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Spielplätze auflösen und Bauland schaffen? Widerstand gegen Pläne der Stadt Schwaigern

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Neun Spielplätze in Schwaigern sollen in Bauland umgewandelt werden – das würde Kosten sparen und Bauland schaffen. In der Bevölkerung regt sich Protest.


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Der Sitzungssaal im Schwaigerner Rathaus ist am Freitagabend rappelvoll. Familien mit Kindern füllen die Zuschauerränge. Anlass ist das Vorhaben der Stadtverwaltung, insgesamt neun öffentliche Spielplätze aufzulösen. Ziel dieser Maßnahme soll sein, den angespannten Haushalt zu entlasten und Bauland zu schaffen. Das stößt bei der Bevölkerung auf großen Widerstand. Und sorgt schließlich dafür, dass die Entscheidung noch vor Beginn der Gemeinderatssitzung vertagt wird: Der Punkt wird von der Tagesordnung genommen. Zu viele Rückfragen und ein hoher Gesprächsbedarf hätten sich im Vorfeld abgezeichnet. 

Aufregung in Schwaigern: Verwaltung will neun Spielplätze auflösen

Die Stimmung im Ratssaal ist aufgeladen. Bürgermeisterin Sabine Rotermund richtet sich direkt an die Zuhörer. „Wir wissen, dass diese Prozesse schmerzen“, betont die Rathauschefin. Ihr sei bewusst, dass es sich um ein emotionales Thema handle und viele Eltern und Kinder eine enge Bildung zu ihren Spielplätzen hätten. Es seien „Orte des Spielens, Lernens und Miteinanders“.

Die Bürger haben eine Petition für den Erhalt dieses Spielplatzes in Stetten ins Leben gerufen.
Die Bürger haben eine Petition für den Erhalt dieses Spielplatzes in Stetten ins Leben gerufen.  Foto: Theresa Heil

Aber Schwaigern verfüge mit insgesamt 51 über zahlreiche öffentliche Spielflächen. Diese müssten regelmäßig vom Bauhof und externen Firmen gewartet, Instand gehalten und gesäubert werden. Das kostet Geld, und die Stadt muss dringend sparen. „Wir ernten große Kritik, weil wir nicht auf allen Plätzen die Spielgeräte erneuern können“, gibt die Bürgermeisterin an. Die Mittel dafür seien schlicht nicht vorhanden. Gemeinsam mit dem Bauhof habe die Verwaltung geprüft, welche Spielplätze wenig frequentiert oder ohnehin in schlechtem Zustand sind. So ist eine Liste aus neun Spielflächen entstanden, die zu Bauland umgewandelt werden sollen. Obwohl der Bedarf an Wohnbaufläche hoch sei, sei der angespannte Haushalt der Hauptgrund für die Maßnahme, erklärt Rotermund auf Nachfrage einer Bürgerin. 

Bauland statt Spielplätze: Diese Areale in Schwaigern könnte es treffen

Die Spielflächen, die die Verwaltung ins Auge gefasst hat, sind die Plätze „Im Eselsberg“, „Bachstraße“, „Talblick“, „Lenbachweg“ und „Schönblick“ in der Kernstadt. Ebenfalls betroffen sind die Areale „Am Sportheim“ und „Orffweg“ in Massenbach sowie ein Bolzplatz in Stetten. Auch auf der Liste steht der Spielplatz „Gerberstraße Hälde“ in Stetten. Im Vorfeld der Gemeinderatssitzung erreicht eine Petition im Internet zum Erhalt dieser Anlage innerhalb von 21 Stunden mehr als 500 Unterschriften. Wenige Tage später liegt die Zahl bei mehr als 900. In dem Stadtteil sei die Auswahl an modernen Spielgeräten begrenzt, daher sei „ein Verlust nicht zu ersetzen“, heißt es in der Petition.

Mit dem Vorhaben ist Schwaigern in der Region indes nicht alleine. Mehrere Kommunen diskutieren die Auflösung von Spielflächen oder sind bereits dabei, darunter Lauffen und Eppingen. Auch in diesen Orten liegen die Gründe bei den Kosten und dem knappen Bauland. Der Trend gehe hin zu größeren, zentralen Spielflächen, die altersübergreifend genutzt werden können. Darauf setzt auch Schwaigern, wie aus den Unterlagen der Gemeinderatssitzung hervorgeht: „Aus Sicht der Verwaltung sollen lieber weniger Spielflächen, die dafür qualitativ gut und vielseitig sind, geschaffen werden.“

Kritik in der Schwaigerner Bevölkerung – Gemeinderat berät erneut 

Am Vorgehen der Verwaltung wird jedoch Kritik laut. Ob es nicht sinnvoller sei, direkt die Familien zu befragen, welche Spielplätze sie regelmäßig nutzen, will eine Anwesende im Ratssaal wissen. Den Vorwurf einer weiteren Bürgerin, ob Kinder in dieser Stadt keine wichtige Rolle spielen, weist Rotermund entschieden von sich. Die Frage, „kann ich nicht nachvollziehen“, betont sie. In den vergangenen Jahren seien die größten Investitionen der Kommune im Schulbereich getätigt worden. Im nächsten Schritt wird der Gemeinderat sich erneut zu dem Thema beraten. Man werde die Liste noch einmal prüfen, verspricht die Bürgermeisterin. 

Finanzen auf dem Prüfstand

„Unsere Finanzen sind momentan wirklich sehr schlecht“, gibt Bürgermeisterin Sabine Rotermund gegenüber der Heilbronner Stimme an. Durch einen Verkauf der Grundstücke könnte die Stadt Schwaigern Einnahmen in Höhe von 1,96 Millionen Euro generieren. Das geht aus den Unterlagen des Gemeinderats hervor. Die Spielflächen sind im Rahmen eines Bebauungsplans als Grünflächen ausgewiesen. Für die Umwandlung in Wohnfläche wäre eine Änderung dieses Plans nötig. Da die Maßnahme dem Zweck der Nahverdichtung dienen würde, wäre ein beschleunigtes Verfahren ohne Umweltprüfung möglich. 

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