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Sommer in Heilbronn
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Arbeiten bei 35 Grad: Auf den Baustellen im Raum Heilbronn gibt es kein Hitzefrei

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Die Hitze hat die Region im Griff, am Donnerstag kletterten die Temperaturen einmal mehr auf weit über 30 Grad. Mühsam ist das für alle, die im Freien hart arbeiten müssen. Hitzefrei gibt es nicht für Dachdecker und Bauarbeiter. 


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Mal einen Tag aussetzen, wenn es einfach zu heiß ist? Peter Wiedemann kann da nur lächeln. „Da würde sich der Auftraggeber bedanken“, sagt der Chef des gleichnamigen Holzbaubetriebs in Bad Friedrichshall. Dem Kunden bei tropischen Temperaturen aufs Dach steigen, das sei nichts Neues. „Man gewöhnt sich ein Stück weit daran.“ Trotzdem gibt es in der Zimmerer- und Dachdeckerbranche Strategien, wenn es wie am Donnerstag gen 35 Grad geht.

Hitze in Heilbronn: Ab dem Nachmittag ist es am heißesten

„Dann fängt man um 6 Uhr morgens an, wenn es noch nicht so heiß ist.“ Dann ist früher Feierabend. Wie die Auswertung regionaler Wetterdaten zeigt, werden die Spitzenwerte erst am Nachmittag erreicht. Für alle, die auf dem Dach oder auf dem Bau arbeiten, sind die Wetterwerte mäßig interessant. „Ich habe mal im Sommer einen Meter über dem Dach gemessen“, erzählt Wiedemann, „da waren es 53 Grad.“

Auf der Baustelle an der A81 bei Ilsfeld versieht Nico Rinnebach am Donnerstag einen schweißtreibenden Job
Auf der Baustelle an der A81 bei Ilsfeld versieht Nico Rinnebach am Donnerstag einen schweißtreibenden Job  Foto: Kunz, Christiana

Arbeiten bei großer Hitze: Heilbronner Dachdeckerbetrieb mit flexiblen Arbeitszeiten

Vor allem größere Dachdeckerbetriebe reagieren mit Flexibilität auf große Hitze. „Es gibt die Möglichkeit, Stunden von Arbeitszeitkonten abzubauen“, sagt Volker Lang, Obermeister der Dachdecker-Innung Heilbronn-Franken. Diese Möglichkeit werde in der Branche oft genutzt. Außerdem fangen viele Betriebe morgens früher mit der Arbeit an, um der nachmittäglichen Hitze entfliehen zu können. „Wir sind da flexibel“, sagt Lang.

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Bei Temperaturen wie aktuell könnten bestimmte Materialien wie etwa Flüssigkunststoff gar nicht mehr verarbeitet werden. „Und für die Mitarbeiter ist die Hitze nicht gesund“, sagt Lang. Seinen 23 Mitarbeitern stellt es der Heilbronner frei, wann sie vor den hohen Temperaturen kapitulieren und Feierabend machen.   

An der Baustelle an der A81 bei Ilsfeld wurde trotz Hitze weitergearbeitet. Die Kollegen hätten aber früher angefangen und hörten früher auf, heißt es von der zuständigen Firma, Lukas Gläser GmbH & Co. KG aus Aspach. Mitarbeiter würden mit spezieller Bekleidung geschützt. So tragen sie unter anderem kühlende Shirts und einen Schutz für den Kopf. Dass große Baustellen im Sommer anstehen, für die Firma nichts Ungewöhnliches: Sie fänden in den Ferien statt, wenn weniger Pendler auf den Straßen unterwegs sind.

Schwarz-Gruppe: Baufirmen passen Arbeitszeiten an Temperaturen an 

Die Schwarz-Gruppe, die viele Großbaustellen in der Region betreibt, teilt auf Anfrage mit: "Der Hitzeschutz auf den Baustellen der Unternehmen der Schwarz-Gruppe liegt in der Verantwortung der jeweiligen Gewerke. Diese agieren innerhalb der gesetzlichen Vorgaben, um ihre Mitarbeiter zu schützen. Wir stellen fest, dass Firmen ihre Arbeitszeiten an die hohen Temperaturen anpassen und die Arbeiten in die kühleren Morgenstunden verlegen, um die Belastung für die Mitarbeiter zu verringern.

 

Bajrush Berqiri, Ahed Dauut und Hasan Turkey klotzen auf der Baustelle in Abstatt ran.
Bajrush Berqiri, Ahed Dauut und Hasan Turkey klotzen auf der Baustelle in Abstatt ran.  Foto: Kunz, Christiana

Industriegewerkschaft fordert: Bei 33 Grad muss Schluss sein mit Arbeiten 

Derweil fordern Gewerkschaften mehr Schutz vor Hitze. Wenn das Thermometer über 33 Grad klettert, müsse  Schluss sein mit Arbeiten im Freien. „Bei dieser Hitze reichen Sonnencreme, Wasser und Pausen nicht mehr aus. Dann heißt es: Arbeit einstellen – Punkt“, sagt Carsten Burckhardt, Stellvertretender Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). 

Wer nicht arbeiten muss, den zieht es an solchen Tagen an den See oder ins Freibad. Die anhaltend hohen Temperaturen sorgen in Heilbronn für regen Andrang in den Bädern. Davon können die Müllwerker nur träumen: Nicht nur für die Teams auf den Sammelfahrzeugen, sondern auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Sortieranlagen ist der Job anstrengend und schweißtreibend. Die Lkw sind mit Klimaanlagen ausgestattet, so Boris Ziegler von PreZero. Die Schutzausstattung ist im Sommer aus leichten und atmungsaktiven Stoffen. "Im Hochsommer starten wir – in Abstimmung mit unseren öffentlich-rechtlichen Auftraggebern – die Sammeltouren früher, um die kühlen Morgenstunden zu nutzen."

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