Stadtwerke ziehen knapp 60.000 Euro von Konto einer Seniorin aus Neuenstadt ein
Eine Seniorin soll knapp 60.000 Euro Abschlag für ihren Wasserverbrauch zahlen. Der Betrag wird tatsächlich vom Konto abgebucht. Der Leiter der Stadtwerke Neuenstadt spricht von einem „Riesenfehler“.
Eine Seniorin soll für den Wasserverbrauch in Neuenstadt jeden Monat exakt 58.808 Euro Abschlag zahlen. Eine unfassbar hohe Summe für einen Ein-Personen-Haushalt. Für die Tochter der 95-jährigen Frau ist klar: Es liegt ein Fehler vor. Sie schreibt einige E-Mails an die Stadtwerke, sie ruft an. Alle Bemühungen, das Problem zu klären, laufen ins Leere. Die horrende Summe wird tatsächlich per Lastschrift vom Konto abgebucht.
„Es ist ein Riesenfehler passiert“, räumt Frank Fleisch, Leiter der Stadtwerke Neuenstadt, ein. „Eine Rechnung mit einem so großen Wert darf nicht rausgehen.“ Die hätte vorher von einem Mitarbeiter manuell geprüft werden müssen.
Tochter der Seniorin reagiert sofort – von Stadtwerken Neuenstadt erhält sie keine Antwort
Die 64-jährige Tochter der Frau erzählt: Im Januar habe sie den Zählerstand im Haus der Mutter abgelesen und die vorgedruckte Karte fristgerecht an die Stadtwerke geschickt. Ende Januar erhält sie den Bescheid über die künftige Abschlagszahlung. Ein Schock. Am 22. Februar, so steht es in der Mitteilung, sollen die knapp 60.000 Euro erstmals abgebucht werden. Die Tochter reagiert sofort.
Der Betrag sei „irrwitzig und surreal“, schreibt sie an die Stadtwerke. Sie fordert, die Sache schnell zu bereinigen. Keine Reaktion. Die Tochter ruft mehrmals an, hängt in der Warteschleife. Als sie durchkommt, verspricht ihr eine Mitarbeiterin einen Rückruf. Nichts passiert.
Die Stadtwerke Neuenstadt haben keine eigenen Mitarbeiter mehr, erklärt Fleisch. Die Kommune gab die kaufmännische Betriebsführung an die Neckarsulmer Stadtwerke ab. Dort befinde sich auch das Kundencenter, Anrufe würden dorthin umgeleitet und von den Stadtwerken Neckarsulm entgegengenommen und bearbeitet. Intern werde der Fall aufgearbeitet.
Gebührenbescheid der Stadtwerke Neuenstadt: Verbrauch entspricht dem von etwa 5000 Personen
Die E-Mails und der Gebührenbescheid liegen dieser Redaktion vor. „Worüber ich mich ärgere, ist die Dreistigkeit“, sagt die Tochter der Seniorin. Beide möchten namentlich ungenannt bleiben. Der Fehler sei das eine. Dass sie keine Antwort auf ihre Nachrichten erhalten habe, sei das andere. „So geht man nicht mit Kunden um.“ Die Service-Mitarbeiterin am Telefon habe sie nicht durchstellen oder ihr einen Ansprechpartner nennen wollen, an den sie sich direkt wenden kann, ärgert sich die Tochter. „Das ist doch brisant, ich muss mit jemandem sprechen.“
Zusätzlich absurd erscheint ein Hinweis auf dem Gebührenbescheid. Der von den Stadtwerken angesetzte Verbrauch von monatlich knapp 20.000 Kubikmeter entspreche dem durchschnittlichen monatlichen Wasserverbrauch von circa 5000 Personen, schreiben sie an die Seniorin.
Stadtwerke Neuenstadt nennen Personalwechsel und Krankenstand als Grund
Von der Bank lässt die Tochter die eingezogenen 58.808 Euro zurückholen. Der Bankmitarbeiter habe ihr aber abgeraten, den Lastschrifteneinzug zu kündigen. Jetzt bangt sie, ob der Betrag erneut eingezogen wird. Das werde nicht passieren, sagt Stadtwerke-Chef Fleisch. Die fehlerhafte Berechnung der Abschlagszahlung gehe auf einen Programmfehler zurück.
Dass keiner auf die Nachrichten der Betroffenen reagiert habe, liege an Personalwechsel und Krankenstand. „Wir waren dünn besetzt.“
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare
Mirko Ritter am 19.03.2025 14:57 Uhr
Tja das mit der Rückantwort geht sehr vielen so. Das ist sehr schade, wenn man da geantwortet hätte, dann hätte das nicht so schädigend in der Zeitung gestanden. Aber das stört die Stadtwerke ja nicht. Es gibt ja keine Konkurrenz zu der man wechseln könnte. Daher werden die genauso weitermachen. Kein Interesse an nichts Rückrufe nicht tätigen und Zuständigkeiten weiterschieben. Ich warte auch auf einen Rückruf.