US-Militärhilfe auf der Kippe – Ukrainer im Raum Heilbronn setzen auf Europa
Bei den Ukrainern in der Region Heilbronn ist die Sorge um die Heimat nach den Trump-Vorstößen für Friedensverhandlungen gewachsen. Friede könne es nur mit der Ukraine und Europa geben.
Zuerst der Streit zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj vor laufenden Kameras im Oval-Office, dann die Ankündigung, die Militärhilfe der USA für die Ukraine vorübergehend zu stoppen. Die Lage für die Ukraine war seit Putins Überfall auf das Land am 24. Februar 2022 wohl noch nie so ernst wie heute.
Denn der Krieg, in dem sich die Ukraine derzeit in der Defensive befindet, tobt an den Fronten unvermindert weiter. Und die Ukrainer blicken nun mit noch mehr Sorgen in die Zukunft, auch die, die vor dem Krieg nach Deutschland geflüchtet sind.
USA stoppen Militärhilfe an Ukraine: Skepsis gegenüber Deal mit Putin
„Wir haben den Krieg nicht gewollt, sondern wollen frei im eigenen Land in Frieden leben“, betont Olena Khavalits. Die 41-Jährige ist einen Monat nach dem Kriegsausbruch aus der Nähe von Mariopol nach Deutschland geflüchtet und bangt derzeit Tag für Tag um ihren Mann Roman.
Der Soldat geriet im Juli 2024 bei Kämpfen in russische Kriegsgefangenschaft. Seither hat Khavalits nichts mehr von ihm gehört. Den jüngsten Plänen des US-Präsidenten, Selenskyj zur Einwilligung in einen Deal und zu Verhandlungen mit Russlands Machthaber Wladimir Putin zu zwingen, stehen die Ukrainer skeptisch gegenüber.
Ukrainer in der Region Heilbronn hoffen auf europäische Friedensinitiative
„Europa und Selenskyj müssen bei allen Friedensverhandlungen dabei sein“, unterstreicht Olena Khavalitis. „Europa muss zusammenhalten, und ich setzte jetzt große Hoffnungen auf die Friedensinitiative von Frankreich und Großbritannien für einen Waffenstillstand“, ergänzt Alla Brauchle, die seit acht Jahren in Deutschland lebt, aber noch viele Verwandte in Krementschuk hat.
Die Stadt liegt knapp 100 Kilometer hinter der Front und wurde schon mehrfach von russischen Raketen beschossen. „Wir hoffen auf ein Wunder und beten jeden Tag für Frieden“, versichert Brauchle. Direkte Friedenverhandlungen zwischen den USA und Rußand ohne Selenskyj und Europa kommt für die Ukrainerinnen aber nicht in Frage. „Dem Machthaber Putin kann man niemals trauen, und er ist eine riesige Gefahr auch für Europa“, ist sich Olena Khavalits sicher.
Donald Trump stoppt Militärhilfe für die Ukraine: Deutsch-Ukrainische Gesellschaft: Verein in Heilbronn gegründet
Deshalb setzen die Frauen auch weiterhin auf die Standhaftigkeit von Deutschland und Europa. „Russland hat die Ukraine überfallen. Nur wenn alle Putin seine Grenzen aufzeigen, kann es Frieden geben“, sagt Anastasia Kosak. Die Deutsche, deren Eltern nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Ukraine vertrieben wurden, kümmert sich seit vielen Jahren um Ukrainer in Deutschland.
Die Oedheimerin hat am 23. Dezember 2024 den Verein Deutsch-Ukrainische Gesellschaft mit Sitz in Heilbronn gegründet, in dem die Frauen organisiert sind. Der Verein demonstriert auch regelmäßig in Heilbronn und führt Mahnwachen durch. Zuletzt kamen am 24. Februar, dem Jahrestag des russischen Überfalls, 150 Demonstranten an der Kilianskirche zusammen.
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