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Schnapsbrennerei ist nun Unesco-Kulturerbe – Initiative kommt aus Bönnigheim

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Die handwerkliche Brennkunst ist nun Teil des immateriellen Unesco-Kulturerbes. Das Schnapsmuseum in Bönnigheim und Kurt Sartorius spielten dabei eine zentrale Rolle.

Die handwerkliche Brennkunst ist Immaterielles UNESCO-Kulturerbe – angestoßen von Kurt Sartorius.
Die handwerkliche Brennkunst ist Immaterielles UNESCO-Kulturerbe – angestoßen von Kurt Sartorius.  Foto: Lina Bihr

Kurt Sartorius eilt hastig durch die Räumlichkeiten seines Schnapsmuseums in Bönnigheim. Er schüttelt zahlreiche Hände, nimmt Glückwünsche entgegen und verteilt gefüllte Sektgläser. „Anstoßen, feiern – heißt es“, sagt er knapp und eilt weiter zum nächsten Stehtisch.

Im Stress, der Herr Sartorius? „Nein, nicht mehr“, sagt seine Frau Marianne schmunzelnd. Beide tragen traditionelle Kleidung der Schnapsbrenner. Unübersehbar: Kurt Sartorius mit einem Dreispitzhut. Klar ist – der Abend steht ganz im Zeichen der handwerklichen Brennkunst.

Handwerkliche Brennkunst nun Unesco-Kulturerbe – Dank Kurt Sartorius

Diese wurde nämlich auf Initiative von Museumsleiter Sartorius in die Liste der Immateriellen Kulturerben der Deutschen Unesco-Kommission aufgenommen. „Darauf sind wir alle mächtig stolz“, sagt Sartorius in die Runde und hebt sein Glas. Mit ihm stoßen zahlreiche Schnaps-Begeisterte an – darunter Bönnigheims Bürgermeister Albrecht Dautel, der Präsident des Bundesverbands der Kleinbrenner, Alois Gerig, die erste Deutsche Destillatkönigin Anna Steinmann sowie Peter Hauk, Baden-Württembergs Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Für ein Schnapsmuseum und diesen Anlass war das selbstverständlich nicht das letzte Glas des Abends.

Gäste der Ehrung: Gerd Kinzinger (v.l.), Alois Gerig, Anna Steinmann, Peter Hauk, Kurt Sartorius und Albrecht Dautel.
Gäste der Ehrung: Gerd Kinzinger (v.l.), Alois Gerig, Anna Steinmann, Peter Hauk, Kurt Sartorius und Albrecht Dautel.  Foto: Lina Bihr

Bereits 2019 gab Kurt Sartorius den Anstoß, die handwerkliche Brennkunst in die Kulturerbe-Liste der Unesco aufzunehmen. Der Grund? „Als wir 1993 mit unserem Museum begannen, gab es hierzulande noch 24.000 Kleinbrennereien. Heute sind es nur noch 10.000 in ganz Deutschland“, erzählt Sartorius. Die Auszeichnung als Kulturerbe solle den verbliebenen Kleinbrennern helfen, nicht vollständig zu verschwinden.

„Und so eine Unesco-Auszeichnung lässt sich natürlich auch gut vermarkten“, merkt Peter Hauk an und verweist auf den rückläufigen Schnapsabsatz: „Wir brennen hier unsere Heimat – und die müssen wir unterstützen“, plakatiert er. „Wer Streuobstwiesen erhalten will, muss auch Schnaps aus der Region kaufen.“ Applaus im Raum, eine Heimat-Schnapsprobe inklusive.

Was die handwerkliche Brennkunst zum immateriellen Unesco-Kulturerbe rechtfertigt

Aber was macht die handwerkliche Brennerei so schützenswert? „Es ist eine jahrhundertealte Tradition, die in Deutschland eine besondere Bedeutung hat“, erklärt Sartorius. Sie stehe nicht nur für handwerkliche Fertigkeit, sondern sei auch kulturelles Erbe, das bis ins Jahr 1167 zurückreiche. „Dieses Erbe zu bewahren und zu schützen, ist wichtig für kommende Generationen und die kulturelle Vielfalt unseres Landes“, so der Museumsleiter.

Erste Destilliergeräte dienten der Herstellung von Heilmitteln, im Mittelalter entwickelte sich langsam die Gewinnung von Genussmitteln. Besonders in Süddeutschland entstanden zahlreiche Familienbrennereien, die bis heute nach traditionellen Verfahren arbeiten – mit Obst als Grundlage.

Ein Immaterielles Kulturerbe der UNESCO ist keine Sehenswürdigkeit aus Stein, sondern eine lebendige Tradition: Bräuche, Feste, Handwerkstechniken, Musik oder Wissen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Mit der Aufnahme in die UNESCO-Liste werden solche kulturellen Praktiken als besonders wertvoll anerkannt. Ziel ist es, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen, ihre Weitergabe zu sichern und das Bewusstsein für ihren Wert zu stärken.

Lob und Glückwünsche richtet Minister Hauk an Kurt Sartorius – für sein Engagement im Museum und seinen Einsatz für die Anerkennung als Kulturerbe. „Ja, es war aufwendig und nur mit zig Stunden ehrenamtlicher Arbeit möglich“, sagt Sartorius. Zahlreiche Briefe, Anträge, Fragebögen an den Bundesverband der Kleinbrenner – und nach langem Warten war es endlich soweit: Seit März dieses Jahres gilt die handwerkliche Brennkunst offiziell als Immaterielles Kulturerbe der Unesco. In der Liste finden sich viele bedeutende Traditionen der deutschen Geschichte – etwa der Orgelbau, das Hebammenwesen, der Blaudruck oder das Genossenschaftswesen.

Kurt Sartorius führt  die erste Deutsche Destillatkönigin Anna Steinmann durch das Schnapsmuseum.
Kurt Sartorius führt die erste Deutsche Destillatkönigin Anna Steinmann durch das Schnapsmuseum.  Foto: Lina Bihr

Zwei Schilder und ein Banner mit dem Unesco-Signet hängen bereits im Museum. Die offizielle Urkunde folgt in den kommenden Wochen. Doch was es bereits jetzt gibt: weitere Schnapsproben für die feiernden Gäste. Sartorius hat zu jedem Glas den passenden Trinkspruch parat – der ein oder andere etwas zu salopp. Da gilt: Was im Schnapskeller passiert, bleibt im Schnapskeller – und gehört nicht in die Zeitung. 

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