„Müssen nicht mehr Angst haben“ – Ungarn aus der Region Heilbronn über Wahlausgang
Nach dem Wahlerfolg der Tisza-Partei und Peter Magyar erzählen Ungarn aus der Region Heilbronn, wie sie die Wahl erlebt haben und wie es ihnen damit geht.
„Wir dürfen wieder leben, wir dürfen wieder denken, wir dürfen wieder sagen.“ György Stadtmüller hat die Parlamentswahl in Ungarn ganz genau verfolgt. Der bisherige und als rechtspopulistisch geltende Präsident Viktor Orban hat gegen den Oppositionsführer Peter Magyar verloren.
Nach der Wahl in Ungarn: Eppinger ist stolz auf das Ergebnis
Der in Eppingen lebende Ungar Stadtmüller ist von dem Ausgang der Wahl begeistert. „Ich bin wieder ein stolzer ungarischer Mann“, sagt er im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Es sei eine emotionale Sache für ihn, denn unter der Regierung um Viktor Orban habe er und vor allem die Menschen in Ungarn ihre Meinung nicht frei äußern können. Damit sei jetzt Schluss: „Wir müssen nicht mehr Angst haben und sind wieder frei.“
Stadtmüller war am Sonntag mit der Familie nach Stuttgart gefahren, um dort seine Stimme abzugeben. „Wir haben noch nie eine so hohe Wahlbeteiligung gehabt“, sagt er. Mit 77,8 Prozent ist diese ein neuer Rekordwert in Ungarn. Dass die politische Lage in dem Land jetzt wieder besser werde, davon ist der Eppinger überzeugt. Vor allem, dass die politischen Ämter mit Experten belegt werden sollen, findet er gut. „Die haben das Wohl für Ungarn im Blick und schauen nicht nur darauf, wie sie am meisten Geld rausschlagen können.“
Freunde der Gemminger Partnerstadt: Sind erleichtert nach Wahl in Ungarn
Sven Christ hat nach der Wahl seinen Freunde in Ungarn geschrieben und nach deren Einschätzung gefragt. Der Gemminger ist der Vorsitzende des Partnerschaftsausschusses der Partnerstadt Dunavarsány und organisiert seit Jahren Besuche in die Gemeinde in Ungarn. „Wir sind recht zufrieden“, sagt er. Die Erleichterung sei da, vor allem bei seinen Lehrer-Freunden. Trotzdem sei das Misstrauen weiterhin vorhanden. „Fidesz gibt sich jetzt loyal, aber sie befürchten, dass noch etwas kommt und der neuen Regierung Steine in den Weg gelegt werden.“
Auch habe Christ mit einer Fidesz-Anhängerin gesprochen. Vor der Wahl habe diese noch eine klare, schlechte Meinung über die Tisza-Partei und Peter Maygar gehabt. Jetzt habe Christ nochmal bei ihr nachgefragt, „da wollte sie von Politik nichts mehr wissen“, sagt der Gemminger. Christ selbst ist froh über den Ausgang. „Ich habe es nicht zu hoffen gewagt.“ Vor allem, dass eine pro EU-Partei die Wahl gewonnen hat, findet er gut, denn für die Städtepartnerschaft sei das sehr positiv.
Wahl in Ungarn: Theaterpädagogin freut sich über Sieg von Peter Magyar
Rebekka Bareith hat die Wahl hautnah miterlebt. Vor acht Jahren ist sie zurück in ihr Heimatland Ungarn gezogen, um näher bei ihren Großeltern zu sein. Die Theaterpädagogin an der deutschen Bühne Ungarn kooperiert mit dem Heimatmuseum Bretzfeld bei verschiedenen Projekten. Bareith ist begeistert vom Wahlergebnis: „Wir können es noch nicht ganz glauben.“
Noch vor ein paar Tagen habe sie sich die Frage gestellt, was sie mache, wenn Orban weiterhin an der Macht bleibe, und ist zu dem Entschluss gekommen, dass sie dann wieder zurück nach Deutschland gehen muss. Aber so weit kommt es jetzt nicht. „Alle zittern und sind noch voller Adrenalin“, erzählt sie. Aber sie kennt auch die andere Seite. „Meine Oma ist am Boden zerstört. Sie ist noch von den Propaganda-Medien beeinflusst“, sagt sie.
Partystimmung in Budapest: Ungarer feiern Wahlerfolg
Auch Christina Griessler von der Andrássy Universität Budapest geht davon aus, dass die Wahl von Propaganda begleitet wurde. Die Österreicherin durfte selbst nicht wählen, die Wahl hat sie trotzdem intensiv verfolgt. Mit dem Heimatverein Budaörs aus Bretzfeld ist sie in Kontakt. Für sie ist das Ergebnis ein Neuanfang.
„Das Gespür in der Gesellschaft, dass die Stimmung schlecht ist“, haben die Ungarer gehabt und auf die Wahl projiziert. Die Stimmung in Budapest sei „wie eine große Party auf den Straßen“, sagt sie. „Man hat das Gefühl, man kann wieder durchatmen.“ Die Probleme, sagt sie, gehen sie dann später an.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare