Radschnellwege: Sinnvoll oder überflüssig?
Die vom Land forcierten Radschnellwege sind umstritten: Mit 30 Millionen Euro viel zu teuer und meist nicht an der richtigen Stelle sei etwa der geplante „RS 3“ zwischen Bad Wimpfen und Heilbronn, sagen Kritiker. Ohne die sogenannten Rad-Autobahnen wird die Verkehrswende nicht gelingen, sagen die anderen.

Pro: Flott Vorankommen wollen auch die Radfahrer
Beim Radfahren darf es – wie beim Auto auch – gerne flott voran gehen. Umso ärgerlicher ist es, wenn man als Schnell-Radler von roten Ampeln, Kreuzungen oder umständlichen Über- oder Unterführungen ausgebremst wird. Gerade im Winter und frühmorgens kühlt man da schnell aus. Auf einem Radschnellweg sind diese Hindernisse beseitigt. Das kann – muss natürlich nicht – für manchen Berufspendler ein Argument sein, den Weg zur Arbeit umweltfreundlich auf zwei Rädern zurück zu legen.
Es gibt aber auch ganz handfeste Argumente: Schaut man sich im Bordcomputer des Autos die Durchschnittsgeschwindigkeit an, stellt man mit Erschrecken fest, dass diese lediglich bei 40 Kilometern in der Stunde liegt – auch bei regelmäßigen Autobahnfahrten. Bei einem E-Bike kommt man je nach Fahrweise auf über 20 Kilometer in der Stunde, ein trainierter Renn-Radler ist noch schneller. Wenn es einen staufreien, direkten Weg in die Innenstädte gibt, ist man mit dem Fahrrad also nicht viel langsamer als mit dem Auto unterwegs, dazu stressfrei und mit Parkplatz direkt vorm Haus. Von der Umwelt und der Gesundheit mal ganz zu schweigen.
Contra: Rad-Autobahn könnte als Kreisstraße mit Gegenverkehr dienen
Gut gemeint heißt noch lange nicht gut gemacht. Radschnellwege sind ein gutes Beispiel dafür. Gut, dass das Fahrrad als Alternative zum Auto attraktiver, dadurch Staus abgebaut, Abgase reduziert und die Umwelt geschont werden soll. Doch in der Realität sieht es oft anders aus, dies zeigt sich auf dem Teilstück südlich von Bad Wimpfen im Tal. Radler stellen dort die Minderheit, was auch dem Winter geschuldet ist, wobei die Kälte gut ein Viertel Jahr herrscht. Gleichzeitig fehlen Fußgängerwege oder zumindest -Schilder, wobei davon ausgegangen werden muss, dass das nachgeholt wird.
Außerdem ist die frisch asphaltierte „Rad-Autobahn“, die Autos locker als Kreisstraße mit Gegenverkehr dienen könnte, dreimal so breit wie der frühere kombinierte Rad- und Fußgängerweg. Nicht nur optisch und ökologisch kommt die breite Asphaltwüste durch das bislang so beschauliche Wiesental einem Verbrechen an Flora und Fauna gleich. Auch finanziell ist sie nicht zu verantworten: Allein in den Abschnitt zwischen Wimpfen und Heilbronn sollen insgesamt 30 Millionen Euro fließen, nicht zuletzt wegen zwei geplanten Radlerbrücken – anstelle eines bestehenden Steges und parallel zur Wehrbrücke. Und das ist nur der Anfang.
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