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Existenz bedroht
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Taxiunternehmen in Heilbronn schlagen Alarm: Spritkosten gehen durch die Decke

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Der Diesel kostet so viel wie nie, Fahrgäste bleiben aus: Taxiunternehmen in der Region Heilbronn geraten finanziell unter Druck – und die erhoffte Tariferhöhung lässt auf sich warten.


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Die Fahrten werden weniger, die Sorgen dafür größer: Mit den zuletzt stark gestiegenen Spritpreisen geraten Taxiunternehmen und Fahrer unter massiven Kostendruck. Einige sprechen offen von einer existenzbedrohenden Lage. Die Preise dürfen sie nicht selbst anpassen – und von den Behörden komme seit Monaten keine Rückmeldung.

Heilbronner Taxifahrer kämpfen mit hohen Spritpreisen – Behörde reagiert nicht

Seit Wochen verzeichnen einige Betriebe deutliche Umsatzrückgänge. „Seit drei Wochen ist tote Hose“, berichtet einer von vier Taxifahrern, die anonym bleiben möchten, der Heilbronner Stimme. Der Liter Diesel kostet mittlerweile deutlich mehr als früher. Rund 150 Euro zusätzliche Ausgaben pro Monat – aus eigener Tasche – seien inzwischen normal. 

Die Heilbronner Taxifahrer leiden unter den steigenden Spritkosten und ausbleibenden Fahrgästen.
Die Heilbronner Taxifahrer leiden unter den steigenden Spritkosten und ausbleibenden Fahrgästen.  Foto: Frank, Dennis

Die Zurückhaltung der Kunden trifft die Branche hart: Immer häufiger bleibe ein Taxi leer, weil Bestellungen kurzfristig storniert werden. Fehlfahrten waren zwar schon immer Teil des Geschäfts, die Angst, unnötig Sprit zu verfahren, ist heute aber größer als je zuvor. Erhöhen wollen die Fahrer ihre Preise aber auch nicht. „Wir haben ohnehin schon weniger Kundschaft“, klagt einer der Fahrer.

Der Frust der Fahrer ist deutlich spürbar. Teils fluchen die jungen Männer über ihre Situation. Etwas zurückhaltender formuliert bezeichnen sie die Lage noch als „einfach bescheiden“.

Heilbronner Taxiunternehmen fordern Preisfreigabe und Unterstützung

Giacomo Miramonte, Geschäftsführer von Taxi Gabriel in Güglingen, beschreibt die Lage drastisch: „Mit den Personalkosten ist der Sprit unser größter Kostenfaktor. Diese Kosten sind um 35 Prozent gestiegen.“ Sein Unternehmen versucht aktuell, gemeinsam mit den Landkreisen eine Tarifsteigerung zu erwirken. „Ohne Anpassung ist unsere Existenz gefährdet.“ Er wünsche sich eine Steuererleichterung, um sowohl Unternehmen als auch Fahrgäste zu entlasten – hält das aber für unrealistisch.

Auch Meric Karaduman, Geschäftsführer von Taxi Heilbronn Unterland, schlägt Alarm. Rund 50 Fahrzeuge umfasst sein Fuhrpark, die Mehrkosten summieren sich inzwischen auf rund 15.000 Euro netto monatlich. Gemeinsam mit anderen Taxibetrieben habe man bereits vor einem Jahr einen Antrag auf Preiserhöhung gestellt – bisher ohne Antwort, wie er sagt. „Wir sind sauer, dass unsere Anträge ignoriert werden“, sagt Karaduman.

Kundschaft bleibt aus – Wichtige Fahrten drohen wegzubrechen

Beide Betriebe berichten, dass die Zahl der Fahrgäste bereits im Winter deutlich gesunken ist. Ein weiterer Grund neben der gestiegenen Spritpreise ist das Ausgehverhalten der Leute: „Im Austausch mit Veranstaltern und Gastronomen wird uns bestätigt, dass die Menschen weniger ausgeben und weniger Alkohol trinken. Und wer nicht trinkt, der braucht meist auch kein Taxi“, berichtet Miramonte.

Doch es gibt auch andere Fahrten, als die nach dem abendlichen Ausgehen: „ Wir sind auch manchmal Krankentransport oder fahren Kunden zu wichtigen Terminen“, erklärt Karaduman. Gewährleisten können Taxi-Unternehmen diese Fahrten nur durch ausreichende Kostendeckung. „Aber die Behörden wollen nicht der Buhmann sein“, sagt Karaduman, „dabei haben wir wirtschaftliche Zahlen vorgelegt, die ignoriert werden.“

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