„Laufkundschaft fehlt“: Hält Sicherheitskonzept in Heilbronn Käufer fern?
Die Besucherfrequenz in der Heilbronner City ist am dritten Adventswochenende so gut wie selten. Viele Händler sind trotzdem unzufrieden. Liegt’s an den Sicherheitsvorkehrungen?
Die Uhr tickt. Der Heiligabend und damit der Moment, an dem deutschlandweit wohl die meisten Geschenke des Jahres an nur einem Tag übergeben werden, rückt immer näher. Die Gaben müssen vorher natürlich wohlwollend ausgesucht und erstanden werden.
Kein Wunder also, dass die Heilbronner Innenstadt am dritten Adventssamstag wieder gut gefüllt ist mit Menschen, die Tüten tragen, bummeln, stöbern oder auch nur einen Glühwein trinken. nach Zahlen der Heilbronn Marketing Gesellschaft (HMG) werden auf dem Weihnachtsmarkt in der dritten Adventswoche bis Sonntagabend voraussichtlich an die 270.000 Besucher gezählt – so viele wie noch nie seit 2019. Wie aber läuft das Geschäft tatsächlich bei den Einzelhändlern?
Heilbronner Buchhandlung durch Sicherheits-Barrieren von Innenstadt abgetrennt
Eine Apotheke mag jetzt spontan nicht unbedingt der erste Anlaufpunkt für Geschenke sein, doch gibt es sicher viele Menschen, die sich über hochwertige Pflegeprodukte freuen. „Das Weihnachtsgeschäft läuft gut, es ist auch mehr los als an den ersten beiden Adventssamstagen“, stellt Sandra Hanna, Mitarbeiterin in der Harfensteller Apotheke, fest. Man merke, dass die Festtage näher rücken. Beliebt sind bei ihnen Gutscheine, aber auch von den Herstellern fertig zusammen gestellte Geschenksets.

Nicht ganz so positiv ist Regina Peregon, Filialleiterin bei Osiander, gestimmt. „Es läuft schlechter als gedacht oder erhofft“, bedauert sie. Als eine Ursache vermutet sie die Zufahrtssperren auf Höhe von Galeria Kaufhof am Beginn des Weihnachtsmarkts. „Ich habe das Gefühl, dass wir dadurch von der restlichen Innenstadt abgegrenzt sind und die Laufkundschaft fehlt.“ Im Vorjahr sei der Markt noch bis zu ihnen gegangen.
Das Stadtmarketing habe zugesagt, sich das Sicherheitskonzept anzuschauen. Ihre Hoffnung für das Weihnachtsgeschäft ist, dass in der letzten Woche alle geballt kommen. Peregon stellt fest, dass die Kaufkraft nicht mehr dieselbe wie im Vorjahr ist. Es gehen eher Taschenbücher und kleinere Spiele über die Theke. Vor allem bei Bildbänden sind die Kunden sehr zurückhaltend. „Nur bei den Sonderangeboten haben wir ein kleines Plus.“
„Viele, die nur gucken“: Kauflaune in Heilbronn vielerorts gedämpft
„Schwächer als wir gedacht haben, da ist eindeutig Luft nach oben“, resümiert auch Gottfried Friz, Geschäftsführer von Betten Friz, den dritten Adventssamstag, der sich mit den ersten beiden in etwa die Waage halte. „Wir sind aber trotzdem nicht unzufrieden, denn die, die kommen, wollen auch etwas kaufen“, stellt er fest. Mit guter Laune und selbstgebackenen Plätzchen machen die Mitarbeiter diesen Schritt noch etwas leichter.
Geschenke, die bei ihnen gekauft werden, seien immer aus dem hochwertigen Segment. „In diesen Zeiten wollen die Menschen etwas Langlebiges, Außergewöhnliches, was man nicht unbedingt jeden Tag nutzt, wie zum Beispiel hochwertige Nachtwäsche bei Damen und Herren.“ Auf Wunsch werden diese dann textil verpackt, übrigens nicht nur das, was bei Friz gekauft wird. „Manche kommen auch mit einem Buch vom Osiander und lassen es hier in ein Gläsertuch verpacken.“

Beim Juwelier Böhnlein ist der Zuspruch im Vergleich zu den ersten beiden Adventssamstagen gewachsen. „Trotzdem haben wir immer noch die, die nur gucken, weil Weihnachten noch so weit weg ist“, stellt Niederlassungsleiter Thorsten Koch fest. Vormittags kämen eher die Käufer, nachmittags die Bummler. „Das neue Geschäft zieht natürlich auch an.“ Da es im Moment keinen Muss-Trend im Schmuckbereich gibt, ist alles gefragt. „Manchmal kommen die Paare zusammen, aber es gibt auch immer noch welche, die ihre Partner überraschen wollen.“
Gemischte Gefühle bei Petra Kern in ihrer Modeboutique Viva Fashion: „Der erste Adventssamstag war deutlich stärker.“ Vielleicht hätten die Leute ihre Einkäufe frühzeitig erledigt. Sie meine sich zu erinnern, dass es 2024 ähnlich war, der erste gut, der Rest eher schleppend. „Die Frequenz fehlt heute einfach.“ Nun gebe es bei ihr auch keine typischen Geschenkartikel und die Stammkunden kommen eben, wenn sie unterwegs sind. „Und dann ist es immer ein guter Tag.“
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare