Man darf schon gespannt sein, wie es nächstes Jahr laufen wird: 2025 soll es eine Neuauflage der Weinsberger Sommerzone geben – dann inklusive gesperrter Kanalstraße zwischen Wachturm und Backhaus. Auch an der Heilbronner Sommerzone hatte es in der Vergangenheit immer wieder Kritikgegeben.
Anwohner-Beschwerde wegen Weinsberger Sommerzone – "Keine Nacht mehr geschlafen"
Die temporäre Sommerzone in Weinsberg erfreut sich großer Beliebtheit. Aber die Zone hat nicht nur Fans. Eine Anwohnerin beklagt sich über Lärm mitten in der Nacht. Die Polizei war schon mehrfach da.
Großformatige Sonnenschirme und verschiedene Sitzgelegenheiten, dazu einige stattliche Oleander in Kübeln: Am Costigliole-Platz in der Kanalstraße lässt es sich seit einigen Wochen gut aushalten. Geschaffen wurde ein Bereich, der so bis zum Ende des Sommers erhalten bleibt. Menschen lesen an dem lauschigen Ort ihre Zeitung oder verbringen hier ihre Mittagspause.
Ursprünglich war auch daran gedacht, die Straße für den Verkehr zu sperren. Doch weil in den vergangenen Wochen in der Weibertreustadt immer wieder Straßen zu Baustellen wurden, wollte man die Verkehrslage nicht zusätzlich verkomplizieren.
Anwohner-Beschwerde wegen Weinsberger Sommerzone: "Wir sind nicht gegen Festle"
Um die Sommerzone in Weinsberg noch besser zu verankern, wurde das Diner en blanc vor ein paar Wochen von der Hauptstraße hierher verlegt, und auch der Weinsberger Weinsommer wurde vom Grasigen Hag bei der Hildthalle auf den Costigliole-Platz im Städtle verlagert. Noch bis 7. September schenken abwechselnd verschiedene Weinbaubetriebe freitags und samstags von 17 bis 21 Uhr Wein aus. Das Ambiente ist heiter-mediterran.

Dagegen sei nichts einzuwenden, sagt Mareike Jakob-Wolf, die mit ihrer Familie in der angrenzenden Entengasse wohnt. Sie, die nach eigenen Angaben im Namen mehrerer Anwohner spricht, will nicht als Querulantin dastehen. "Ich will nicht, dass es so aussieht, als wären wir gegen alles. Wir sind nicht gegen Festle", sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion.
Woran sie sich jedoch stört: Seit Sonnenschirme und Bestuhlung aufgebaut seien, "haben wir keine Nacht mehr geschlafen". Denn seither würden "Jugendliche und andere Gruppen" nachts die Sommerzone als Treffpunkt nutzen und Krach machen. Es könne nicht sein, dass auf dem Platz bis 3 oder 4 Uhr nachts Lärm gemacht werde. "Wir haben Dauerbeschallung." Die Anlieger hätten Kinder und müssten am Morgen fit für die Arbeit sein.
Nächtliche Unruhe in Weinsberger Sommerzone: Polizei vor Ort
Mehrfach hat Jakob-Wolf die Polizei gerufen. Es seien auch Beamte gekommen. "Sie mahnen zwar. Aber es hat keine Konsequenzen." Es sei dann zwar Ruhe – aber nur in der jeweiligen Nacht. Daniel Fessler, Pressesprecher im Polizeipräsidium Heilbronn, bestätigt den Eingang mehrerer Beschwerden einer Person seit Ende Juni.
Er sagt, dass jedes Mal zeitnah eine Streife vorbeigekommen sei und die Menschen, die sie in der Sommerzone antraf, aufgefordert habe, leise zu sein. Grundsätzlich sei die Verhältnismäßigkeit zu wahren. Die Störung sei jeweils beseitigt worden, und dadurch habe die Polizei "wenig rechtliche Handhabe". Womöglich könne die Stadt eine Verfügung mit bestimmten Vorgaben erlassen. Ob es sich bei den Ermahnten um immer dieselben Menschen handelt, geht aus Fesslers Übersicht nicht hervor.
