Angriff auf Taxi-Fahrer in Leingarten – „Hemmschwelle scheint zu sinken“
Ein Fahrgast übergibt sich im Taxi von Heilbronn nach Leingarten und greift den Fahrer an. Auch der Vorsitzende des Taxi-Verbands Baden-Württemberg beobachtet eine zunehmende Aggressivität.
Am Wochenende ist eine Taxifahrt von Heilbronn nach Leingarten eskaliert. Nach Angaben der Polizei hat ein Fahrgast sich am Samstagmorgen um 3.30 Uhr in Böckingen abholen lassen. Kurz vor dem Ziel in Leingarten musste sich der Mann im Taxi übergeben, schlug den 63-jährigen Fahrer gegen Kopf und Oberkörper und flüchtete dann – ohne zu bezahlen. Der Taxifahrer wurde leicht verletzt, die Polizei ermittelt gegen den unbekannten Täter wegen Körperverletzung.
Die Tat ist kein Einzelfall. Erst am Donnerstag wurde ein 68-jähriger Taxifahrer in Frankfurt verletzt: Wegen eines Streits über den Fahrpreis hatte ein stark betrunkener Fahrgast den Fahrer von hinten gewürgt. Vor knapp einem Jahr randalierte ein ebenfalls stark betrunkener 33-Jähriger in einem Taxi bei Billigheim. Nachdem der Fahrgast mit einer Bierflasche um sich schlug, griff er den Taxifahrer an und verletzte ihn – der Fahrer musste daraufhin vom Rettungsdienst behandelt werden.
Taxi-Verbandschef in Baden-Württemberg kritisiert Aggressivität von Fahrgästen
Solche Fälle kommen immer wieder vor, weiß Onur Gürsönmez. Er ist Vorstandsvorsitzender des Taxi-Verbands Baden-Württemberg und fährt selbst Taxi in Stuttgart. „Die Hemmschwelle scheint zu sinken und es gibt eine zunehmenden Aggressivität“, sagt Gürsönmez.
Genaue Zahlen erhebt der Verband nicht, tendenziell steige das Risiko aber bei Fahrten in der Nacht und am Wochenende. Führt das dazu, dass manche Fahrer zu diesen Zeiten keine Fahrten machen wollen? „Nein, das kann man nicht sagen“, so Gürsönmez. „Die Kollegen, die nachts arbeiten, kennen die Risiken.“
Das Risiko, ob sich ein Fahrgast gewalttätig verhält, lässt sich vorab jedoch schwer einschätzen. „Es ist nun mal so, dass Taxifahrer auf sich alleine gestellt sind und Fahrgäste befördern, die sie nicht kennen.“ Auch Alkohol spiele eine Rolle, es kämen aber viele Faktoren zusammen.
Wie sich Taxifahrer vor gewalttätigen Fahrgästen schützen
Klar sei, dass Taxifahrer solche Taten bei der Polizei anzeigen, betont Onur Gürsönmez. Alle Taxen seien mit Alarmanlagen ausgerüstet, teilweise seien die Funkanlagen der Taxis auch direkt mit Alarmsystemen verbunden. Andere Fahrer hätten inzwischen Kameras montiert, die den Innenraum aufzeichnen. Wenn die Polizei Videomaterial auswerten kann, könne sie die Täter schneller ermitteln, so die Hoffnung.
Eine generelle Videoüberwachung in Taxis könnte aus Gürsönmez Sicht für mehr Sicherheit der Fahrer sorgen. Dasselbe gelte für Barrieren zwischen Fahrer und Rückbank, die in manchen Fahrzeugen übergangsweise während der Corona-Pandemie installiert wurden. Ein Allheilmittel sei das jedoch nicht: „Ein Überfall auf einen Taxifahrer findet nicht zwingend im Taxi statt.“
Generell wünscht sich der Verbandsvorsitzende, dass Fahrer mit Respekt behandelt werden. „Das Taxi gehört zum öffentlichen Personennahverkehr und zur Daseinsvorsorge“, sagt Gürsönmez. „Dem Heilbronner Kollegen wünsche ich in jedem Fall eine gute Besserung.“
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Kommentare
Anneliese Scholz am 18.02.2026 10:03 Uhr
Die Hemmschwelle scheint nicht zu sinken! Die ist schon ganz unten angekommen.
Oskar Munk am 18.02.2026 09:32 Uhr
Sicherheit gehtvor Datenschutz sollte hinten anstehen, überall nicht nur im Taxi.