Eine interaktive Karte zu Wildunfällen von 2021 bis 2024 hat die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) auf ihrer Webseite. Die Daten zeigen: Auffällig viele Wildunfälle gibt es auf dem Autobahnzubringer (L1111) bei Donnbronn mit 10,4 Wildunfällen pro Kilometer. Ebenfalls auffällig ist die L1050 im Hohenlohekreis zwischen Pfedelbach und dem Ortsteil Gleichen mit 11,8 Wildunfällen pro Kilometer. Die Daten zeigen naturgemäß, dass Wildunfälle vor allem auf Autobahnen, Bundesstraßen und viel befahrenen Landstraßen passieren, meist außerorts.
Wildunfälle in Heilbronn und Hohenlohe: Was Autofahrer jetzt beachten sollten
Nach der Zeitumstellung sind viele Pendler wieder in der Dämmerung unterwegs. Damit droht ein höheres Risiko für Wildunfälle. Wie die Lage in der Region Heilbronn und Hohenlohe ist und worauf Autofahrer achten sollten.
Die Tage werden kürzer und die Winterzeit hat begonnen. Gleichzeitig ist in den Herbstmonaten die aktivste Zeit für Wildtiere, denn sie sind auf der Suche nach Partnern und Futter. Der Landesjagdverband Baden-Württemberg warnt deshalb Autofahrer und rät zu besonderer Vorsicht. Durch die Uhrumstellung falle der Arbeitsweg für viele Pendler wieder in die Zeit der Dämmerung – was das Risiko für Zusammenstöße mit Wild erhöht.
„Besonders jetzt sind viele Wildtiere verstärkt auf Nahrungssuche, um sich auf die karge Winterzeit vorzubereiten. Auf der Suche nach Futter müssen sie häufig Straßen überqueren“, heißt es in einer Mitteilung des Jagdverbands.
Wildtiere aktiv: Warum Autofahrer derzeit vorsichtig fahren sollten
Für Autofahrer gelte es, besonders in der Dämmerung und entlang von Wäldern und Wiesen wachsam zu sein und langsamer zu fahren. „Bereits Tempo 80 statt 100 verkürzt den Bremsweg um circa 24 Meter. Das kann nicht nur Schaden an Fahrzeug und Fahrer verhindern, sondern auch (Tier-)Leben retten.“

Zum Langsamfahren rät auch der ADAC. Bereits ab 80 km/h werde der Bremsweg gefährlich lang und das Gewicht des Tieres könne schwere Schäden verursachen. „Wildtiere können die Geschwindigkeit von Autos nicht einschätzen und warten nicht am Fahrbahnrand, bis Sie vorbeigefahren sind. Auch, wenn das Tier Sie sieht, kann es trotzdem unmittelbar vor Ihrem Auto auf die Straße springen“, warnt der ADAC.
Heilbronner Kreisjägermeister Häußer: Autofahrer noch nicht sensibilisiert
Dass das Risiko für Wildunfälle gerade jetzt besonders hoch ist, bestätigt Edgar Häußer, Kreisjägermeister im Landkreis Heilbronn. „Durch die Zeitumstellung sind die Autofahrer abends zur Hauptverkehrszeit in der Dämmerung unterwegs.“ Außerdem sei die Aufmerksamkeit durch die veränderten Lichtverhältnisse geringer. „Viele Fahrer sind noch nicht dafür sensibilisiert.“
Viele Unfälle mit Wildtieren zu dieser Jahreszeit verzeichnet auch die Kreisjägervereinigung Hohenlohe, wie Sprecherin Christiane Schweitzer erklärt. Einen direkten Zusammenhang zur Zeitumstellung gibt es aus ihrer Sicht nicht, „wohl aber mit der Aktivität der Menschen in der Dämmerung“.
Kreisjägervereinigung Hohenlohe: Rund 400 Unfall-Rehe pro Jahr
„Hauptsächlich Rehwild ist Opfer von Verkehrsunfällen, aber auch Schwarzwild und verschiedenes Raubwild wie zum Beispiel Fuchs, Steinmarder oder Dachs“, so Schweitzer. Hirsche gibt es dagegen nur an bestimmten Ballungspunkten, etwa Damwild um Michelbach und Obersteinbach, erklärt außerdem eine Sprecherin des Landratsamts im Hohenlohekreis.
In der Kreisjägervereinigung Hohenlohe werden jedes Jahr etwa 400 bei Unfällen getötete Rehe verzeichnet, so Schweitzer. Zählt man Unfallwild und von Jägern erlegte Tiere zusammen, sterben 20 Prozent der sogenannten Rehwildstrecke bei Unfällen.
Gefahr durch Wildwechsel: Was Autofahrer beachten müssen
Doch was sollten Autofahrer tun, wenn sie Wildtiere sehen? Die Empfehlung des ADAC: Deutlich langsamer fahren oder stehen bleiben, das Fernlicht ausschalten und hupen, um das Tier zu vertreiben. „Achtung: Wildtiere sind meist nicht allein unterwegs. Einem Tier könnten weitere folgen.“
Passiert doch ein Unfall, muss gerade im Dunkeln unbedingt die Unfallstelle abgesichert und danach die Polizei verständigt werden. „Im Sinne des Tierschutzes ist es immens wichtig, dass der Unfallbeteiligte sofort Meldung bei der Polizei macht“, betont Schweitzer. „Diese kann den zuständigen Jagdpächter informieren. Der Jäger kann am Unfallort gleich nach dem oft verletzten Wild sehen und mit einem ausgebildeten Hund suchen.“
Außerdem könne der Jäger eine Wildunfall-Bestätigung ausstellen, die bei der Autoversicherung vorgelegt werden muss, um den Schaden zu regulieren. Auf keinen Fall sollten Autofahrer das Unfalltier anfassen oder gar mitnehmen, das gilt als Wilderei und ist eine Straftat.
Entwarnung in rund drei Wochen, schätzt der Heilbronner Kreisjägermeister
Allzu lange dauert die besonders risikoreiche Zeit nicht an, weiß Kreisjägermeister Edgar Häußer. In zwei bis drei Wochen entspanne sich die Lage wieder. „Dann haben sich sowohl die Tiere als auch die Menschen an die veränderte Situation gewöhnt“, sagt Häußer.

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