UV-Gefahr im Frühling: SLK-Hautarzt erklärt Risiken und richtigen Sonnenschutz
Schon im Frühling kann UV-Strahlung Hautschäden verursachen. Ein SLK-Hautarzt erklärt, worauf man beim Sonnenschutz achten sollte und warum viele Menschen Sonnencreme falsch auftragen.
Auch wenn sich die Sonne derzeit wieder häufiger hinter Wolken versteckt, haben die ersten Frühlingstage Spuren hinterlassen. Einige rote Nasen, Wangen und Nacken waren bereits zu sehen. Warum man die Sonne auch bei moderaten Temperaturen nicht unterschätzen soll und warum Lichtschutzfaktor 50 auch im März nicht verkehrt ist, erklärt SLK-Hautarzt Dr. Wolfgang Krapf.
Ist die Sonne im Frühling genauso gefährlich wie im Sommer?
„Dass durch UV-Strahlen Hautkrebs entstehen kann, ist immer gegeben“, warnt Krapf. Das hänge jedoch von verschiedenen Faktoren ab wie der Empfindlichkeit des Einzelnen. Das heißt, dass ein Mensch mit sehr heller Haut und rötlich-blonden Haaren mehr aufpassen müsse als ein mediterraner Hauttyp. Außerdem sei die Tageszeit relevant, da die Sonneneinstrahlung mittags intensiver sei als am Vormittag und Abend. Ein wichtiger Faktor für die Hautkrebsgefahr ist der UV-Index. Bereits im März gibt es relativ hohe Werte, sagt der Facharzt. Diese Indizes werden vom Bundesamt für Strahlenschutz täglich veröffentlicht. In verschiedenen Apps sind sie abrufbar.

Welche UV-Werte sind schädlich?
Liegt der UV-Index bei 4 bis 5, ist ein Sonnenschutz unbedingt notwendig. Krapf betont: „Jede Rötung der Haut, die durch UV-Strahlen verursacht wird, bedeutet Schäden, also eine Veränderung im Erbgut. Wenn diese sich über die Jahre immer wieder wiederholen, kann sie letztendlich zu Hautkrebs führen.“ Über die Lebenszeit betrachtet, spielten UV-Strahlenschäden eine große Rolle.
Sollte man immer Sonnencreme benutzen, wenn man an die Sonne geht?
„Wir empfehlen immer einen Umgang mit Augenmaß“, sagt Krapf. Wenn man eine längere Zeit in der Sonne draußen sei, vor allem zur Mittagszeit, sei ein adäquater Sonnenschutz wichtig. Das kann Sonnencreme sein mit möglichst hohem Lichtschutzfaktor, aber auch der textile Sonnenschutz: ein Hut oder lange Ärmel.
Warum muss man Kinder besonders vor der Sonne schützen?
Babys sollen gar nicht in die direkte Sonne. Das wissen die meisten. Aber wie sieht es bei Kleinkindern aus, die nicht mehr so selbstverständlich im Schatten bleiben? Sonnenbrand bei Kleinkindern kann dramatische Folgen haben, erklärt Krapf. „Studien zeigen, dass gerade in den ersten zwei Lebensjahrzehnten die Sonnenbrände eine Erhöhung des schwarzen Hautkrebses nach sich ziehen.“

Sonnenschutz: Wie hoch soll der Lichtschutzfaktor sein?
Lichtschutzfaktor 50 ist am besten, sagt Krapf und erklärt auch warum. „Das Problem mit der Sonnencreme ist, dass man den Lichtschutzfaktor, der auf der Packung steht, gar nicht erreicht.“ Um das zu schaffen, müsste man zwei Milligramm pro Quadratzentimeter Haut auftragen. Das wären auf die gesamte Körperoberfläche gerechnet rund 40 Gramm. „Das macht ja kein Mensch.“
Das heiße also, dass man immer zu wenig auftrage. Außerdem falle der Lichtschutzfaktor logarithmisch ab, nicht linear. Wenn man beispielsweise nur die Hälfte an Sonnencreme auftrage, habe man nicht den halben Schutz, sondern weniger. Alles mit Augenmaß. Denn der Aufenthalt in der Sonne ist auch gesund, zum Beispiel für die Psyche, weiß der Arzt.
Kann man die Sonnencreme vom letzten Sommer noch verwenden?
„Wenn das Verfallsdatum auf der Packung überschritten ist, dann nicht“, rät Krapf. Es gebe Gründe für diese Verfallsdaten wie bei Medikamenten auch.
Schützt die Sonnencreme vom Discounter weniger gut als von der Apotheke?
„Teure Cremes schützen nicht besser als günstige“, stellt Krapf fest. Der Lichtschutzfaktor sei genormt und müsse von jedem Hersteller gleichermaßen nachgewiesen werden. Der hohe Preis von Cremes aus der Apotheke könnte sich durch hochwertigere oder besser verträgliche Inhaltsstoffe rechtfertigen. Das sei aber nur eine Annahme.
Nimmt die Haut auch bei hohem Lichtschutzfaktor genug Vitamin-D auf?
Ein Vitamin-D-Mangel sollte niemanden davon abhalten, Sonnenschutz zu verwenden. „Die notwendige Sonneneinstrahlung für die Vitamin-D-Produktion erhält man, wenn man zweimal die Woche jeweils 20 Minuten zwei Handteller große Hautflächen mit UV-Licht bescheinen lässt. Das hat praktisch jeder.“
Ist das Bewusstsein für die Gefahr größer als früher?
Im Klinikalltag hört Wolfgang Krapf häufig, dass die Menschen sich früher nicht so gegen UV-Strahlen geschützt haben. Deshalb wird der schwarze Hautkrebs auch oft als Erkrankung der Älteren wahrgenommen. Vergleiche mit einer jüngeren Generation seien aber schwierig, sagt der Hautarzt. „Es gibt eine Patientengruppe, die sich sehr gut gegen die Sonne schützt, die sehr bewusst mit den Gefahren umgeht, die aufgeklärt ist, wie bei anderen Bereichen in der Gesundheit auch.“ Und dann gebe es die schwer Belehrbaren, die weiterhin Solarien frequentierten und die Gefahren ignorierten.
Wie oft sollte man zur Hautkrebs-Vorsorge gehen?
Ab 35 Jahren rät der Hautarzt mindestens alle zwei Jahre zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Wenn man schon mal Hautkrebs hatte oder wenn man familiär vorbelastet ist, sollten die Abstände zwischen den Untersuchungen kürzer sein. Bei helleren Hauttypen sei eine jährliche Kontrolle nicht verkehrt. Die offizielle Empfehlung sei aber alle zwei Jahre einmal. Dazwischen gelte, Muttermale oder Hautveränderungen selbst im Auge zu behalten.
Was tun bei Sonnenbrand?
Wenn es schlimm ist, empfiehlt der Hautarzt Ibuprofen-Tabletten und beruhigende Cremes. „Aber das Beste ist, wenn es nicht dazu kommt.“ Die Verbrennung der Haut verursache immer eine Veränderung des Erbguts. „Wenn das jetzt nur ein oder zweimal im Jahr ist, ist es nicht ganz so dramatisch wie wenn es dauernd passiert.“
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