Regelmäßig veranstaltet die Heilbronner Polizei Aktionstage zur Kriminalprävention. Ziel ist es dabei, Straftaten zu verhindern und Bürgern das Rüstzeug mitzugeben, in einer Gefahrenlage richtig zu reagieren. Die Beamten arbeiten dabei auch regelmäßig mit dem Ludwigsburger Präventionstheater Q-rage zusammen. Die Gruppe spielt regelmäßig Szenen, die sich mit verschiedenen Facetten der Präventionsarbeit befassen.
Aktionstag der Polizei in Heilbronn: Worauf es in der Gefahrensituation ankommt
Wie verhalte ich mich, wenn andere in Gefahr sind? Beim Heilbronner Aktionstag der Polizei am Mittwochvormittag lernten Schulklassen spielerisch, wie man sich im Ernstfall richtig verhält.
Der Bus der Heilbronner Stadtwerke vor dem Hauptbahnhof dient den Schauspielern des Ludwigsburger Präventionstheaters Q-rage am Mittwochvormittag nicht nur als Bühne. Das Vehikel ist realistische Kulisse, wenn Luke Sommer seiner Kollegin Lisa Weigand auf den Pelz rückt. Schulklassen der Helene-Lange-Realschule und der Christiane-Herzog-Schule sind Zeugen dieser Belästigung im öffentlichen Raum. Sie sollen aber nicht nur zuschauen, sondern aktiv eingreifen.
Zivilcourage zeigen, aber richtig: „Auf keinen Fall darf man sich selbst in Gefahr bringen“, sagt Daniel Neumann-Schwarz, der auch Schauspieler der Ludwigsburger Gruppe ist, an diesem Vormittag aber die Moderation übernimmt. Damit die Schüler ein Gefühl für die Situation bekommen, gestalten die Darsteller die Szene interaktiv. Die Schüler sollen die Gefahr erkennen und richtig darauf reagieren.
Aktionstag der Polizei in Heilbronn: Helfer dürfen sich selbst nicht in Gefahr bringen
Die 23 Realschüler der Klasse 9b sind die erste Gruppe an diesem Vormittag. Dass sie mehrere Anläufe brauchen, um Lisa aus der Gefahrenzone zu bringen, erleben die Schauspieler nicht zum ersten Mal. Denn die Regel Nummer eins lautet: „Ihr bringt euch selbst nicht in Gefahr“, sagt Neumann-Schwarz. Genau das passiert aber drei bis vier Mal. Wenn die Schüler direkt auf Luke Sommer zugehen, der schon angefangen hat, sein Opfer zu betatschen.

„Kennst du diese Person?“, schreit eine Schülerin den Täter mit lautstarker Stimme an. Damit hat sie die Aufmerksamkeit des Aggressors auf sich gelenkt. Er steht auf und fragt ebenso lautstark zurück: „Was hast du für ein Problem?“ Die Situation eskaliert. Die Schülerin hat sich selbst in Gefahr gebracht. Und Lisa? „Ich habe mich noch unsicherer gefühlt“, sagt die Schauspielerin bei der ersten Analyse.
„Das Ziel lautet: keine körperliche Gewalt“, erklärt Neumann-Schwarz den Schülern. Am besten nicht alleine auf den Aggressor zugehen, sondern gezielt weitere Fahrgäste darauf ansprechen, dass sie mithelfen sollen. Aber auch hier könne man vieles falsch machen, so Rost. Was sich im nächsten Durchgang auch bewahrheitet. Eine ganze Menschentraube bildet sich um Täter und Opfer. Wieder ist Luke derjenige, der angesprochen wird. Er reagiert aggressiv zurück. Und Lisa? „Ich habe mich unwohl gefühlt, weil ich wegen der vielen Menschen vor mir nicht einmal mehr einen Fluchtweg gesehen habe.“
Polizei Heilbronn will mit Präventionsarbeit Bewusstsein schaffen und Handwerkzeug liefern
Nicht alle auf einmal in die Gefahrenzone. Sondern vielleicht zwei oder drei. In jedem Fall auch den Busfahrer ansprechen. Der kann die Polizei rufen, so Neumann-Schwarz. Oder man kann selbst die Polizei rufen. „Lieber einmal zu oft den Notruf absetzen als einmal zu wenig“, sagt Kriminalhauptkommissar Daniel Rost, der bei der Heilbronner Polizei für die Kriminalprävention zuständig ist.
„Prävention ist wichtig“, sagt Rost. „Weil viele nicht helfen, weil sie selbst Angst haben oder unsicher sind.“ Mit Aktionstagen wie am Mittwochvormittag vor dem Heilbronner Hauptbahnhof will die Polizei ein Bewusstsein schaffen und das Handwerkszeug liefern. „In Extremsituationen hilft oft ein bekannter Gedanke“, sagt der Kriminalhauptkommissar.
Hauptkommissar von der Bundespolizei Heilbronn klärt auf: Keine Scheu vor der 110
Zivilcourage und Einschreiten ist auch für Hauptkommissar Sven Zaharanski von der Bundespolizei essenziell. Immer wieder zeigten Videoaufzeichnungen in den Zügen, dass die meisten Menschen sich nicht trauen, bei einer bedrohlichen Situation den Opfern zu helfen, so der Bundespolizist. „Präventionsarbeit ist deshalb so wichtig.“ Und im Zweifel: „Keine Scheu vor der 110“, sagt Zaharanski.
Und die Schüler im Bus? Sie machen am Ende alles richtig. Die Neuntklässler informieren den Busfahrer. Zwei oder drei Schüler greifen in die Szene ein. Sie sprechen aber nicht mehr den Täter an, sondern das Opfer. Sie geben vor, Lisa zu kennen und fordern sie auf, mitzukommen. Auf Lukes Protest gehen sie nicht ein. Der Täter ist aus dem Spiel genommen, das Opfer aus der Gefahrenzone gebracht, und keiner der Helfer ist selbst in Gefahr geraten.
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