Heilbronner Verein Lichtblick hilft trauernden Kindern, neue Lebensfreude zu finden
Der Verein Lichtblick-TAK gibt jungen Menschen, die einen Angehörigen verloren haben, Raum zum Austausch. Im kommenden Jahr feiert der Verein mit Sitz in der Heilbronner Allee sein 20-jähriges Bestehen.
Wenn Kinder plötzlich ein Elternteil verlieren oder Jugendliche mit dem Tod eines geliebten Menschen konfrontiert werden, verändert sich vieles. Für viele bedeutet das nicht nur emotionalen Schmerz, sondern auch einen Alltag, der von einem Tag auf den anderen aus den Fugen gerät. Der Heilbronner Verein Lichtblick-TAK e.V. begleitet junge Menschen im Alter von sechs bis 25 Jahren in genau solchen Lebensmomenten – niederschwellig und kostenfrei.
Kochen, kreativ sein, Ausflüge und mehr: Trauerarbeit von Heilbronner Verein Lichtblick ist vielseitig
In den hellen Räumen von Lichtblick-TAK e.V. in der Allee 29 – voll mit Malfarben, Büchern, Spielen und Materialien für kreative Projekte – können Kinder selbst entscheiden, wie sie arbeiten möchten. „Viele nehmen das Kreativangebot an, andere wollen einfach reden“, sagt Trauerbegleiterin Anke Kircher. „Wir richten uns ganz nach den jeweiligen Bedürfnissen der Betroffenen.“
Neben Einzelarbeit gibt es bei Lichtblick auch Gruppenangebote. Die Zusammensetzung richtet sich nicht nur nach dem Alter der Betroffenen, sondern auch nach der Art des Verlustes. „Wir haben Muttertodgruppen, Vatertodgruppen und Geschwistertodgruppen“, erklärt Kircher. „Aktuell treffen sich vier Gruppen in Heilbronn und zwei in unserer Zweigstelle in Künzelsau-Gaisbach.“

Jeweils einmal im Monat kommen die Gruppen zusammen. Dann wird zum Beispiel in der hauseigenen Küche gemeinsam gekocht, im Gruppenraum getont oder auch mal ein Ausflug unternommen. Kircher: „Ganz wichtig ist, es geht hier nicht nur schwer zu. Die Kinder sollen verstehen: Lachen ist ausdrücklich erlaubt. Manchmal sind wir laut, manchmal leise.“ Zusätzlich zum Lichtblick-Gruppentermin kommen die Kinder in der Regel auch zum Einzeltermin. „Somit sehen sie uns Trauerbegleiterinnen in der Regel etwa alle zwei Wochen.“

Kennenlerngespräch zeigt, ob Trauerbegleiterin und Kind bei Heilbronner Verein zusammenpassen
Bevor die eigentliche Begleitung beginnt, führt Lichtblick mit jeder Familie, die sich meldet, ein Kennenlerngespräch. „Es muss passen. Wenn die Chemie zwischen mir und dem Kind nicht stimmt, können wir den Weg nicht gehen – und das kommunizieren wir auch offen“, betont Kircher. „Wenn es passt, starten wir zunächst mit Einzelterminen und überlassen es dann den Kindern, ob sie in eine Gruppe wechseln wollen oder nicht.“ Der Vorteil der Gruppen: „Die Kinder sehen, dass sie mit ihrem Schicksal nicht alleine sind.“
Wenn es um den Alltag der Kinder und Jugendlichen geht, schaut die Lichtblick-Trauerbegleiterin ganz genau hin: „Alles, was im Alltag schwierig ist – etwa schulischer Druck oder anderer Stress – wirkt sich natürlich auch auf die Trauer aus.“ Diesen Stress versuche man gezielt zu mindern. Das dauert seine Zeit. „Im Durchschnitt sind die Kinder etwa ein bis anderthalb Jahre bei uns.“
Kinder entscheiden selbst, wann die Zusammenarbeit mit Heilbronner Verein Lichtblick endet
Das schönste Gefühl für Anke Kircher: „Wenn ein Kind oder Jugendlicher zu mir kommt und sagt: Hey Anke, heute sehen wir uns das letzte Mal. Da fühle ich mich echt gut. Da hüpft mein Herz.“ Wann die Zusammenarbeit beendet ist, sollen die Kinder und Jugendlichen selbst entscheiden.

Zwar ist der Zugang zum Angebot niederschwellig. Allerdings arbeiten Kircher und ihre Kollegin als Trauerbegleiterinnen in Teilzeit und kommen dadurch an Kapazitätsgrenzen. Die Nachfrage ist hoch. Kircher bedauert: „Aktuell müssen wir leider Wartelisten führen.“ Dennoch könne jeder, der sich melde, mit einer einigermaßen zeitnahen Aufnahme rechnen.
Heilbronner Lichtblick-Verein lebt von Ehrenamtlichen
Neben der Arbeit von drei Hauptamtlichen in Teilzeit lebt Lichtblick von Ehrenamtlichen – ob im Büro, in Gruppen, im Elterncafé oder bei der Pflege der kleinen Bibliothek. „Eine unserer Ehrenamtlichen ist bereits 85 Jahre alt und fast von Anfang an dabei. Ohne Menschen wie sie, wäre die Arbeit kaum zu stemmen“, sagt Luisa Knabe, Zweite Vereinsvorsitzende und zuständig für die Bürokoordination.
Die Idee für den Verein entstand bereits 2005, ein Jahr später folgte der Eintrag ins Handelsregister. „Gründerin Hannelore Weber ist inzwischen im Ruhestand, sie hat das ehrenamtlich gemacht“, erklärt Kircher. Begonnen hat alles in der Heilbronner Bahnhofstraße. Weil die Räumlichkeiten zu klein waren, folgte 2008 der Umzug in die Allee. Im kommenden Jahr feiert Lichtblick bereits sein 20-jähriges Bestehen. Heute zählt der Verein 78 Mitglieder.
Lichtblick: Auf der Suche nach neuen Räumen – und neuen Kräften
„Die Räume in der Allee sind zentral, aber eng“, erläutert Knabe. „Die Parkplatzsuche ist für viele Familien eine Belastung.“ Lichtblick sucht deshalb aktiv nach neuen Räumlichkeiten – gerne auch mit Garten oder Nähe zur Natur. „Ein Traum wäre ein Ort wie unsere Zweigstelle in Gaisbach – mit großem Garten, mehr Platz und Ruhe.“ Wer dem Verein hier weiterhelfen kann, findet unter www.lichtblick-tak.de/kontakt die Kontaktdaten.
Zudem werden dringend weitere Haupt- und Ehrenamtliche gesucht: Trauerbegleiter, Menschen für die organisatorische Unterstützung sowie kreative Köpfe für Gruppenangebote. Mitbringen sollte man laut Kircher Mitgefühl, Empathie und die „Bereitschaft, Kindern gut zu begegnen“ – auch ohne selbst einen Verlust erlebt zu haben. Eines hat sich in den vergangenen 20 Jahren nicht verändert: Der Bedarf ist groß, und Lichtblick möchte weiterhin für jedes Kind da sein, das in einer schweren Lebenssituation Orientierung sucht.
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