Hochschule Heilbronn macht künstliche Intelligenz erlebbar

Heilbronn  Das Zentrum für maschinelles Lernen der Hochschule Heilbronn hat im vergangenen Jahr ein KI-Labor gestartet. Dort können sich Firmen beraten lassen, wie sie künstliche Intelligenz einsetzen könnten. In einer Online-Veranstaltung haben die Gründer auf die vergangenen sechs Monate zurückgeblickt.

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Nicolaj Stache forscht am Einsatz von KI im Industriebereich.

Computer-Programme, die wie ein menschliches Gehirn funktionieren und intelligente Entscheidungen treffen? Das klingt für viele wie Zukunftsmusik. Am Zentrum für maschinelles Lernen (ZML) der Hochschule Heilbronn wird daran längst geforscht. 2018 wurde es eröffnet, ein Jahr später wurde es ein vollständiges Institut und im vergangenen Jahr startete das KI-Labor. Dort können sich Unternehmen kostenlos beraten lassen, wie sie künstliche Intelligenz (KI) einsetzen könnten. Am vergangenen Donnerstag wurde das sechsmonatige Bestehen des KI-Labors mit einer Online-Veranstaltung gewürdigt.

Der Trend hin zu intelligenter Technik sei in Heilbronn angekommen, erklärt Hochschulrektor Oliver Lenzen den 150 zugeschalteten Teilnehmern. Der nächste Schritt sei der KI-Campus, der mit Partnern wie der Dieter-Schwarz-Stiftung und dem Fraunhofer-Institut IAO auf dem Bildungscampus aufgebaut wird. "Das wird noch ein bisschen dauern, aber das Interesse ist da", sagt Lenzen. "Wir sind auch für Sie da, für die Unternehmen und freuen uns, wenn Kooperationen weiter beflügelt werden."

Computer kann mit vielen Daten besser umgehen, als der Mensch

Dann übernehmen Nicolaj Stache und Alexandra Reichenbach, zwei der drei Gründer des ZML. Begriffe wie KI und maschinelles Lernen seien für viele immer noch unklar, erklärt Alexandra Reichenbach. Ihre Arbeitsdefinition für KI ist kurz: "Informationen aufnehmen und verarbeiten, um daraus zweckbasiertes Handeln abzuleiten."

Dafür sei maschinelles Lernen notwendig, bei dem Computer-Programme in einer großen Menge Daten bestimmte Muster erkennen, ähnlich wie ein Mensch. "Wenn man einem Computer das antrainiert, kann er sich auch intelligent verhalten." Es gebe einen großen Bedarf an Beratung bei dem Thema, das KI-Labor könne für Unternehmen ein erster Schritt sein.

Im Browser kann KI-Technik ausprobiert werden

In unterschiedlichen thematischen Räumen geben die Experten anschließend Einblicke in die Praxis. Nicolaj Stache führt das virtuelle KI-Labor vor. Jeder kann dort mit Beispielen aus der Praxis hantieren und sich den Programmiercode eines neuronalen Netzes anschauen. All das läuft ohne Installation direkt im eigenen Internetbrowser. "Sie können KI bei uns an einem realen Beispiel kennenlernen."

Hochschule Heilbronn macht KI erlebbar

Die erste Anwendung erkennt etwa anhand verschiedener Sensordaten den Zustand eines Triebwerks. Die andere wertet eine Vielzahl von Kundenbewertungen aus und kategorisiert sie. Zusätzlich zeigt die Technik, die auf Jupyter-Notebook basiert, Zwischenergebnisse.

Therapien für Alzheimer und Parkinson profitieren von KI-Forschung

Nutzer sehen dann, welche Bereiche eines Bauteils die Technik als "in Ordnung" und welche als "fehlerhaft" eingestuft hat. Im KI-Labor sei die Qualität gesichert, erklärt Stache, das sei nicht selbstverständlich. "Das Internet ist riesig und die Sachen, die dort veröffentlicht werden, sind von unterschiedlicher Qualität." Der Zugang wird auf persönliche Anfrage vergeben, damit die Umgebung vor Hackerangriffen geschützt ist.

Alexandra Reichenbach erklärt in ihrem Vortrag, wie maschinelles Lernen in den Neurowissenschaften genutzt wird. Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder Demenz seien komplex und unterschiedlich. "Zwei Patienten mit der gleichen Erkrankung können sehr unterschiedliche Symptome haben." Software, die große Daten-Mengen auswerten kann, könne Krankheitsverläufe besser abbilden.

Außerdem könnten so mehr Daten als bisher genutzt werden. So äußere sich etwa Autismus durch ungewöhnliche Augenbewegungen, erklärt Reichenbach. "Wenn wir viele Verhaltensänderungen haben, die einzeln nicht auffallen, zusammen aber eine Erkrankung signalisieren, kann diese Erkenntnis von einem Algorithmus extrahiert werden." Das helfe bei der Früherkennung. Am ZML gebe es bereits entsprechende Datenbanken für Parkinson und Alzheimer, die für die Forschung genutzt werden können. Für Schizophrenie werde derzeit eine aufgebaut, erklärt Reichenbach.

 

Christoph Donauer

Christoph Donauer

Autor

Christoph Donauer kümmert sich bei der Stimme um alles, was in Heilbronn, Deutschland und der Welt los ist. Seit 2019 ist er Redakteur für Politik und Wirtschaft. Davor war er als Journalist in Berlin, Brüssel, Dänemark und Stuttgart unterwegs.

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