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Trockenheit in Heilbronn und Hohenlohe: Landwirte hoffen auf baldigen Regen

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Der kurze Gewitterregen vor zwei Wochen war nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Nach vielen Sonnentagen hoffen die Landwirte aus der Region Heilbronn und Hohenlohe sorgenvoll auf baldigen Regen. Erste Trockenheitsrisse tun sich auf den Äckern auf. 


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Auf den Äckern der Region staubt es gewaltig. Grund ist, dass es in den vergangenen Tagen und Wochen zu wenig geregnet hat. Das hat Auswirkungen auf die Lebensmittelproduktion. Vertreter der Landwirtschaft und der Verwaltungen runzeln die Stirn: Denn der Hochsommer mit seinen zunehmenden Hitze- und Trockenperioden ist noch gar nicht eingeläutet. Generell ist es aus Sicht der Landwirtschaftsämter in der Region derzeit deutlich zu trocken. Eine Ostwetterlage mit Tag-Nacht-Temperaturschwankungen und Winden bedeutet zusätzlich Stress für die Kulturen.

Sommerkulturen in der Region Heilbronn-Franken leiden unter Trockenheit

Durch die Trockenheit leiden vor allem die Sommerkulturen, die erst im Frühjahr 2025 ausgesät wurden. Dazu gehören Sommergerste, Hafer, Zuckerrüben, Mais, Sojabohnen und Gemüse mit nur schwachem Wurzelwerk. Insbesondere bei Gemüsekulturen wird deshalb, wo möglich, auf zusätzliche Wassergaben gesetzt.Winterkulturen, die im Herbst gesät wurden, haben ein tieferes Wurzelwerk und sehen noch relativ gut  aus. Dazu gehören Winterraps, Winterweizen, Wintergerste und Winterroggen. Diese Kulturen benötigen für die bevorstehende Kornausbildung aber auch in Bälde dringend nennenswerte Niederschläge.

Dieser Zuckerrübenacker bei Bitzfeld schreit nach Wasser. Trockenheitsrisse tun sich auf.
Dieser Zuckerrübenacker bei Bitzfeld schreit nach Wasser. Trockenheitsrisse tun sich auf.  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

Das unterstreicht Jürgen Maurer. Der Landwirt steht an seinem kleinen Brunnen auf seinem Hof in Kupferzell-Feßbach. Dort blubbert das Wasser zwischen Seerosenblättern. Noch ist Wasser in dem kleinen Brunnen. Doch auch hier ist deutlich sichtbar: Der Wasserstand war schon einmal höher. „Wir brauchen dringend Regen“, sagt Jürgen Maurer, der neben Hühnerhaltung Ackerbau betreibt. Maurer ist Vorsitzender des Kreisbauernverbands Schwäbisch Hall Hohenlohe Rems.

Trockenheit in der Region Heilbronn und Hohenlohe stresst Getreide

„Beim Getreide gibt es noch keine Einbußen“, sagt Maurer. „Der Mais verträgt es noch“, meint er. Doch der Weizen wäre froh, wenn es bald Niederschlag gäbe. Auch die Zuckerrüben bräuchten dringend Wasser. „Wenn es die nächsten 14 Tage keine Niederschläge gibt, drohen Einbußen“, blickt Maurer auf die Äcker. Und scherzt: „Wir finden den Schieber nicht.“ Auch für die Milchbauern hofft Maurer, dass es bald regnet: „Die ersten Wiesen sind gemäht. Damit die wieder gut treiben können, braucht es dringend Wasser.“

Zwischen November und Januar, blickt Maurer zurück, habe es gut und ausreichend Winterfeuchtigkeit gegeben. Aber zu Beginn der Wachstumsperiode nun fehle Wasser. „Wir müssen lernen, mit den zunehmenden Wetterextremen umzugehen“, reflektiert der Kupferzeller Landwirt. Für ihn resultiert daraus ganz klar: „Wir können Landwirtschaft nicht nach dem Kalender machen.“ Sein Berufsstand brauche mehr Freiheiten. Hier sieht er die neue Regierung in der Pflicht. „Erste Schritte sind schon gemacht, aber das reicht nicht.“

Trockenheit zwingt Gemüsebauer in Öhringen bereits zum Wässern

Seit Tagen schon wässern Gemüseanbauer wie Schmelze bei Öhringen-Verrenberg die frisch gesäten Salate und die Kohlköpfe. Auch Gerald Heinrich mit Erdbeeren, Kraut und Gurken ist auf ausreichend Wasser angewiesen. Einige Landwirte pumpen direkt aus den Flüssen wie der Ohrn beispielsweise. 31 landwirtschaftliche und gärtnerische Betriebe haben beim Landratsamt Hohenlohe eine Entnahme von über 2000 Kubikmetern Wasser für die Beregnung ihrer Flächen beantragt. Darunter sind 28 Betriebe, die Grundwasser aus Brunnen entnehmen, erklärt Katharina Löblein, Sprecherin des Landratsamtes. Drei Betriebe entnehmen Oberflächenwasser.

In jüngster Vergangenheit haben die Landratsämter schon mehrfach mit einer Beschränkung der Wassermengen, beziehungsweise einem Bewässerungsverbot auf die Trockenheit reagiert. Momentan sei das noch nicht geplant, sagt Katharina Löblein. Man beobachte aber die Pegelstände täglich, entsprechende Regelungen würden vorbereitet. „Es ist aber gerade noch kein akuter Handlungsbedarf für Entnahmebeschränkungen absehbar“, gibt die Landratsamts-Sprecherin Entwarnung.

Doch sobald die Abflüsse länger anhaltend um den mittleren Niedrigwasserabfluss schwanken oder diesen mehrere Tage hintereinander unterschreiten und die Wetterlage nicht auf absehbare effektive Niederschläge hindeutet, werde ein Entnahmeverbot verhängt.

Trotz Trockenheit noch kein Entnahmeverbot im Landkreis Heilbronn

Auch das Amt Bauen und Umwelt des Landratsamtes Heilbronn beobachtet die Wasserstände, um gegebenenfalls die Allgemeinverfügung zu erlassen. Um Wasser zurückzuhalten, werden verstärkt Wasserspeicherbecken gebaut, die im Winterhalbjahr gefüllt und das Wasser im Sommer zur Beregnung genutzt werden kann. Dazu kommen wassersparende Verfahren im Obstbau und Weinbau mit Tropfberegnungssystemen. Die Verwendung von Tropfschläuchen im Weinbau wird staatlich gefördert.

Laut Robert Kirchner vom Gemüseanbauberatungsdienst Heilbronn komme es aktuell bei Freilandkulturen zu Trockenstress, Wachstumsstörungen und Depression: „Die Jungpflanzen kommen nicht auf.“ Was in letzter Zeit geholfen habe, seien die kalten Nächte und der Tau gewesen. Der Wassermangel mache die Pflanzen auch anfälliger für Schädlinge.

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