Beste Stimmung beim Faschingsumzug in Talheim – "ihr dürft narret sein!“
Ohne „Daale“ geht es nicht: Beim Faschingsumzug in Talheim am Sonntag ziehen 75 Gruppen durch den Ort. Tausende Besucher feiern mit, sammeln geworfenes Süßes ein und genießen die besondere Stimmung.
"Aufwachen – es ist Fasching, ihr dürft narret sein!“ Mit einem lauten Schlag aus der Kanone weckt das Infanterie-Regiment Alt-Württemberg auch den Letzten auf. Es ist der ultimative Startschuss, die Narretei kann losgehen, der Narrenwurm sich winden. Dicht gedrängt warten die großen und kleinen Besucher am Sonntag entlang der Umzugsstrecke durch Talheim auf Spaß, gute Laune und Wurfmaterial.
Die Taschen im Anschlag, das Kostüm gerichtet, die gute Laune schon hochgefahren. 75 Gruppen, darunter 16 eigene, sind der Einladung des Talheimer Carnevalsverein (TCV) gefolgt und verwandeln den Ort in ein Tollhaus.
Warum beim Talheimer Faschingsumzug dieses Jahr so viele Gruppen dabei sind
TCV-Präsidentin Stefanie Abt strahlt. „Wir freuen uns ganz arg, bisher hab ich nur glückliche Leute gesehen und genau das ist unser Ansinnen, neben dem Erhalt dieses Brauchtums. Schlechte Nachrichten gibt es schließlich genug“, findet sie. Froh ist die Mannschaft auch, nach dem aufgrund der Bundestagswahl im vergangenen Jahr notwendigen Terminwechsel jetzt wieder am angestammten Tag durch den Ort zu ziehen. Wobei das nicht nur negativ gewesen sei. „Dadurch sind neue Gruppen dazu gekommen.“ Besonders auffallend war das bei den Hästrägern, weiß Zugmarschall Thomas Jäger. „Die haben sonst nie Zeit, aber von den 15 aus dem vergangenen Jahr laufen zehn wieder mit, weil alle begeistert von Talheim sind.“
„Ohne Daale geht’s nicht“, formuliert es Tina Sailer, Präsidentin der Karnevalsgesellschaft Rosenmontag Stuttgart. „Das ist für uns ein Pflichttermin und meine roten Funken würden mich lynchen, wenn wir nicht mehr kommen“, meint sie augenzwinkernd. Für die Hauptstädter ist der Umzug hier ein Highlight der Saison, dafür wird extra ein Bus gemietet. „Weil das Publikum einfach super ist und mitgeht, das haben wir in Stuttgart so nicht.“
Großes Familienfest: Wie Anwohner den Talheimer Faschingsumzug erleben
Eine, die fast zwangsweise immer mittendrin ist, ist Sabine Jung. Sie wohnt direkt am Beginn der Strecke. Heißt aber auch, man sitzt stundenlang fest. „Einmal im Jahr kann man das gut aushalten, wir laden immer Freunde und Familie ein“, erzählt sie lachend. Jeder bringt was mit. Heuer hätten leider einige krankheitsbedingt abgesagt, aber der Rest feiert dafür umso lauter.
Es sei alles deutlich gemäßigter als früher, als schon mal Hexen das Wohnzimmer stürmten oder beim Nachbarn den Flur mit Strohballen dekorierten. „Da haben wir wirklich schon viel erlebt“, meint Sabine Jung grinsend. Schade sei nur, dass manche Leute inzwischen die Kinder angiften, wenn die zu den Süßigkeiten nach vorne sprinten. „Lasst denen doch die Bonbons, alles nicht so ernst nehmen“, lautet daher die Bitte der Talheimerin.
Kostüme aus Zeitungspapier: Talheimer Faschingsumzug bietet manche Kuriosität
Ins Auge springen die Hexen mit den kunstvoll aus Zeitungspapier gestalteten Hüten – den Gemmrigheimer Papierschlempen. Christian Köhler hat die Fasnacht aus seiner badischen Heimat in seine neue mitgebracht und auch andere infiziert. 15 bis 20, inklusive Kindern, laufen in feschen Schlafanzügen, mit Hexenmasken und Papierhüten rum. „Das kommt aus der Zeit, als man kein Geld für Kostüme hatte und weil es in Gemmrigheim auch eine Papierfabrik gibt, passt es einfach“, meint der „Gruppenchef“.
Der Narrenwurm ist in Bewegung. Ob Hästräger oder Gardemädchen, mit lautem Helau versprühen alle gute Laune und verteilen Schmackhaftes vom Gummibär bis zur Pfannkuchenmischung.
Erstmals überhaupt bei einem Umzug mit dabei ist das Unterwasser-Rugby-Team aus Heilbronn mit einer großen Burg als Wagenaufbau: „Wir haben halt geile Ideen und gesagt, wir machen das“, ruft einer grinsend.
Guggenmusik: Für manche das Beste am Talheimer Faschingsumzug
Für viele Besucher wie Benny und Mila Sammet, die von Sülzbach nach Talheim gekommen sind, sind die Guggenmusiken das Beste am Faschingsumzug. Die Musiker müssen dabei bekanntlich nicht nur in ihre Instrumente blasen, sondern gleichzeitig auch noch laufen. Für Heike und Dieter Glandien aus Neuenstadt ist das aber kein Problem, geübt wird das bei den Morschbachdeifeln aus Bad Wimpfen auch nicht. „Das geht dann schon automatisch“, meint er locker und sie ergänzt: „Wir laufen ja runter, bergauf wäre es dann schon schwierig.“
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