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Kommunen aus dem Kreis Heilbronn wehren sich gegen angeblichen Einwohnerverlust 

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Nach der Zensus-Befragung verlieren Kommunen in den Landkreisen Heilbronn und Hohenlohe Einwohner. Dies wirkt sich mancherorts negativ auf die ohnehin schon angespannte Finanzlage aus. 


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Weniger Einwohner bedeutet weniger Geld: Viele Kommunen im Südwesten befürchten nach der aktuellen Einwohnerfortschreibung aufgrund der Zensus-Daten Einbußen in ihren Haushalten. Der Städtetag spricht von teils unerklärlichen Verlusten im Vergleich zur bisherigen Bevölkerungszahl. „Sie belaufen sich auf bis zu fast 15 Prozent und führen zu schmerzlichen Einbußen in den Etats mancher Gemeinde“, erläuterte Verbandsexperte Norbert Brugger. Für Hardthausen, das durch den Zensus einen Einwohnerschwund von rund 100 Menschen hat, bedeutet dies 160.000 bis 170.000 Euro weniger pro Jahr, so Bürgermeister Thomas Einfalt.

Zu wenig Einwohner, zu wenig Geld: Jagsthausen landesweit am stärksten vom Zensus betroffen

Im Landkreis Heilbronn besonders betroffen ist Jagsthausen mit angeblich fast 500 Einwohnern weniger. In der vor der Zensus-Befragung noch 2200 Einwohner großen Gemeinde bedeutet dies einen Verlust von über 20 Prozent. Die finanziellen Auswirkungen sind enorm: Bereits 2025 hat die Gemeinde über 250.000 Euro weniger an Zuweisungen bekommen, dieses und nächstes Jahr werden es jeweils 350.000 Euro sein. 

„Wir sind landesweit die am stärksten betroffene Gemeinde“, teilt Bürgermeister Roland Halter mit. „Die finanziellen Auswirkungen treffen unseren Lebensnerv und wir werden alle Mittel und Wege ausschöpfen, den ursprünglichen und richtigen Zustand zur Einwohnerzahl weitgehend wiederherzustellen.“ Widerspruch habe man eingelegt und will auch den Rechtsweg beschreiten, falls dies nötig sein sollte. „Fakt und Beschlusslage der Gemeinde Jagsthausen ist, dass wir gegen einen ablehnenden Widerspruchsbescheid individuell Anfechtungsklage gegen das Land Baden-Württemberg erheben werden.“

Herber Rückschlag für Bad Friedrichshall auf dem Weg zur Großen Kreisstadt 

Bad Friedrichshall erlebt auf dem Weg zur Großen Kreisstadt einen herben Rückschlag: Laut aktuellem Melderegister verzeichnet die Stadt zum 30. September 2025 genau 20.405 Einwohner. Das Statistische Landesamt rechnet in der Bevölkerungsfortschreibung, die auf den Zensusdaten basiert, aber nur mit 20.016 Personen. „Die Differenz von rund 400 Einwohnern bringt für uns finanzielle Nachteile im kommunalen Finanzausgleich“, sagt Bürgermeister Timo Frey dazu. „Wir wollen daher weiterhin Aufklärung der Differenz und halten deshalb auch unseren Widerspruch gegen das Ergebnis des Zensus 2022 aufrecht.“

Vor allem Jagsthausen trifft es hart: Laut Zensus-Daten verliert die kleine Gemeinde fast 300 Einwohner.
Vor allem Jagsthausen trifft es hart: Laut Zensus-Daten verliert die kleine Gemeinde fast 300 Einwohner.  Foto: Sina Ettmer

Bevölkerung in der Stadt Heilbronn wächst, die der Landkreise aber nicht

Der Stadtkreis Heilbronn hingegen hat profitiert: Laut Zensus ist die Bevölkerung hier um 1,31 Prozent gewachsen. Das Statistische Landesamt hat zum Stichtag 31. Dezember 2024 genau 131.986 Einwohner angegeben. Dies liegt aber auch knapp unter der Zahl, welche die Stadt selbst veröffentlicht: Mit 132.862 Einwohnern gibt Heilbronn fast 900 Personen mehr an als das Statistische Landesamt.

Insgesamt ist die Bevölkerung im Landkreis Heilbronn laut Zensus-Daten um 2218 Einwohner oder 0,63 Prozent geschrumpft. Weitere „Verlierer“ mit jeweils über zwei Prozent weniger sind Abstatt, Cleebronn, Hardthausen, Kirchardt, Neudenau, Weinsberg und Zaberfeld. Daniela Danner, Bürgermeisterin von Zaberfeld, berichtet, dass man wie viele andere Kommunen Widerspruch eingelegt habe. „Nach intensiver Prüfung der rechtlichen Rahmenbedingungen, der Informationen des Gemeindetags Baden-Württemberg sowie der Einschätzung der Erfolgsaussichten haben wir diesen Widerspruch jedoch wieder zurückgenommen.“ Ausschlaggebend war, dass die grundsätzliche Erhebungs- und Berechnungsmethodik des Zensus gerichtlich bestätigt worden sei „und eine nachträgliche Überprüfung einzelner personenbezogener Erhebungsdaten für Kommunen faktisch nicht möglich ist“.

Im Hohenlohekreis stellt sich die Lage weniger dramatisch dar

Im Hohenlohekreis beträgt der Verlust 0,51 Prozent oder 587 Einwohner. Am stärksten trifft es Waldenburg mit fast drei Prozent weniger an Einwohnern, ansonsten halten sich die Verluste aber in Grenzen. Bereits im Sommer 2024, als die Ergebnisse veröffentlicht worden waren, erklärte das Landratsamt auf eine Stimme-Anfrage: „Grundsätzlich ändert sich für den Kreis kaum etwas, da die Ergebnisse des Zensus bezüglich der Bevölkerungszahl sehr nahe an den Werten der Bevölkerungsfortschreibung aus 2011 liegen.“ 

Befragung während Corona: Blieben bei der Volkszählung viele Türen zu?

Der Gemeindetag rechnet mit voraussichtlich 640 Städten und Gemeinden landesweit, die mindestens ein Prozent Minus bei der Einwohnerzahl hinnehmen müssen. Dies sei „weder plausibel noch nachvollziehbar“, so Präsident Steffen Jäger. Als einer der möglichen Gründe für die zu geringen Zahlen wird vermutet, dass bei der Befragung während der Corona-Zeit viele Türen verschlossen geblieben sind. 

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Kleinere Gemeinden stärker betroffenBeim Zensus 2022 gab es in allen Gemeinden Stichprobenerhebungen – unabhängig von der Einwohnerzahl. 2011 erfolgte die Korrektur in Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern anhand individueller Prüfungen von Unstimmigkeiten in den Melderegistern. Dies hat sich 2022 geändert. Daher gab es eine größere Zahl von Abweichungen – meist zum Nachteil der kleinen Gemeinden. 

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