Streik in Heilbronn: Klimaschutz bleibt ein Kampf um Aufmerksamkeit
Mit Bannern, Trommeln und klaren Botschaften demonstrieren rund 60 Personen in der Heilbronner Innenstadt gegen fossile Energiepolitik und für mehr Klimaschutz. Im Fokus der Kritik: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche.
Keine sieben Jahre liegt der erste große Klima-Streik in der Heilbronner Innenstadt zurück. Damals, am 20. September 2019, waren zwischen 2000 und 3000 Menschen unterwegs und positionierten sich vor allem gegen das geplante Klimapaket der damaligen Bundesregierung.
Der klassische Streiktag ist der gleiche geblieben, doch schon länger mobilisiert „Fridays for Future“ freitags nicht mehr die Massen, zumindest nicht in Heilbronn. „Ich war letzten Samstag in Köln, da sind 30.000 auf die Straße gegangen“, sagt Peter Titus von Heilbronn for Future zu Beginn der Laufdemo, die hinter dem K3 vor der Nikolaikirche startet. „Da haben wir hier noch Potenzial“, fügt er nach einem Blick auf die Gruppe hinzu.
Heilbronner Klima-Streik unter dem Motto „Reiche, es reicht“
Rund 60 Frauen und Männer sind am Freitagnachmittag zusammengekommen. „Stop burning fossil fuels“ oder „Du sollst das Klima retten“ mit einem durchgestrichenen C am Anfang ist auf ihren Plakaten und Bannern zu lesen. Vor allem die Politik von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ist den Demonstrierenden ein Dorn im Auge. Unter dem Motto „Reiche, es reicht! Wir demonstrieren gegen das Fossile Gestern!“ hatte Heilbronn for Future im Vorfeld zu dem Streik aufgerufen. „Wenn man sieht, was die Bundesregierung gerade macht“, sagt Peter Titus, „dann gruselt es einen.“
Ähnlich nimmt das auch die Aktivistin Carla Reemtsma wahr, die der Deutschen Presseagentur (dpa) vergangene Woche sagte, Katherina Reiche betreibe als „Personalunion von Bundesregierung und Gaslobby mit Vollgas eine Umverteilung in die Hände fossiler Großkonzerne“.
„Wir wollen ein Zeichen setzen, dass das nicht der richtige Weg sein kann.“Peter Titus
Kritik wird in Heilbronn aber auch am Tankrabatt laut, der just am Streiktag im Bundestag beschlossen wurde und eine Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 17 Cent vorsieht. Die Regierung hoffe, dass die „lieben, guten Mineralölkonzerne das weitergeben. Unglaublich“, ruft Peter Titus. Eine Verpflichtung gibt es dazu allerdings nicht, die Firmen müssen also die Senkung nicht 1:1 umsetzen. Seit Donald Trump wieder US-Präsident sei, lebe man allerdings sowieso im postfaktischen Zeitalter: Jeder könne sich jetzt die Realität hinbiegen, wie er möchte, so Titus.
Polizeifahrzeuge sichern Demonstration durch die Heilbronner Innenstadt ab
Dann setzt sich der Zug – vorne und hinten jeweils durch ein Fahrzeug der Polizei gesichert – in Bewegung. Wie immer geht es über einen Teil der Allee, die dafür für einige Minuten gesperrt wurde. Hupende oder wütende Autofahrer sind weder zu sehen noch zu hören. Dann biegen die Demo-Teilnehmer wieder in die Fußgängerzone ein, nehmen den Weg über die Brücke bei der Experimenta und kommen schließlich noch mal am Bollwerksturm zu einer Schlusskundgebung zusammen.Gemeinsam wird gesungen, aber vor allem werden die teils schon bekannten Rufe skandiert: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ ist aktualisiert worden, „ihr“ wurde durch „Reiche“ ersetzt. Aber auch „Nostalgie ist keine Strategie“ oder „Solarstrom für alle statt Ölpreisfalle“ wird gerufen. Unterstützt werden die Demonstrierenden von eine Rhythmusgruppe, deren Mitglieder Trommeln mitgebracht haben.
Weniger junge Menschen als früher beim Klima-Streik in Heilbronn
Dass nur noch wenige junge Menschen an den Demonstrationen teilnehmen, bedauert Peter Titus. „Viele sind mittlerweile nicht mehr hier, weil sie fürs Studium weggezogen sind“, erzählt er. „In dem Moment, wo das politische Interesse kommt, gehen sie.“ Trotzdem wirkt er nicht unzufrieden mit der Resonanz der ersten Laufdemo seit Monaten: „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass das nicht der richtige Weg sein kann.“ So wie bisher könne es nicht weitergehen.
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