Fährt der Heilbronner E-Bus wirklich emissionsfrei?

Heilbronn  Unser Bericht über Heilbronns ersten und einzigen Elektrobus hat viele Leser interessiert. Hier beantworten wir Fragen, die uns dazu erreicht haben.

Email
Fährt der Heilbronner E-Bus wirklich emissionsfrei?

Der erste E-Bus Heilbronns hat viele Stimme-Leser interessiert. Die Stadtwerke wollen sich nicht auf den Elektroantrieb festlegen.

Foto: Christoph Donauer

Einer der 65 Stadtbusse, die durch Heilbronn fahren, wird elektrisch angetrieben. Während der Bundesgartenschau war er als Parkplatz-Shuttle unterwegs, seitdem fährt er auf mehreren Linien. Unsere Redaktion hat einen Busfahrer begleitet und über den E-Bus berichtet. Dazu erreichten uns einige Nachfragen.

Fährt der E-Bus wirklich emissionsfrei? Wird die Heizung mit Diesel betrieben? Ist der E-Antrieb die Zukunft? Wir haben zu einigen dieser Fragen nachgehakt.

Fährt der Bus emissionsfrei?

Der Heilbronner E-Bus kommt von Mercedes Benz und ist die elektrische Version des Modells Citaro. Zwei Radnaben-Motoren mit jeweils 125 kW sind verbaut, die von insgesamt zehn Akkus angetrieben werden. Die Akkus liefern 250 Kilowattstunden, damit schafft der Bus laut Hersteller 150 Kilometer mit 80 Fahrgästen. In der Realität sind Stadtbusse aber nicht durchgehend vollbesetzt, weshalb die Reichweite bei bis zu 180 Kilometern liegen kann. Da der Bus elektrisch fährt, stößt er während der Fahrt keine Treibhausgas-Emissionen aus.

Relevant sind also die Emissionen, die bei der Stromproduktion entstehen. Die Stadtwerke betreiben den Bus laut eigener Aussage mit Ökostrom der Zeag. Die dürfe allerdings aus Datenschutzgründen nicht offenlegen, welchen Tarif die Stadtwerke genau beziehen. Die Zeag verweist darauf, dass sie grundsätzlich Strom liefern kann, der zu hundert Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt, etwa aus Wasserkraftwerken. CO2 falle nur beim Bau der Staudämme, Wehre und Wasserkraftwerke an. "Im späteren Betrieb, der viele Jahrzehnte nahezu ohne weiteren Einsatz von Energie und damit Emissionen erfolgt, ist der CO2-Ausstoß nahezu null", erklärt eine Sprecherin.

Welche Emissionen fallen bei der Produktion des Busses an?

Das hat Daimler im Jahr 2018 ausgerechnet. Dabei wurden die CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus des Busses betrachtet: Herstellung, Betrieb und Entsorgung. Demnach fallen 91 Tonnen CO2-Emissionen an, wenn der eCitaro mit Strom aus Wasserkraft geladen wird. Beim herkömmlichen EU-Strommix sind es 404 Tonnen CO2.

Im Vergleich dazu fallen bei einem Diesel-betriebenen Citaro-Bus laut Daimler AG 653 Tonnen CO2-Emissionen an, die meisten davon durch den laufenden Betrieb (562 Tonnen). Die Herstellung des eCitaro verursacht 83 Tonnen CO2-Emissionen, etwa die Hälfte davon geht auf die Produktion der Akkus zurück. Mit anderen Worten: Der eCitaro, wenn er mit Energie aus erneuerbaren Quellen betrieben wird, verursacht während seiner Lebenszeit rund 85 Prozent weniger CO2-Emissionen als sein Pendant, das mit Diesel fährt.

Welche Emissionen fallen bei der Akkuproduktion an?

Bleiben die Emissionen, die bei der Herstellung der Akkus entstehen. Im Heilbronner E-Bus sind Nickel-Mangan-Kobalt-Batterien (NMC-Batterie) verbaut (meist unter dem Begriff Lithium-Ionen-Akku bekannt). Unter anderem im Wissenschaftsmagazin CellPress zeigen Forscher auf, dass die Produktion von Nickel und Mangan sich auf mehrere Länder verteilt und beide Materialien ausreichend vorhanden sind.

Als problematisch sehen sie Kobalt an, das etwa zur Hälfte in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut wird. In dem Land im Herzen Afrikas gibt es immer wieder bewaffnete Konflikte und Unruhen. Nichtregierungsorganisationen kritisieren seit langem, dass in Kobalt-Minen auch Kinder arbeiten und immer wieder Minenarbeiter sterben. Eine Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe betont, dass nicht in erster Linie Kinderarbeit sondern der illegale Kleinbergbau insgesamt ein Problem darstellt. Ein Großteil des Kobalts werde jedoch im industriellen Bergbau unter internationalen Standards abgebaut.

Ist die Heizung dieselbetrieben?

Mehrere Leser wollten wissen, ob der E-Bus durch eine dieselbetriebene Heizung beheizt wird. Tatsächlich frisst das Heizen des Busses einen Großteil der verfügbaren Energie und verringert dadurch die Reichweite. Das ist besonders bei Stadtbussen ein Problem, da sie oft halten und im Winter kalte Luft durch die Türen strömt. Der E-Bus wird durch eine elektrische Wärmepumpen-Heizung aufgeheizt.

Eine Hilfsheizung, die mit Kraftstoff funktioniert, kann für Temperaturen unter Minus zehn Grad eingeschaltet werden. In den vergangenen Monaten war es so kalt jedoch nicht. Hersteller Mercedes Benz betont, bei der Entwicklung des Busses großen Wert auf das Energiemanagement gelegt zu haben. So können etwa Achslastsensoren erfassen, in welchem Teil des Busses gerade Fahrgäste sitzen und die Heizung oder Kühlung entsprechend anpassen.

Ist Strom der Antrieb der Wahl?

Die Stadtwerke wollen sich derzeit nicht auf den Elektroantrieb konzentrieren. "Wir beobachten den Markt und legen uns noch nicht fest", sagt Fahrdienstleiter Steffen Müller. Es gebe momentan keine Pläne, weitere E-Busse anzuschaffen. Ein E-Bus inklusive Ladetechnik sei in etwa doppelt so teuer wie ein Dieselbus. Dazu kämen weitere Kosten für Personal und Schulungen.

Außerdem müssen Ladezeiten eingeplant werden. Deshalb könnten künftig Wasserstoff-Busse eine Alternative sein. Sie sind zurzeit jedoch noch teurer als E-Busse. Die Stuttgarter Verkehrsbetriebe SSB haben indes mitgeteilt, all ihre Stadtbusse seit Jahresbeginn mit einem eigenen synthetischen Kraftstoff zu betreiben, der auf Erdgas basiert. Die Stickoxidemission aller Bestandsfahrzeuge werde dabei um bis zu 20 Prozent reduziert, die Rußbelastung durch Standheizungen um 50 Prozent.


Christoph Donauer

Christoph Donauer

Autor

Christoph Donauer kümmert sich bei der Stimme um alles, was in Heilbronn, Deutschland und der Welt los ist. Seit 2019 ist er Redakteur für Politik und Wirtschaft. Davor war er als Journalist in Berlin, Brüssel, Dänemark und Stuttgart unterwegs.

Kommentar hinzufügen