Airbnbs in Heilbronn boomen – Stadt beobachtet Entwicklung kritisch
In Heilbronn steigt die Zahl der Airbnb-Ferienwohnungen. Viele Reisende mieten privat statt ins Hotel zu ziehen – mit Folgen für den Wohnungsmarkt.
Wer kennt es nicht: Sobald die Urlaubsdestination feststeht, muss noch die richtige Unterkunft gefunden werden. Meist fällt die Wahl dann auf ein Hotel oder eine Ferienwohnung. Doch während ein Hotel oft teurer ist, aber mehr Annehmlichkeiten bietet, ist eine Ferienwohnung gerade für Gruppenreisen meist günstiger zu bekommen. Das amerikanische Unternehmen Airbnb setzt genau in dieser Sparte an und vermittelt auf seiner Webseite Gastgeber und Reisende.
Doch während sich die einen über günstigere Urlaubsunterkünfte freuen, leidet oft der Wohnungsmarkt unter den vielen privat vermieteten Ferienwohnungen. Auch die Stadt Heilbronn beobachtet die Entwicklung sogenannter Airbnbs kritisch.
Airbnbs für die Stadt Heilbronn: Positive und negative Seite
Eine Anfrage bei der Pressestelle der Stadt Heilbronn zur Gesamtsituation von Ferienwohnungen im Wohnungsmarkt ergibt: Sie sind ein zweischneidiges Schwert. Laut Stadt hat die Vermietung eine positive Seite, denn Heilbronn wird als Destination wahrgenommen. „Übernachtungsgäste geben in Restaurants, Cafés und lokalen Geschäften Geld aus, was der lokalen Wirtschaft zugutekommt.“

Auf der anderen Seite sei der Druck auf den Wohnungsmarkt durch solche Angebote nicht im Sinne der Stadtverwaltung. „Jede Wohnung, die dem Wohnungsmarkt entzogen wird, fehlt generell dort und tut weh. Daher beobachten wir die Entwicklung kritisch.“
Keine genaue Statistik: Zahl der Wohnungen schwankt
Eine Suche auf der Webseite von Airbnb zeigt: Rund um das Stadtzentrum Heilbronn werden für den Januar knapp 117 Unterkünfte vermietet. Wird der Radius um die Stadt erweitert, steigt die Zahl der Ferienwohnungen schon auf 360. Eine genaue Zahl lässt sich nur schwer festmachen, da das Angebot von Monat zu Monat schwankt, Ferienwohnungen herausgenommen oder neu inseriert werden.
Eine genaue Zahl kann auch die Stadt Heilbronn nicht liefern, denn in der amtlichen Statistik werden laut Pressestelle nur Beherbergungsmöglichkeiten mit mindestens zehn Schlafplätzen aufgenommen. Das typische Airbnb-Angebot werde nicht erfasst.
Statistik lückenhaft: Airbnb-Angebote werden offiziell nicht vollständig erfasst
Auf die Frage, ob die Stadt einen Mangel an Wohnraum aufgrund der Vermietung durch Airbnbs befürchtet, ist eine eindeutige Antwort nicht möglich. „Die weitere Entwicklung ist nicht vorhersehbar. Wir beobachten den Markt daher weiterhin“, heißt es vonseiten der Pressestelle.
Die Gefahr steigender Mietpreise sieht die Stadt in dem bisherigen Umfang nicht.
Kein Zweckentfremdungsverbot in Heilbronn
Viele größere Städte wie Hamburg, München und auch Stuttgart haben zur Kontrolle des Ferienwohnungsmarktes ein Zweckentfremdungsverbot eingeführt. Die rechtliche Grundlage dafür schafft das Zweckentfremdungsverbotgesetz, das das Land Baden-Württemberg erlassen hat. „Es gibt den Städten und Gemeinden die Möglichkeit, durch eine Satzung ein Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum festzulegen, soweit der Wohnraummangel nicht in absehbarer Zeit durch andere Maßnahmen beseitigt werden kann“, heißt es auf der Webseite des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen.
Die Stadt Heilbronn hat solch eine Satzung nicht erlassen: „Angesichts des insgesamt geringen Umfangs der entsprechenden Angebote in Heilbronn und unserer erfolgreichen Wohnbau-Programme sehen wir die Voraussetzungen für den Erlass einer Satzung derzeit nicht gegeben“, teilt die Presestelle mit.
Bisher stellt laut Stadt lediglich das Baurecht ein eingeschränktes Steuerungsinstrument für den Ferienwohnungsmarkt dar. So seien Ferienwohnungen zum Beispiel in einigen Wohngebieten nicht oder nur ausnahmsweise zulässig. Was viele nicht wissen: Wer seine Wohnung zur Ferienwohnung umwandeln möchte, muss bei der Stadt eine Nutzungsänderung beantragen. Diese Anfragen haben sich laut Pressestelle im Baurechtsamt erhöht.
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Stimme.de
Kommentare
am 26.01.2026 16:18 Uhr
Wir als Hotelbetreiber sehen diesen wachsenden Markt mit großer Sorge. Die scheinbar hohen Zimmerpreise eines Hotels begründen sich in dem hohen Aufwand und den strengen Auflagen im Vergleich zu Vermietungen von privatem Wohnraum.
Meldepflichten, Statistiken, Klassifizierungen, Brandschutz, Unfallschutz, Hygienebestimmungen, Buchhaltung, Kasseneinrichtungen mit Sicherheitseinrichtung, Kommisionen, Steuern und Abgaben, GEMA und GEZ Gebühren und hohe Personalkosten.
Die steigende Anzahl von kurzfristig, privat vermietetem Wohnraumes muss man als unlauteren Wettbewerbes gegenüber Hotels und Gästezimmern sehen. Dies ist eine Grauzone wo der Gesetzgeber den Vermietern sehr viel Freiraum lässt.
Wir wohnen privat in einer ruhigen Wohngegend in Heilbronn, zwei Häuser weiter ist ein Einfamilienhaus in dem ständig wechselnd Monteure untergebracht werden. Überquellende Mülltonnen und Grillfeste mit lauter Musik bis tief in die Nacht sind eher die Regel wie die Ausnahme.
Bei der Verwaltung möchte man davon nichts wissen, das wird auch in Ihrem Bericht deutlich so kommuniziert. Andere Kommunen sind das schon sehr viel weiter.
Dass dringend beötigter Wohnraum dem ohnehin dürftigen Markt entzogen wird ist ein unschöner Nebeneffekt dem viele Kommunen jetzt einen Riegel vorschieben.
Das ist ein Thema über das dringends geredet werden sollte.
Jürgen Mosthaf