Fahrradpendler sind in der Regel zufriedener als Autofahrer

Region  Die Hochschule Heilbronn beendet die zweijährige Studien-Testphase für Fahrradpendler. Die ersten Rückmeldungen sind positiv. Eine wissenschaftliche Auswertung folgt im kommenden Jahr.

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Die Hochschule Heilbronn und die Landesbank Baden-Württemberg in Stuttgart (Bild) waren Anlaufstellen für die zur Verfügung gestellten Räder und die sogenannte "PendlerRatD-Studie", die im kommenden Jahr im Detail ausgewertet wird.

Foto: privat

Wie bringt man hartnäckige Autofreaks zum Umsteigen auf das Fahrrad? Dieser Frage geht eine Studie nach, die Professorin Jana Heimel vom Studiengang International Business an der Hochschule Heilbronn (HHN) vor zwei Jahren ins Leben gerufen hat. Nun ist der praktische Teil der Studie, die den Namen "PendlerRatD" trägt, abgeschlossen. Die Teilnehmer geben ihre Leihfahrräder ab und bringen ihre Erfahrungen ein.

"Das ging gut, das E-Bike hat sich vor allem über die Hügel bezahlt gemacht", sagt Sven Grunwald, als er sein Fahrrad im Hof am neuen Bildungscampus am Heilbronner Europaplatz zurückgibt. Der 51-Jährige ist vom 1. April bis zum 30. November die anspruchsvolle, 13,5 Kilometer lange Strecke von Abstatt bis nach Heilbronn gefahren, - wenn er nicht im Homeoffice arbeitete. In der Hochschule ist er als Leiter der zentralen Beschaffung tätig. Zwischen 25 und 35 Minuten hat Grunwald für die einfache Fahrt gebraucht.

Grunwalds Fazit fällt nach der Umstellung vom Auto auf das E-Bike durchweg positiv aus. "Es hat viel Spaß gemacht und ich bin heute auf jeden Fall fitter als früher", sagt der 51-Jährige. Die Konsequenz: "Meine Entscheidung hat sich verfestigt, dass ich mir ein E-Bike anschaffe".

 

App als Begleitung

Mehr Spaß und größere Fitness

Gelungener Test: Sven Grunwald aus Abstatt gibt sein E-Bike an die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Studie, Lena Preißner, zurück.

Foto: Thomas Zimmermann

Während in der ersten Testphase im Jahr 2019 die Fahrtstrecken und das Pendelverhalten der Teilnehmer untersucht wurden, ging es in der zweiten Phase darum, das sogenannte Bonusmodul zu prüfen. Denn je mehr die Studienteilnehmer in die Pedale traten, desto mehr wurden sie dafür zusätzlich belohnt. Eine eigens entwickelte "PendlerRatD-App" plante nicht nur die persönliche Route, navigierte, motivierte und zeichnete die Bilanz auf. Wer viel fuhr, bekam zusätzlich attraktive Gutscheine. "Es gab zum Beispiel Bons für HNV-Tickets, Kantinenessen oder Fahrradhelme, Rucksäcke, Taschen und Handyhalter", zählt Christopher Ringel auf, der "PendlerRatD" als IT-Projektleiter begleitet.

Je mehr Pendelfahrten und Höhenmeter die 110 Testpersonen aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn zurücklegten, um so hochwertiger waren die Preise. Im Gegenzug erhielten die Wissenschaftler an der Heilbronner Hochschule Daten für ihre Forschung.

Geld vom Verkehrsministerium

Die Teilnehmer für das Projekt, das vom Nationalen Radverkehrsplan 2020 durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) mit 425.000 Euro unterstützt wird, hatte das Team von Jana Heimel unter den Berufspendlern der beteiligten Firmen akquiriert. Parallel dazu waren zusätzlich 175 Testradler in Stuttgart unterwegs, um eine breitere Basis für die wissenschaftliche Arbeit zu schaffen.

 

Die meisten Menschen, die mitgemacht haben, sind begeistert, diese Entwicklung wollen wir verstetigen", zieht Benedikt Krams, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Projektmanagement zuständig ist, eine vorläufige Bilanz. Wenige Pendler kritisierten mangelhafte Radwege. Häufiger wurden fehlende Infrastrukturen beim Arbeitgeber moniert. "Teilnehmer wünschten sich am Arbeitsplatz überdachte Abstellplätze, kurze Wege und Duschen", nennt Christopher Ringel Kritikpunkte.

Gesünder als Autofahrer

Und: Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Fahrradpendler in der Regel zufriedener sind, als Autofahrer. "Erste Studien zeigen, dass Fahrradpendler weniger Fehltage haben", betont Benedikt Krams. Im kommenden Jahr sollen die gesammelten Daten komplett wissenschaftlich ausgewertet werden. "Wir wollen dadurch Handlungsempfehlungen entwickeln und aufzeigen, was das Pendeln konkret bringt und wo möglicherweise Probleme auftreten", unterstreicht Krams. Sven Grunwald hat das regelmäßige Fahrradfahren nicht nur Spaß, Fitness und Bonuspunkte gebracht. Auch sein dauerhafter Umstieg auf das E-Bike ist beschlossene Sache.

 

 

Thomas Zimmermann

Thomas Zimmermann

Autor

Thomas Zimmermann ist seit Dezember 2020 in der Stadtredaktion der Heilbronner Stimme. Zuvor arbeitete der ehemalige Radioreporter und Magazinmacher ab Februar 2015 in der Hohenloher Zeitung und berichtete vor allem über Künzelsau und Umgebung. In der Stadtredaktion berichtet Zimmermann vor allem über Handel, Gastronomie, Stadtpolitik und Gerichtsverhandlungen.

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