa-Park konnten wir im vergangenen Jahr zum Beispiel nur machen, weil wir eine Spende vom Round Table bekommen haben“, erklärt Meic.
„Die Idee zur Gruppe entstand, weil wir gemerkt haben, dass viele Jugendliche keine Lust auf Veranstaltungen wie Familienfeste haben“, sagt Heidi Plöger, Leiterin und Koordinatorin des Malteser Kinder- und Jugendhospizdienstes in Heilbronn. „Die jungen Menschen brauchen einen Raum, in dem sie sich mit der eigenen Altersklasse austauschen können.“ Ausflüge würden dafür den idealen Rahmen bieten. Manche der Jugendlichen besuchen parallel klassische Trauergruppen, wie es sie auch bei den Maltestern gibt, oder andere Angebote in der Stadt wie die des Vereins Lichtblick-TAK.
Trauerbegleiter: „Man erhält unheimlich viel Dankbarkeit“
Immer wieder kommen die Trauerbegleiter der Malteser auch zu den Familien nach Hause. „Für die Familien ist es oft eine starke Entlastung“, sagt Plöger. „Oft kommen sie dann zu Dingen, die sie sonst nicht schaffen – zum Beispiel spazieren gehen oder einkaufen.“ Das Schöne an der ehrenamtlichen Arbeit laut Trauerbegleiter Sönke Jäger: „Man erhält unheimlich viel Dankbarkeit von den Jugendlichen.“
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