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Waschbären verursachen Probleme in Wohngebieten – Stadtjäger in Hardthausen im Einsatz

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Vor allem mit Waschbären gibt es immer wieder Konflikte in Wohngebieten. Lukas und Ulrich Brixner aus Hardthausen sind Stadtjäger und geben Rat bei Problemen mit Wildtieren.


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Die Zahl der Waschbären hat im Landkreis Heilbronn in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Sie sind eine invasive Art – und halten sich gerne in Wohngebieten auf.      

Probleme mit Waschbären in Hardthausen: Stadtjäger sehen sich als „Wildtiermanager“

Lukas und Ulrich Brixner sind sogenannte Stadtjäger in Hardthausen. Der Begriff beschreibt jedoch nicht wirklich ihre Aufgabe. Nicht nur, weil Hardthausen keine Stadt ist, sondern auch, weil die beiden Männer im Gemeindegebiet natürlich nicht traditionell auf die Jagd gehen. „Das ist verboten“, erklärt Ulrich Brixner.

Er und sein Sohn legen sich also nicht mit Gewehren auf die Lauer, bis ein Marder oder ein Waschbär vorbeikommt. Die passendere Bezeichnung für uns ist „Wildtiermanager“, sagt Lukas Brixner. Ihre Aufgabe besteht vor allem darin, Einwohner zu beraten, die Probleme mit Wildtieren haben. Die Tiere zu töten, ist dabei nicht das Ziel, lässt sich aber nicht immer vermeiden. 

Stadtjäger kümmern sich um Waschbär-Probleme in Hardthausen – Fundierte Ausbildung nötig

Um Stadtjäger zu sein, braucht es eine fundierte Ausbildung. Man muss den Jagdschein haben – und die Weiterbildung zum Wildtierschützer. „Erst dann kann man Stadtjäger werden“, erläutert Ulrich Brixner. Auch das sei wieder eine zehntägige Ausbildung mit Prüfung über zwei Tage. Seit 30. Oktober 2024 sind sie nun die ersten Ansprechpartner in ihrem Heimatort, wenn es um Wildtiere im bewohnten Gebiet geht. 

Lukas (links) und Ulrich Brixner haben als sogenannte Stadtjäger in Hardthausen spezielle Fallen für Wildtiere.
Lukas (links) und Ulrich Brixner haben als sogenannte Stadtjäger in Hardthausen spezielle Fallen für Wildtiere.  Foto: Christiana Kunz, dpa (kleines Foto), Montage: Stimme.de

In Hardthausen gibt es vor allem mit einer immer größer werdenden Waschbär-Population Probleme, aber auch mit Füchsen. Deshalb hat Bürgermeister Thomas Einfalt die Brixners im vergangenen Jahr als Stadtjäger angefragt. Der Gemeinderat hat den beiden 1500 Euro für eine spezielle Ausrüstung zur Verfügung gestellt, wie es in der Sitzungsvorlage heißt. Die Stadtjäger haben mit dem Geld zum Beispiel Fangvorrichtungen, Wildkameras und Ultraschall-Vergrämer gekauft, berichtet Ulrich Brixner. 

Stadtjäger aus Hardthausen: „Wir wollen einfach gute Nachbarn sein“

„Als wir gefragt wurden, haben wir schon zuerst überlegt, ob wir diese Verantwortung wirklich wollen“, sagt er. Letztlich seien sie sich aber einig, dass Probleme mit Wildtieren professionell geregelt werden sollten. „Bevor die Leute das selbst machen, kümmern wir uns richtig drum“, sagt Lukas Brixner. Dann verlaufe auch alles tierschutzkonform. Außerdem hätten sie im Ort viele Kontakte. Ulrich Brixner: „Man kennt sich hier. Wir wollen einfach gute Nachbarn sein.“

Bezahlt werden die Stadtjäger vom jeweiligen Auftraggeber. „Wir machen das aber nicht, um Geld zu verdienen“, sagt Ulrich Brixner. Dafür seien die Einsätze auch zu selten. Seit Oktober habe es drei Fälle mit Waschbären gegeben. Dabei habe sich zum Beispiel ein Tier im Dachboden eingenistet und die Isolierung beschädigt. 

Der Versuch, die Waschbären zu vergrämen, sie also zum Beispiel durch Ultraschall zu verschrecken, sei nicht gelungen, erzählt Ulrich Brixner. „Waschbären sind ziemlich stressresistent.“ Letztlich hätten sie die Tiere gefangen und „entnommen“, wie der Jäger sagt. „Sie wieder freizulassen, ist verboten“, betont der 56-Jährige.

Waschbären stammen ursprünglich aus Nordamerika und wurden durch den Menschen nach Europa eingeführt, informiert das Landratsamt Heilbronn. Schnell hätten sie den neuen Lebensraum erobert und kämen mittlerweile in weiten Teilen Deutschlands vor. In Baden-Württemberg liege der Verbreitungsschwerpunkt derzeit noch im Nordosten. Mit einer weiteren Zunahme der Tiere sei zu rechnen. Als Wildtier und nicht heimische Tierart dürfen Waschbären laut Landratsamt nicht gefördert werden.

Wildtier-Experte: Waschbären sind zwar putzig, aber auch gefährlich

Die Fachmänner appellieren an alle, Waschbären nicht zu füttern. „Sie sehen putzig aus, sind aber echte Raubtiere“, erläutert Ulrich Brixner. Ein ausgewachsener Waschbär sei zehn bis 15 Kilogramm schwer und habe starke Greifhände, mit denen er viel Schaden anrichten könne. Zudem sei der Waschbär ein intelligentes, extrem wehrhaftes Tier, das zum Beispiel Hunde ertränken könne.

Um zu vermeiden, dass sich Wildtiere überhaupt zu wohl auf dem eigenen Grundstück fühlen, haben die Stadtjäger einige Tipps. Katzenfutter sollte zum Beispiel nicht im Außenbereich hingestellt werden, berichtet Lukas Brixner. Auch Löcher in Scheunen oder Zugänge zum Dach müssten verschlossen werden. Der Waschbär sei zwar für den Menschen nicht per se gefährlich. Er könne aber Krankheiten übertragen, auch auf Haustiere. Das größte Problem sei aber meist, dass sie große Schäden zum Beispiel in Dächern verursachten, erläutert der 28-Jährige.  

Füchse machen vergleichsweise wenig Probleme

Füchse gibt es in Hardthausen auch immer wieder, wissen die beiden Stadtjäger. Mit ihnen gebe es aber vergleichsweise weniger Probleme.

Im täglichen Leben sind Ulrich und Lukas Brixner berufstätig. Der Vater als Molkereifachmann, der Sohn als Eichbeamter des Landes Baden-Württemberg. Beide gehen in ihrer Freizeit gern zur Jagd und haben eigene Jagdreviere. „Dass wir das mit dem Stadtjäger zusammen machen, klappt gut“, sagt Ulrich Brixner. „Wir ergänzen uns und kennen uns gut.“ 

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