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Bürgermeisterwahl Talheim am 9. November: Noch kein klarer Favorit 

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Bei der Kandidatenvorstellung für die Bürgermeisterwahl in Talheim verfolgen rund 550 Zuhörer gespannt, wie sich Alexander Mohaupt, Pascal Bopp und Antonio Nicola Fellini präsentieren.

Volles Haus im Talheimer Kulturtreff: mit rund 550 Zuhörern, von denen einige zwei Stunden lang stehen mussten.
Volles Haus im Talheimer Kulturtreff: mit rund 550 Zuhörern, von denen einige zwei Stunden lang stehen mussten.  Foto: Archiv/Berger

Ein klarer Favorit steht am Ende nicht fest. Dass die drei Bewerber nicht vom Fach sind, wird schnell klar: Da herrscht eine erschreckende Unkenntnis über Zuständigkeiten von Behörden, über Abläufe, Begriffe oder Projekte, die in der Vergangenheit realisiert wurden. Wer wird in Talheim Nachfolger von Bürgermeister Rainer Gräßle, der nach 24 Jahren nicht mehr antritt? Alexander Mohaupt, Pascal Bopp oder Antonio Nicola Fellini?

Zwei Stunden dauert die Kandidatenvorstellung der Gemeinde für die Wahl am 9. November. Rund 550 Zuhörer im Kulturtreff verfolgen gespannt, wie sich die Bewerber präsentieren – und haben im Anschluss viele Fragen von Infrastruktur bis Verkehr, auf die sie fast nur vage Antworten bekommen.

Bürgermeisterwahl Talheim: 15 Minuten für Chronologie und Regularien

Maximal 15 Minuten Redezeit hat jeder der drei Kandidaten. Genauso lange erläutert auch Bürgermeister und Moderator Rainer Gräßle chronologisch, wann der Gemeinderat sich mit dem Thema Bürgermeisterwahl befasst hat, und welche Regularien dafür festgelegt wurden.

Dass die beiden anderen Bewerber unter Aufsicht den Saal verlassen müssen, während einer von ihnen redet, sei „kein Lex specialis von Talheim“, sondern üblich, so Gräßle. Ein „Lex Talheim“ dagegen und alles andere als üblich ist die Tatsache, dass nicht einmal die Heilbronner Stimme während der Veranstaltung fotografieren darf.

Kandidat Alexander Mohaupt überzeugt rhetorisch

Als erster Kandidat hat Alexander Mohaupt, Wohnimmobilienverwalter und Unternehmer aus Heilbronn, seine Bewerbung abgegeben. Er darf auch als erster auf die Bühne. Mohaupt ist es gewohnt, vor Publikum zu reden. Das merkt man dem 56-Jährigen an. Seinen Acht-Punkte-Plan mit Veränderungen und Zielen für Talheim trägt der verheiratete Vater zweier erwachsener Söhne souverän und frei vor, schöpft die 15 Minuten Redezeit voll aus.

Viel mehr Inhaltliches als diese acht Themen hat Mohaupt, der seit sechs Jahren Vorsitzender des örtlichen Gewerbevereins ist, aber nicht zu bieten: In der Bürgerfragerunde wird sein Verweis auf sein Wahlprogramm zum Running Gag.

Kandidat Pascal Bopp: Bei Sachthemen ist noch Luft nach oben

Anfangs sichtlich nervös ist Pascal Bopp aus Talheim. Der 33-jährige Vertriebsleiter einer Spedition hängt an seinem Manuskript. Weil das Mikrofon für ihn viel zu niedrig angebracht ist, muss er seine Rede in gebeugter Haltung vortragen. Doch der vierfache Familienvater gewinnt im Laufe seines 14-minütigen Vortrags zunehmend an Sicherheit, beschreibt sich als verlässlich, mutig, anpackend.

„Als jemand, der mitten im Leben steht, bringe ich die Energie, die Erfahrung und die nötige Ausdauer mit, um Verantwortung über viele Jahre hinweg zu tragen“, verspricht er den Zuhörern. Seine Antworten auf die Bürgerfragen offenbaren, dass bei den Sachthemen noch Luft nach oben ist.

Kandidat Antonio Nicola Fellini mit schwächstem Auftritt

Gerade mal acht Minuten benötigt Antonio Nicola Fellini für sein Wahlprogramm. Im Publikum lässt die Aufmerksamkeit sichtlich nach. Das liegt wohl auch daran, dass der 32-jährige, ledige Informatik-Dozent am wenigsten professionell auftritt und extrem aufgeregt ist. Im Vorfeld habe er sich viele Gedanken gemacht, was als Bürgermeister auf ihn zukommen könne. „Mit Sicherheit habe ich nicht mal ein Drittel auf dem Schirm gehabt“, gesteht der Heilbronner, der in Talheim aufgewachsen ist, und erntet freundliche Lacher.

