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„Super Idee“ – das sagen Kunden zum Tante-M-Laden am Sonntag 

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Die Landesregierung will klare Regeln schaffen: Selbstbedienungsläden, wie sie auch in der Region verbreitet sind, dürfen auch sonntags öffnen. Kunden schätzen das Angebot, manche Nachbarn sind weniger begeistert. 

Giovanna Vittorio-Gratz nutzt den autonomen Einkaufsladen regelmäßig. Auch an Sonntagen sollen diese jetzt rechtssicher geöffnet bleiben dürfen.
Giovanna Vittorio-Gratz nutzt den autonomen Einkaufsladen regelmäßig. Auch an Sonntagen sollen diese jetzt rechtssicher geöffnet bleiben dürfen.  Foto: Biener, Thomas

„Für mich gibt es nur Vorteile“, sagt Giovanna Vittorio-Gratz in Bezug auf die Öffnung der autonomen Läden an Sonntagen. Gerade eben ist sie aus dem Tante-M-Laden in Unterheinriet gekommen, den Arm voller Einkäufe. Seit 2021 gibt es den Laden von Tante M in Unterheinriet bei Untergruppenbach. Der Einkaufsbereich ohne Personal hat auch am Sonntag geöffnet, bis dato handelte es sich dabei um eine rechtliche Grauzone. Eine Gesetzesänderung im baden-württembergischen Landtag könnte jetzt für Klarheit sorgen.

Man könne einfach jederzeit hierherkommen, wann es einem passt, sagt Giovanna Vittorio-Gratz. Gerade für Kleinigkeiten, die einem fehlen, sei der Laden sehr praktisch, sie selbst nutze ihn regelmäßig, so wie jetzt in ihrer Mittagspause. Sie selbst kenne niemanden, der diese Läden nicht mag. Wenn sie nicht mehr wären, dann würde es schwierig werden, mit der Nahversorgung, ist sie überzeugt. 

Weniger Ablenkung beim Einkaufen im Supermarkt in Unterheinriet

Bei sich selbst bemerke sie auch, dass sie weniger abgelenkt sei, als bei anderen Discountern. „Ich kaufe wirklich nur das, was ich kaufen will“, sagt Giovanna Vittorio-Gratz. Sonst würden immer mehr Sachen im Einkaufswagen landen, einfach weil man sie sieht und dann mitnimmt. Der Laden in Unterheinriet bei Untergruppenbach sei sauber und schnell zu Fuß zu erreichen, auch für ältere Menschen. Außerdem sei er immer offen. Rundherum eine „super Idee“, sagt Vittorio-Gratz. „Ich wünschte, so etwas hätte es schon früher gegeben.“

Dass die Läden nun auch rechtssicher am Sonntag geöffnet bleiben dürfen, findet Giovanna Vittorio-Gratz sehr gut. „Es ist nur von Vorteil“, sagt sie. Ein Wermutstropfen: Es werde regelmäßig in dem Laden geklaut, der zum großen Teil auch auf einer gewissen Vertrauensbasis funktioniere. Das habe ihr die Betreiberin des Ladens mitgeteilt, seitdem gebe es auch die Kameras. Zusammen mit dem Schild, dass jeder Diebstahl zur Anzeige gebracht wird.

Teurerer Preis, dafür immer verfügbar: Nahversorgung in Unterheinriet

„Viel zu oft“, antwortet Emily Nawatsaka auf die Frage, wie oft sie in dem Laden ohne Personal einkaufen geht. Sie habe gerade Mittagspause und nutze die Zeit für Besorgungen. Auch sonst komme ihr der Laden sehr entgegen, da sie Vollzeit in der Pflege beschäftigt ist. Sie arbeite Nachtschichten sowie an Sonn- und Feiertagen. Dementsprechend sei es nicht immer einfach, während der normalen Öffnungszeiten eines Einkaufsladens alle Besorgungen zu erledigen.

Außerdem habe der Laden alles an Lebensmittel, was man so braucht, sagt Emily Nawatsaka weiter. „Das Sortiment ist gut.“ Natürlich sei es etwas teurer, als ein normaler Discounter, aber das sei der Preis für die Verfügbarkeit. Das der Laden auch weiterhin sonntags geöffnet bleiben darf, findet auch sie gut. Von dem System und der Art der Einkaufsmöglichkeit ohne Personal, sei sie überzeugt. „Es ist cool.“

Auch Dani Skelkim findet den Einkaufsladen ohne Personal und mit den flexiblen Öffnungszeiten für Besorgungen gut.
Auch Dani Skelkim findet den Einkaufsladen ohne Personal und mit den flexiblen Öffnungszeiten für Besorgungen gut.  Foto: Biener, Thomas

Ähnlich sieht das Ganze auch Dani Skelkim. Er arbeite in Untergruppenbach und könne während der Mittagspause schnell herfahren und kaufe dann auch ein. Ansonsten nutze er den Laden vor allem am Wochenende, wenn etwas daheim fehle oder vergessen wurde. Meist für Lebensmittel. „Wenn was fehlt, dann gehen wir schnell da hin“, sagt Dani Skelkim, „oder ich schicke auch mal die Kinder los.“ Das Angebot sei gut, es gebe sogar eine kleine Auswahl an Tiefkühlkost. Da es auch an einem Sonntag mal vorkäme, dass mal etwas fehle oder man Lust auf etwas bestimmtes habe, findet er es gut, wenn der Laden weiterhin am Sonntag geöffnet werden darf.

Anwohner in Unterheinriet klagt über Lärm und volle Parkplätze

Doch nicht alle teilen diese Einstellung. Jörg Hannss ist ein direkter Anwohner, sein Haus steht auf der anderen Straßenseite, genau gegenüber des Einkaufladens. Seitdem der Laden da ist, kämen ab halb zehn Uhr nachts, manchmal auch gegen elf Uhr Autoposer vorbei. Diese würden dann die Parkplätze vor und an dem Laden blockieren, teilweise auf Bürgersteig und Gehweg parken. Auch liege dann überall der Müll herum, vor dem Laden und auf den Parkmöglichkeiten. „Da werden die Stühle ausgepackt, es wird gegrillt und getrunken“, sagt Jörg Hannss. Da kümmere sich niemand darum, die Polizei fahre einfach daran vorbei, sagt Hannss.

Außerdem gehe den ganzen Tag die automatische Tür auf und zu, es sei laut. Vor allem am Sonntag. Wenn der Gottesdienst stattfindet, würden viele Kirchgänger keinen Parkplatz mehr finden. Dort stehen dann die Kunden des autonomen Ladens. Konsequent: Er selbst nutze den Tante-M-Laden kaum, sozusagen nur in absoluten Notfällen. Und das, obwohl er nur über die Straße gehen müsste.

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