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„Erhebliches Tierleid“: Nordheim führt Katzenschutzverordnung ein

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Die Stadt Heilbronn hat bereits seit einem halben Jahr eine Katzenschutzverordnung, nun zieht die Gemeinde Nordheim nach. Damit will sie gegen erhebliches Tierleid bei Streunern vorgehen. 


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Sie leben in Gartenlauben oder im Wald, sind oft verwildert und unterernährt, weil die Nahrung draußen knapp ist – freilebende Katzen gibt es unzählige im Raum Heilbronn. Nicht selten führen diese Umstände zum Tod. „Das Leben als Streuner ist brutal“, weiß Silke Anders, Leiterin des Heilbronner Tierschutzvereins. 

Erst im August vergangenen Jahres verfassten zehn regionale Tierschutzvereine einen Brandbrief, in dem sie auf die Missstände aufmerksam machen. Darin heißt es etwa: „Wir arbeiten seit Jahren am Limit – und trotzdem kommen jedes Jahr mehr Katzen: krank, verletzt, verhungert.“ Um die Population der Streuner einzudämmen, forderten sie rechtliche Regularien in Form einer Katzenschutzverordnung.

Gemeinderat stimmt für Katzenschutzverordnung in Nordheim 

Eine solche Verordnung wird nun in Nordheim eingeführt. Das beschloss der Gemeinderat einstimmig in seiner jüngsten Sitzung. Damit folgt die Gemeinde dem Beispiel anderer Kommunen im Kreis Heilbronn, die diesen Schritt bereits gegangen sind. Beobachtungen zufolge wachse die Population freilebender Katzen im Ort immer stärker.

„Wir hatten in Nordheim 20 Fundkatzen im vergangenen Jahr“, erklärt Nico Wildenhayn, Leiter des Ordnungsamts. Häufig handele es sich laut Verwaltung um „entlaufene, ausgesetzte oder zurückgelassene Hauskatzen“ und deren Nachkommen. „Die Folge dieser unkontrollierten Vermehrung ist ein erhebliches Tierleid.“

Katzenschutzverordnung in Nordheim: Rechtliche Grundlage für Streuner 

Durch die Verordnung erhält die Gemeinde die rechtliche Grundlage, Streuner in Obhut zu nehmen und kastrieren zu lassen. Dabei gehe es darum, die Fortpflanzungsketten der freilebenden Katzen zu unterbrechen, sagt Wildenhayn. Andere präventive Ansätze hätten nicht gewirkt.

Katzenhalter sind nun dazu verpflichtet, ihre Tiere registrieren und kennzeichnen zu lassen, etwa mittels eines Mikrochips oder einer Tätowierung – so lassen sie sich von Streunern unterscheiden. Die Verordnung tritt eines halbes Jahr nach Bekanntgabe in Kraft. Bis dahin haben Halter Zeit, die Vorgaben umzusetzen. 

Das Ordnungsamt werde dadurch nicht plötzlich anfangen, an Türen zu klingeln, betont dessen Leiter Nico Wildenhayn. Aber: „Wenn es Probleme gibt, haben wir mit der Verordnung die Möglichkeit, auf Halter zuzugehen“, ergänzt Bürgermeister Volker Schiek. Die Kastrationspflicht gilt derweil gezielt für Streuner ohne Besitzer und betrifft keine Hauskatzen. 

Kosten der Katzenschutzverordnung

Die Katzenschutzverordnung stützt sich auf das Tierschutzgesetz. Im Jahr 2013 erließ die Landesregierung Baden-Württemberg darauf basierend einen Erlass, der den Katzenschutz in die Hände der Kommunen legt. Für Heilbronn und den Landkreis ist der Tierschutzverein zuständig. Er kümmert sich um die Kastrierung und Registrierung der Streuner, die Kosten trägt in der Regel die Stadt beziehungsweise die Kommunen. Manchmal lasse sich aber auch nicht zuordnen, wo ein Streuner genau herstammt. Dann bleibe das Tierheim auf den Kosten sitzen. Eine Katze zu kastrieren koste laut Tierheim-Leiterin Silke Anders bis zu 300 Euro. Wird für einen Streuner in Möckmühl doch noch ein Halter ermittelt, erhalte dieser die Rechnung, gibt Ordnungsamtsleiter Ralf Bucur an. 

Bilanz der Katzenschutzverordnung in Heilbronn: Kastrierung hat langfristige Folgen 

Die Stadt Heilbronn beschloss bereits vor einem Jahr eine Katzenschutzverordnung, seit September ist sie in Kraft. Noch hat das Tierheim, das im Auftrag der Stadt Streuner aufnimmt und kastrieren lässt, keine Verbesserung bemerkt. Erfahrungswerte aus anderen Städten hätten gezeigt, dass die Folgen meist erst nach mehreren Jahren spürbar sind, erklärt Leiterin Silke Anders.

Besonders am Neckar und an den Böckinger Gartenlauben „sammeln sich oft scheue Katzen an“, sagt Anders. Noch größer sei das Problem im Landkreis. „Sie leben meist unentdeckt in irgendwelchen Wäldern.“ Dort würden sie teilweise zwei bis drei Mal im Jahr mehrere Junge werfen.

Anders und ihre Kollegen nehmen jede Katze und jeden Kater auf, obwohl der Platz knapp ist. „Wir versuchen, sie zutraulich zu kriegen.“ Wenn möglich, werden sie danach weitervermittelt. In diesem Jahr hat das Team bereits 157 Katzen aus dem gesamten Einzugsgebiet aufgenommen.

In Weinsberg besteht die Verordnung seit 2023. Durchschnittlich gebe es pro Jahr 17,4 Fundtiere, berichtet Marie Wengert vom Ordnungsamt. Im vergangenen Jahr waren es 21, das Jahr zuvor sogar 28. Vergleichsweise gering fiel die Zahl 2023 aus, wo nur neun Tiere erfasst wurden. Ob es sich dabei allerdings tatsächlich um Streuner handelte oder sie von Besitzern abgeholt wurden, wisse man nicht, gibt Wengert an.

Vorreiter war die Stadt Möckmühl, die Ende 2021 eine Katzenschutzverordnung erließ. Zuständig ist hier die Tierrettung Odenwald. Nach Angabe von Ordnungsamtsleiter Ralf Bucur sei die Population seither zurückgegangen. Offenbar sei die Regelung in der Bevölkerung angekommen. 

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