Insgesamt begegnen die Zuhörer allen Kandidaten sehr offen. Wenn der Applaus überhaupt ein Gradmesser für diesen Abend sein kann, hat Pascal Bopp die Nase vielleicht etwas vorn.


Alexander Mohaupt aus Heilbronn, 56, Unternehmer

Alexander Mohaupt hat seine Bewerbung als erster der drei Kandidaten eingereicht.
Alexander Mohaupt hat seine Bewerbung als erster der drei Kandidaten eingereicht.  Foto: Mario Berger

„Es war ein wichtiges Diskussionsthema in unserer Familie“, betont Alexander Mohaupt (56). Seine Firmen werde er übergeben, sollte er am 9. November gewählt werden. Vor 18 Jahren durch Zufall mit seinem House of Companies in Talheim gelandet und seit 2019 Gewerbevereinsvorsitzender „freue ich mich, dass ich mich deswegen als Talheimer sehen kann“.

Acht Punkte umfasst Mohaupts Programm: Statt Neubaugebiete möchte er bezahlbaren Wohnraum für junge Familien in brachliegenden gemeindeeigenen Gebäuden schaffen. Dort sieht er auch Chancen, die Kinderbetreuung auszubauen. Vereinen, dem „Herz der Gemeinde“, sagt er Unterstützung zu. Auf 1100 Hektar sieht Mohaupt Potenzial für nachhaltige Projekte. „Wirtschaft ist mein Tagesgeschäft“, betont der Geschäftsmann. „Unternehmen brauchen Klarheit“, will er Neuansiedlungen entbürokratisieren. Bürger sollen mehr beteiligt werden, Verbindungen im Nahverkehr optimiert, die Verwaltung weiter digitalisiert werden. 

Pascal Bopp aus Talheim, 33, Vertriebsleiter

Pascal Bopp legt Wert darauf, dass er in Talheim aufgewachsen ist und immer noch dort lebt.
Pascal Bopp legt Wert darauf, dass er in Talheim aufgewachsen ist und immer noch dort lebt.  Foto: Berger, Mario

„Meine Wurzeln in Talheim sind tief“, betont der Familienmensch Pascal Bopp. „Heimat, Zusammenhalt und Verantwortung sind auch Werte, die ich als Bürgermeister leben will.“ Sollte er gewählt werden, umschreibt er seine Führungsrolle im Rathaus wie folgt: „Ich will die Bürgerschaft stärker einbinden und zugleich den Mitarbeitenden in der Verwaltung mehr Verantwortung zutrauen.“ Effizient und verlässlich stelle er sich die Verwaltung vor.

„Talheim braucht einen lebendigen Mittelpunkt“, möchte Bopp die Ortsmitte stärken. Um Talheim als Wohn- und Wirtschaftsstandort zukunftsfähig zu machen, seien auch neue Baugebiete wichtig. „Genauso wie die Sanierung unseres Ortskerns.“ Außerdem sei es „höchste Zeit, dass unsere Infrastruktur neuen Schwung bekommt“, meint der 33-Jährige, dazu gehörten auch Ladesäulen. Bei Straßen, Gehwegen und Nahverkehr bestehe Handlungsbedarf: „Die finanziellen Mittel sind da.“ Auch das Ehrenamt will er stärken: „Der Wunsch nach offenem Austausch ist groß.“ 

Antonio Nicola Fellini aus Heilbronn, 32, Informatik-Dozent

Antonio Fellini ist der einzige Kandidat mit einem Parteibuch.
Antonio Fellini ist der einzige Kandidat mit einem Parteibuch.  Foto: Berger, Mario

„Hallo, liebe Talheimerinnen und Talheimer“, wählt Antonio Nicola Fellini (32) eine lockerere Form der Begrüßung. „Ich bin ein bisschen nervös“, gibt er zu. Der Informatik-Dozent spricht von seinen beruflichen Kompetenzen, die ihm als Bürgermeister zugute kämen: schnelle Auffassungsgabe, sich in fremde Themen reindenken, lösungsorientiert arbeiten, Menschen zusammenbringen und komplizierte Sachverhalte einfach darstellen.

Als einer der wichtigsten Aufgaben eines Bürgermeisters ist für den Heilbronner, der in Talheim aufgewachsen ist, dem Bürger zuzuhören. Er sei offen für Anregungen und Vorschläge, so das Mitglied von „Die Partei“.Er schlägt dezentrale Treffpunkte in den Wohngebieten vor. Die Lücke des Schozachtalradwegs an der Kreuzung Bahnhof-/Hauptstraße müsse geschlossen werden. Das Angebot Bürgerbus und Nachtbus von Heilbronn will er ausbauen, für ein „saubereres Ortsbild“ mehr Mülltonnen aufstellen und den Zustand der Spielplätze verbessern.

Stimme-Forum zur Wahl

Am Dienstag, 4. November, 19 Uhr, stellen sich die drei Kandidaten im Kulturtreff den Fragen der Redakteurinnen Sabine Friedrich und Claudia Kostner.

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