Die Bodenseewasserversorgung steht vor einer technischen Zäsur: Viele Leitungen, Pumpwerke und Anlagen stammen noch aus den 60er- und 70er-Jahren und haben ihre Lebensdauer nahezu erreicht. Die neuen Entnahmeleitungen und modernisierten Steigleitungen sollen die Versorgung langfristig absichern. Hinzu kommt: Steigende Wassertemperaturen und eine höhere Algenbelastung im Bodensee machen eine aufwendigere Aufbereitung notwendig. Die geplante zusätzliche Anlage im Pfaffental soll gewährleisten, dass selbst bei Ausfällen oder Wartungen die Trinkwasserversorgung im Land stabil bleibt.
Bodenseewasser wird teurer – Versorger im Raum Heilbronn wollen unabhängiger werden
Trinkwasser aus dem Bodensee wird teurer. Die Versorger im Raum Heilbronn und die Stadtwerke Heilbronn investieren kräftig, um unabhängiger von Bodensee-Leitungen zu werden.
Wer sein Trinkwasser aus dem Bodensee bezieht, muss sich in den kommenden Jahren auf massive Preissteigerungen einstellen. Bis 2041 soll der Bezugspreis von heute 88 Cent auf 2,70 Euro steigen. Die Gründe sind vor allem baulicher Natur: Der Zweckverband Bodenseewasserversorgung plant neue Entnahmeleitungen, die Modernisierung der Pumpwerke und Steigleitungen zum Wasserwerk am Sipplinger Berg sowie eine weitere Anlage am neuen Standort Pfaffental. Das Projekt „Zukunftsquelle – Wasser für Generationen“ kostet rund 4,6 Milliarden Euro.
Trinkwasser aus dem Bodensee: Für den Endverbraucher wird Wasser richtig teuer
Diese Investition wird auf die Kunden umgelegt. Die Verbände und Städte geben dann wiederum die Erhöhung an die Endverbraucher weiter. Sprich: Bei den prognostizierten 2,70 Euro pro Kubikmeter bleibt es nicht, die einzelnen Haushalte müssen wohl noch tiefer in die Tasche greifen. Mit dem neuen Bezugspreis plus Leitungs- und Netzentgelten könnten 3,50 bis vier Euro realistisch werden.
„Das Thema beschäftigt alle“, sagt Alexander Freygang. Der Geschäftsführer des Wasserzweckverbands Mühlbach, der seinen Sitz in Bad Rappenau hat und rund 56.000 Bürger beliefert, blickt zwar nicht mit Sorge, aber doch mit einer gewissen Anspannung in die Zukunft. Schließlich sei es mit den Großprojekten nicht getan: „Um das Wasser zu uns transportieren zu können, müssen Leitungen gelegt werden.“ Das könne in Anbetracht der zu überwindenden Strecke Jahrzehnte dauern.

Wasserzweckverband Mühlbach strebt Unabhängigkeit vom Bodenseewasser an
Bis dahin hat der Verband sein eigenes Investitionsprogramm längst abgeschlossen. Der vorerst größte Baustein auf dem Weg zur Versorgungssicherheit ist der Hochbehälter (HB) Zentral im Hüffenhardter Teilort Kälbertshausen, der 2026 eingeweiht werden und 4000 Kubikmeter Wasser fassen kann. Insgesamt investiert der Verband rund 60 Millionen Euro in den kommenden Jahren.
Mittelfristig will Alexander Freygang allerdings auf das Wasser vom Bodensee verzichten. Ein erster Schritt sei daher, Synergien zu nutzen. Und die sieht der Geschäftsführer in neuen Verbandsmitgliedern, die noch im Besitz von weiteren Wasserrechten sind. So wie Binau im Neckar-Odenwald-Kreis. Die Gemeinde wird zum Jahreswechsel das 13. Mitglied. Die Zahl 13 soll entgegen des Aberglaubens nur positive Auswirkungen haben und für 175.000 Kubikmeter mehr Wasser pro Jahr sorgen.
Heilbronn investiert Millionen in die Trinkwasserversorgung
Außerdem kooperiert der Verband mit Gundelsheim. Von dort soll das Wasser zur Carix-Anlage in Haßmersheim gepumpt und aufbereitet werden, bevor es verteilt wird. „Die Leitung von dort ist einfacher zu verlegen als eine weitere vom Bodensee“, fasst Alexander Freygang zusammen.
Auch in Heilbronn wird in eine größere Unabhängigkeit vom Bodenseewasser investiert. Für 25 Millionen Euro wird ein neues Wasserwerk auf den Böckinger Wiesen gebaut, wo bereits Wasseranlagen stehen. Eigentümer des Komplexes, der 2029 fertiggestellt werden soll, sind die Stadtwerke. Bisher werden die Bürger in der Käthchenstadt sowie Nordheim lediglich mit 20 Prozent Wasser aus eigenen Brunnen und Quellen versorgt. In Zukunft sollen es 30 Prozent werden.
Insgesamt investieren die Stadtwerke Heilbronn in den kommenden Jahren rund 150 Millionen Euro, um ihre Trinkwasserversorgung autarker zu gestalten. Inkludiert in diese Summe ist dabei auch ein neuer Wasserbehälter auf dem Ochsenberg.

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