Mareike Jakob-Wolf hat nach eigenen Angaben zudem mehrfach das städtische Ordnungsamt verständigt. "Bisher hatte das keine Konsequenzen". Auch Bürgermeisterin Birgit Hannemann gegenüber habe sie Gesprächsbereitschaft signalisiert. Diese habe bisher noch keinen persönlichen Kontakt zu den Anliegern gesucht.
Beschwerden wegen Weinsberger Sommerzone: Bürgermeisterin Hannemann äußert sich
Dass die Stadtverwaltung sich nicht für die Sorgen der Anwohner interessiere, diesen Eindruck will Bürgermeisterin Birgit Hannemann nicht stehen lassen. Sie verweist auf Nachfrage der Heilbronner Stimme auf einen "regen E-Mail-Verkehr". Außerdem seien mehrere Schilder bestellt, die auf die Nachtruhe ab 22 Uhr hinweisen. Auch im Nachrichtenblatt habe die Verwaltung dazu aufgerufen, man möge die Nachtruhe respektieren.
Für den Weinsommer sei laut Gestattung ein Ende um 22 Uhr möglich. Aus Rücksicht auf die Nachbarn sei mit dem Ausschank aber um 21 Uhr Schluss. Man habe überlegt, noch weitere Veranstaltungen in der Sommerzone auf die Beine zu stellen – und es dann wegen der Anlieger nicht gemacht.
Die Kanalstraße sei nicht erst seit der Einrichtung der Sommerzone ein Treffpunkt bestimmter Gruppen, davon manche mit getunten Autos, sagt Hannemann. Nur habe sich der Treff ein paar Meter verlagert: vom Wachturm an den Costigliole-Platz. Die Stadt habe die Polizei gebeten, ein Auge auf den Platz zu werfen. Anderweitig habe man "keine rechtliche Handhabe".
Bürgermeisterin Hannemann: Weinsberger Sommerzone "kommt super an"
Der Versuch, mit der temporären Sommerzone die Innenstadt zu beleben, ist auch eine Folge der Bürgerbefragung im Rahmen des Stadtentwicklungskonzeptes. Ein Ergebnis ist, dass sich die Weinsberger mehr Leben und Aufenthaltsqualität im Städtle wünschen. Die Sommerzone ist laut Bürgermeisterin Hannemann ein Erfolg. "Sie kommt super an. Sie wird total gerne angenommen. Das geht durch alle Altersklassen."

Stimme.de
Kommentare
Wilfried Binder am 12.08.2024 22:28 Uhr
Dasselbe in Grün vor meinem Wohnumfeld - allerdings ist es hier ein Trinklokal in dem reichlich Alkohol fliest. Behörde erteilte hier Konzession mit Öffnungszeiten bis morgens 5:00 Uhr, gelegentlich wird auch überzogen.
Angetrunkene Gäste die sich die ganze Nacht durch auch vor der Kneipe aufhalten, grölen, laut debattieren, urinieren als gabs in der Kneipe kein WC, Abfall wegwerfen, sich übergeben, mehr oder weniger stark betrunken mit dem Auto wegfahren, Bierflasche gegen mein Auto werfen, den PKW meiner Schwiegertochter rammen und Unfallflucht begehen, Hund um 24:00 Uhr vor der Kneipe anbinden, der dann dauerbellt, die ganze Nacht an- und wegfahrende Fahrzeuge, Taxen die nachts um 3:00 oder später hupend vorfahren um zu signalisieren, dass sie da hin, dann Motor bis zu ner Viertelstunde Stunde laufen lassen bis die Fahrgäste im Taxi sind, laute Musik aus der Gaststätte bis morgens etc. ... unbeschreiblich was da so abgeht.
Sagt man was wird man angepöbelt, beleidigt, bedroht, angegriffen, verletzt. Polizei schon mehrfach gerufen, Ordnungsamt informiert, geht schon seit Jahren so und keine Besserung. Die Behörden genehmigen, erteilen Konzessionen bis morgens um 5:00 Uhr .... aber die Nöte der Anwohner interessieren dabei und hernach wenig.
Derartiges kann man meinetwegen in Industrie- oder Gewerbegebieten zulassen, aber nicht im innerörtlichen Wohnumfeld.
Und, Hinweis aus gegebenem Anlass .... wenn die HSt über derartige Knèipen berichtet, sollten auch mal objektiv die Belastungen der Anwohner thematisiert werden!