Stimme+
Löwenstein

„Meine Konsequenz ist, zu gehen“: So reagieren Mitarbeiter auf das Klinik-Aus

   | 
Lesezeit  2 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

Die Löwensteiner SLK-Klinik steht vor dem Aus. Am Montag wurden die Mitarbeiter über die Pläne informiert. Manche zeigen sich in ersten Reaktionen enttäuscht, andere erwägen eine Kündigung. 


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Es ist 10.45 Uhr vor der SLK-Klinik in Löwenstein. Auf dem Parkplatz haben sich mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versammelt. In kleinen Gruppen stehen sie zusammen, einige rauchen, andere kommen gerade erst dazu und bleiben stehen. Es gibt nur ein Thema: die geplante Schließung der Klinik, über das die Stimme exklusiv berichtet hatte. 

In einer halben Stunde, um 11.15 Uhr, findet die erste Informationsveranstaltung für die Mitarbeitenden statt. „Es ist ein Zeichen fehlender Wertschätzung, dass wir zuerst aus der Zeitung davon erfahren haben“, sagt eine der Mitarbeiterinnen.  Sie möchte anonym bleiben – wie auch ihre Kolleginnen und Kollegen. Eine andere ergänzt: „Ich war gerade fertig mit der Nachtschicht und habe es von meinem Mann erfahren.“ 

Nach Klinik-Aus: Mitarbeiter denken über Abschied nach

Eine mögliche Schließung sei schon länger Thema gewesen. „Darüber wird gesprochen, seitdem ich hier arbeite – und das ist seit 22 Jahren“, ergänzt ein Mann: „Für mich ist die Konsequenz jetzt, zu gehen.“ Auch einige seiner Kolleginnen machen sich Gedanken. „Mein Mann ist selbstständig, wir haben hier ein Haus gebaut, ich will nicht jeden Tag nach Heilbronn fahren oder umziehen“, sagt die Kollegin der Nachschicht. 

Rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten an der SLK-Klinik in Löwenstein – nach der Schließung sollen sie an den Standorten in Heilbronn und Bad Friedrichshall unterkommen.
Rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten an der SLK-Klinik in Löwenstein – nach der Schließung sollen sie an den Standorten in Heilbronn und Bad Friedrichshall unterkommen.  Foto: Ralf Seidel

Der Plan der Geschäftsführung sehe vor, möglichst viele der 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten und an die Standorte in Heilbronn und Bad Friedrichshall zu versetzen. „Viele werden das nicht machen“, ist sich eine der bisher eher ruhigen Mitarbeiterinnen sicher. Aus Heilbronn höre sie nichts Gutes. Dazu komme die Entfernung, ergänzt eine andere Mitarbeiterin. „Rund 80 Prozent kommen hier aus der Nähe, für viele ist Pendeln keine Option“ – „Vor allem bei den aktuellen Spritpreisen“, heißt es aus einer anderen Ecke der Gruppe.

Alternativen gebe es in der Umgebung ohnehin. „Arbeitslosigkeit in der Pflege? Wir werden doch überall gesucht“, sagt eine der Mitarbeiterinnen. Für die neu dazugekommene Kollegin ist es sogar eine Chance: „Das zwingt mich jetzt, aus meiner Komfortzone rauszukommen. Ich muss mich jetzt verändern.“ 

Klinik-Mitarbeiter in Löwenstein sind sicher: Patienten werden es spüren

Mehr Gedanken machen sich die Mitarbeitenden derweil über die Patienten. „Wir haben uns hier die Qualität der Behandlungen aufgebaut, die Patienten waren immer zufrieden“, sagt eine der Mitarbeiterinnen. Prozesse griffen ineinander, die einzelnen Abteilungen kennen sich. „Wir sind hier wie eine große Familie“, ergänzt sie. „Das merken auch die Patienten.“

Auch die Lage spiele eine Rolle. „Die Luft hier oben in Löwenstein ist sehr gut“, sagt eine Kollegin. „Wie soll das in der Stadt in Heilbronn aussehen?“ Eine Antwort bekommt sie nicht, einige lachen kurz. Mittlerweile ist auch die letzte Zigarette geraucht. „Langsam müssen wir rein“, sagt eine der Frauen.

Was sie von der Informationsveranstaltung erwartet? „Schönrederei“, antwortet sie knapp. Für sie stellt sich vor allem die Frage, wie der Klinikbetrieb nach dieser Entscheidung weitergehen soll. Einen normalen Klinikbetrieb bis 2028 könne sie sich jedenfalls nichts vorstellen.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben