Thrombose nach Flug: Betroffener aus Lauffen berichtet – SLK-Arzt ordnet Risiko ein
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Ein junger Mann aus dem Landkreis Heilbronn hat nach einer Thailandreise plötzlich eine Thrombose. Mit dieser Diagnose ist nicht zu spaßen: Ein Gefäßchirurg der SLK-Kliniken ordnet Folgen und Risiken ein.
Das Tragen von Kompressionsstrümpfen kann das Thromboserisiko senken.
Foto: Alternativer Fotograf
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Lange hatte Nils T. auf den Urlaub in Thailand hin gefiebert. Erst ein paar Tage in Bangkok, dann weiter ans Meer. Doch obwohl die Auszeit guttat, wurde sie getrübt von mysteriösen Schmerzen in der linken Wade. Muskelkrämpfe durch Magnesiummangel, dachte der 33-Jährige aus Lauffen (Landkreis Heilbronn), und kaufte sich Elektrolyte. Zurück in Deutschland wurden die Schmerzen jedoch immer schlimmer. „Der stechende Schmerz zog ins ganze Bein“, berichtet er. „Irgendwann wurde er so stark, dass das normale Gehen eingeschränkt war.“
Der junge Mann suchte seinen Hausarzt auf, und plötzlich ging alles ganz schnell. Noch am selben Tag erhielt er einen Termin bei einem Gefäßchirurgen, bis schließlich die Diagnose feststand: Muskelvenenthrombose, offenbar ausgelöst durch langes Sitzen im Flugzeug. „Nach der Erkenntnis war der Schock erstmal groß“, erinnert er sich.
Thrombose nach Flugreise: SLK-Arzt ordnet Ursachen und Risiken ein
„Thrombosen sind Blutgerinnsel, die in allen Gefäßen des Körpers entstehen können“, erklärt Dr. Thomas Karl. Er ist Direktor des Zentrums für Gefäß- und Endovascularchirurgie im SLK-Klinikum am Plattenwald. Solche Gerinnsel kämen meist in den Venen vor, könnten aber auch in Arterien, den Schlagadern, entstehen.
„Häufig sind die Beinvenen betroffen“, sagt der Arzt. Aufgrund der Schwerkraft sammelt sich dort das Blut. Bei Bewegung wird es über die Venenklappen entgegen der Schwerkraft durch die sogenannte Muskelpumpe zurück zum Herz gepumpt. Sitzt man zu lange, wird die Muskelpumpe nicht genug aktiviert, und das Thromboserisiko erhöht sich.
So wie im Fall von Nils T. Sowohl der Hin- als auch der Rückflug hätten bei Nacht stattgefunden, berichtet er. Über zehn Stunden sei er kein einziges Mal aufgestanden.
Mehrere Risikofaktoren für Thrombose
Aber: „Nicht jeder Mensch, der im Flugzeug sitzt, bekommt eine Thrombose“, betont Thomas Karl. Neben Bewegungsmangel sei meist ein Zusammenspiel aus weiteren Risikofaktoren entscheidend, zum Beispiel Übergewicht, Rauchen, die Einnahme der Antibabypille, eine Tumorerkrankung oder genetische Veranlagung in Form einer Gerinnungsstörung. Ein Beispiel für eine solche Störung ist eine Mutation, die Faktor-V-Leiden genannt wird. Wer einen oder mehrere dieser Risikofaktoren erfüllt und sich wenig bewegt, ist erhöht gefährdet.
Tritt eine Thrombose ohne erkennbare Ursache auf, könne es sich um das erste Symptom einer Tumorerkrankung handeln, erklärt Thomas Karl. In diesem Fall werde ein Tumorscreening empfohlen, unabhängig vom Alter.
Thrombose erkennen: Betroffener aus Lauffen erzählt
Aber woran erkennt ein Betroffener, dass er eine Thrombose hat? Das ist gar nicht so einfach. Als Nils T. seine Symptome im Internet nachschlug, hätte er sie bei sich nur teilweise wiedererkannt, erzählt er. Die für die Erkrankung typische Schwellung sei mit bloßem Augen kaum zu erkennen gewesen. „Für den Laien ist das oft schwer zu differenzieren“, sagt auch Thomas Karl. Das Bein werde meist bläulich und nehme an Umfang zu, dazu komme ein Spannungsgefühl und Schmerzen. Ein weiterer Hinweis könne ein auslösendes Ereignis sein, zum Beispiel ein Langstreckenflug.
