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Mandelbäume statt Reben?
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Scheuerberg in Neckarsulm: Stadt reagiert auf Wandel im Weinbau mit neuen Ideen

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Welche Flächen brach fallen und was dagegen getan werden kann, ist nun auch ein Thema für die Stadtentwicklung. Erste Erkenntnisse liegen bereits vor. 


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„Weinbau ist keine Aufgabe der Stadt“, stellt Rainer Denninger fest. Der Stadtplaner vom Amt für Stadtentwicklung in Neckarsulm weiß aber, dass die Zukunft der Flächen am Scheuerberg durchaus relevant ist. „Es geht um das Landschaftsbild.“ 

Noch ist ein Großteil der Flächen mit Reben bestockt. Das könnte sich aber aufgrund des Wandels im Nebenerwerb ändern. Ist der Weinbau am Scheuerberg in Gefahr? Man sieht, dass einzelne Parzellen schon brach liegen, und es werden wohl einige mehr. „Wir haben die derzeitige Bewirtschaftung abgefragt und was sich bis 2030 ändern könnte“, erklärt Landschaftspflegerin Ulrike Lorenz. 

Weinbau unter Mandelbäumen am Scheuerberg Neckarsulm: Das sind die Ideen

Die Stadt Neckarsulm hat aber tatsächlich einen kleinen Weinberg direkt unter dem Gipfelkreuz des Scheuerbergs. Darunter liegen die Laurahöhlen, die Victor Brunner 1860 anlegen ließ und nach seiner Tochter Laura benannte. „Die Anlage, in Verbindung mit der Scheuerburg, ist und war Schauplatz einiger Neckarsulmer Schauergeschichten“, so ist es nachzulesen. Heute leben Fledermäuse in den Höhlen.

Die Nutzung der Flächen am Scheuerberg Neckarsulm wurde jetzt in einem Kataster erfasst.
Die Nutzung der Flächen am Scheuerberg Neckarsulm wurde jetzt in einem Kataster erfasst.  Foto: Seidel, Ralf

Wieder darunter liegt der Schulweinberg des Albert-Schweitzer-Gymnasiums. Hier zeigt Ulrike Lorenz eine erste praktische Anwendung des neuen Flächen-Katasters auf. „Wir verlegen die Rebzeilen etwas mehr in die Mitte, wo sie über einen kleinen Weg besser zu bewirtschaften sind.“ Dafür werden am steilen Rand die Rebstöcke aufgegeben und etwas anderes gepflanzt. 

Weinbau unter Mandeln oder Aprikosenbäumen: Das ist mehr als nur eine „spinnerte“ Idee. Durch die zunehmend heißen Trockenperioden ist Schatten im Weinberg durchaus ein Thema. Zudem steigt durch den „Viti-Forst“ auch der ohnehin schon hohe Freizeitwert des Scheubergs. Eine Machbarkeitsstudie auf der städtischen Internetseite stellt noch weitere Ideen vor. 

Direkt unter dem Gipfelkreuz des Scheuerberg liegt der Weinberg der Stadt Neckarsulm. Die brach liegende Fläche im Vordergrund soll als Schulweinberg des Albert-Schweitzer-Gymnasiums genutzt werden.
Direkt unter dem Gipfelkreuz des Scheuerberg liegt der Weinberg der Stadt Neckarsulm. Die brach liegende Fläche im Vordergrund soll als Schulweinberg des Albert-Schweitzer-Gymnasiums genutzt werden.  Foto: Wittmer, Frank

Das ändert sich am Scheuerberg: Bald gibt es Mandeln am großen Fass

Am „großen Fass“ das sich schon zum kleinen Wahrzeichen des Scheuerbergs entwickelt hat, wachsen jetzt einige Mandelbäume. Erstens sieht es schön aus und die Spaziergänger haben vielleicht irgendwann etwas zum Naschen, zweitens wird so aufgezeigt, wie sich die Landschaft vom reinen Weinbau zu einer ökologisch hochwertigen Mischfläche weiter entwickeln könnte. 

Für nicht mehr bewirtschaftete Flächen, die so genannten „Drieschen“, gibt es neue Regeln: Künftig können die Gemeinden als zuständige Behörden neben der Verhängung eines Zwangsgeldes anordnen, dass Rebflächen gerodet werden, wenn die ordnungsgemäße Pflege im Sinne der guten fachlichen Praxis – regelmäßige Pflanzenschutzmaßnahmen, Bodenpflege und Rebschnitt – mindestens zwei Jahre in Folge unterblieben ist.

Etwas weiter unten ist eine der Brachflächen auszumachen, die künftig mehr werden könnten. „Die Eigentümer sind weiter in der Pflicht zur Pflege“, betont Rainer Denninger. Könne dies zum Beispiel aus Altersgründen nicht mehr gemacht werden, beauftrage die Stadt kostenpflichtig den Maschinenring mit der Pflege. Wichtig sei zum Beispiel, erklärt Ulrike Lorenz, dass bei einer Rodung auch die Wurzelstöcke mit entfernt werden. „Sonst könnten sich Krankheiten ausbreiten.“ 

Kein Flickenteppich am Scheuberg: Weinberge werden aus Alters- oder Zeitgründen aufgegeben

Das ist eine der Ideen hinter dem Flächenkataster: Ist jetzt schon bekannt, dass ein Weinberg aus Alters- oder Zeitgründen aufgegeben wird, könnten noch aktive Weinbauern die Parzelle kaufen oder tauschen. Wenn etwas nicht mehr bewirtschaftet wird, sei es besser, wenn dies am Rand geschieht. „Wir könnten dann darüber nachdenken, ob hier ein Biotop entstehen könnte“, stelle Ulrike Lorenz eine der möglichen Ideen vor.

Was man nämlich nicht will, ist ein Flickenteppich am Scheuberg. Wenn zwischen bewirtschafteten Rebzeilen immer wieder aufgegebene Parzellen liegen, könnte sich das mit der Zeit zum Problem entwickeln. Daher hofft man bei der Stadtverwaltung, dass bis zum Herbst alle Besitzer sich zurückgemeldet haben, damit das Kataster vervollständigt werden kann. 

Interessant ist dabei auch die Information, welche Weinsorten angebaut werden und ob die Parzelle biologisch bewirtschaftet wird. „Das hilft den Wengertern hoffentlich, miteinander ins Gespräch zu kommen“, meint Rainer Denninger. 

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