Wie Pro Region für gesündere Ernährung in Heilbronn-Franken sorgen will
Die Bürgerinitiative Pro Region will dazu beitragen, dass die Ernährung in der Region nachhaltiger und klimafreundlicher wird. Wie das gelingen soll.

Alle wollen etwas für mehr Nachhaltigkeit tun, so auch die Bürgerinitiative Pro Region Heilbronn-Franken. Aber wo anfangen? „Wenn wir nur das Thema Nachhaltigkeit alleine ausrufen würden, kämen wir vom hundertsten ins tausendste“, sagt die Vereinsvorsitzende Friedlinde Gurr-Hirsch. „Wenn man sichtbar werden und die Leute mitnehmen will, muss man über etwas Überschaubares sprechen.“
Deshalb hat sich die Bürgerinitiative das Thema Ernährung vorgeknöpft. Passenderweise, denn Gurr-Hirsch war jahrelang Staatssekretärin im baden-württembergischen Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung. „Wir wollen die Menschen dort erreichen, wo sie selber mitbestimmen können“, erklärt die 71-Jährige.
Pro Region Heilbronn-Franken will gesünderes Essen und mehr Ernährungsbildung
Im vergangenen Herbst hat Pro Region die Fühler ausgestreckt und gemeinsam mit regionalen Experten, Landwirten, Unternehmern und der Öffentlichkeit eine Workshop-Reihe gestartet. Dabei kamen zwei Bereiche heraus, die in der Region verbessert werden sollen: Die Ernährungsbildung und die Gemeinschaftsverpflegung in Kitas, Schulen, Krankenhäusern und Kantinen.
Bildung sei wichtig, damit Menschen ihr eigenes Verhalten hinterfragen und ändern, sagt Gurr-Hirsch. Immerhin werden von den jährlich 11 Millionen Tonnen verschwendeter Lebensmittel fast zwei Drittel in privaten Haushalten weggeworfen. „Das ist ungeheuerlich und schlecht fürs Klima.“ Die Gemeinschaftsverpflegung sei ein guter Hebel, weil in Kantinen und Mensen viele Essen herausgegeben werden. Dadurch könne man „schnell eine sehr große Wirkung erzielen“.
Heilbronn-Franken soll Vorreiter bei klimafreundlicher Ernährung werden
Im Mai hat Pro Region dann einen Sprecherkreis gegründet, der das Thema weiter bearbeiten und in der Öffentlichkeit bekannt machen soll. Geleitet wird das Expertenteam von Josef Klug, zuvor bei der Schwarz-Gruppe für strategische Standortentwicklung zuständig.
„Unser Anspruch ist: Wir wollen eine Blaupause für Baden-Württemberg werden“, betont Gurr-Hirsch. Pro Region will dabei vor allem unterstützen, beraten und die richtigen Leute zusammenbringen, erklärt Ralph Wachter, einziger fester Mitarbeiter des Vereins. „Wir können das selbst nicht machen, wir können nur Impulsgeber sein.“
In mehreren Pilot-Gemeinden wird an nachhaltiger Ernährung getüftelt
Bisher haben sich sechs Pilotgemeinden in Heilbronn-Franken gefunden, die Vorreiter bei der nachhaltigen Ernährung sein wollen: Bad Rappenau, Künzelsau, Großrinderfeld, Crailsheim, Wertheim und Heilbronn. Dabei müsse keiner das Rad neu erfinden, sagt Gurr-Hirsch. „Es gibt sehr viele Dinge, die schon laufen und die wir nur noch bekannter machen müssen.“
In Großrinderfeld sei das das Start-up Aiperia, das Bäckereien per App eine bessere Planung ermöglicht. In Künzelsau ist das Betriebsrestaurant bei Würth für Nachhaltigkeit ausgezeichnet. In Bad Rappenau machen alle Schüler einen Ernährungsführerschein, für den sie sich mit der Ernährungspyramide befassen und gesunde Rezepte kennenlernen. In Heilbronn passiere ebenfalls vieles, etwa bei den SLK-Kliniken, wo das Patientenessen unter Leitung der Hautärztin Christin Löffler nachhaltig umgestellt wurde. Inzwischen führt Löffler die Klimastiftung der Kreissparkasse Heilbronn und könne auch dort „viel Gutes tun“, so Gurr-Hirsch.
Pro Region will Nachhaltigkeitstage Ende September ausweiten
All solche Projekte will Pro Region bei den landesweiten Nachhaltigkeitstagen sichtbar machen, die vom 18. September bis 8. Oktober stattfinden. Gurr-Hirsch hofft, dass sich Gemeinden, Unternehmen, Landwirte und Co. mit verschiedensten Aktionen anschließen. Ein eigenes regionales Nachhaltigkeitssymposium in Waldenburg veranstaltet Pro Region am 26. November. „Wir machen in Heilbronn-Franken schon eine ganze Menge und wir wollen noch viel mehr erreichen“, gibt Gurr-Hirsch das Ziel vor.
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