In jedem Fall empfiehlt sich ein Besuch beim Arzt, denn eine unbehandelte Thrombose kann schwere Folgen haben. „Eine Venenthrombose birgt das Risiko einer Lungenembolie“, warnt Thomas Karl. Dabei wandert das Gerinnsel über die Vene in Richtung Herz und Lunge, verstopft den Blutfluss und somit auch die Sauerstoffversorgung. Eine Lungenembolie sei potenziell lebensbedrohlich, sagt Karl. Je frischer die Thrombose ist, desto höher sei das Risiko.
Bei einer Muskelvenenthrombose, wie Nils T. sie hatte, ist das Embolierisiko geringer als bei einer Leitvenenthrombose. Thomas Karl vergleicht das Venensystem mit einem Straßennetz: Die Leitvene sei die Autobahn und die Muskelvene eine Seitenstraße. In jedem Fall gelte es zu verhindern, dass das Gerinnsel weiterwandert.
SLK-Arzt über Thrombose-Folgen: Lungenembolie und Veneninsuffizienz
Auch Langzeitschäden seien möglich, führt der SLK-Arzt aus. Der Patient könne etwa eine Veneninsuffizienz, ein postthrombotisches Syndrom, entwickeln. Die Venenklappen seien dann beschädigt und würden nicht mehr richtig schließen. Mögliche Folgen seien Schmerzen, Schwellungen oder ein sogenanntes offenes Bein – also eine schlecht heilende Wunde. Auch Krampfadern können entstehen. „Die sind nicht nur kosmetisch störend, sondern können auch zu Blutungen führen“, erläutert Thomas Karl.
Besonders dramatisch werde es, wenn alle Venen eines Körperteils so verstopft sind, dass das durch die Arterien transportierte Blut nicht mehr abfließen kann. Dann komme auch der arterielle Blutfluss zum Erliegen und es droht das Risiko, dass das betroffene Körperteil abstirbt. Dieser Fall komme zwar selten vor, sei aber extrem gefährlich.
Thrombose-Patienten in Zahlen
In den SLK-Kliniken werden pro Jahr 60 bis 70 Patienten mit der Hauptdiagnose Thrombose stationär behandelt, bei weiteren circa 500 wird eine Thrombose als Nebendiagnose erfasst. Deutschlandweit werden jedes Jahr schätzungsweise rund 160.000 bis 400.000 Menschen mit einer Thrombose oder anderen venösen Gefäßverschlüssen diagnostiziert. Genaue Daten gibt es nicht. „Der große Teil der Patienten mit einer Venenthrombose wird in Deutschland ambulant behandelt“, erklärt Thomas Karl.
Behandlung einer Thrombose: Blutverdünner und Kompressionsstrumpf
Die Behandlung einer Thrombose erfolgt meist mit Blutverdünner und Kompressionsstrümpfen. Sogenannte Heparinspritzen verhindern die Ausdehnung sowie Neubildung weiterer Gerinnsel. „Sie dienen nicht dazu, die Thrombose aufzulösen“, sagt Thomas Karl. Um die Verstopfung zu lösen, komme eine medikamentöse Lysetherapie zum Einsatz und in bestimmten Fällen auch eine Operation. Allerdings „gerät die operative Therapie von Thrombosen zunehmend in den Hintergrund“, sagt Thomas Karl.
Die Dauer einer medikamentösen Behandlung einer Venenthrombose sei unter anderem von Ausdehnung und Schwere der Thrombose abhängig - und ob eine Lungenembolie vorliegt, führt er aus. Bettruhe sei nicht erforderlich, sondern sogar kontraproduktiv.
Nils T. hat seine Thrombose mit zehn Spritzen in den Griff gekriegt. „Spätestens nach der zweiten Spritze waren die Schmerzen weitgehend weg.“ In der Zukunft plant er, während eines Langstreckenflugs Kompressionsstrümpfe zur Vorbeugung zu tragen. Außerdem will er „wirklich versuchen, sich zu bewegen und mal einen Gang auf die Toilette zu machen“.
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